Biografie
Maria Theresia (Maria Theresia Walburga Amalia Christina) wurde am 13. Mai 1717 in Wien als älteste überlebende Tochter Kaiser Karls VI. und Elisabeth Christines von Braunschweig-Wolfenbüttel geboren. Ihr Vater hatte keinen männlichen Erben und bestimmte sie deshalb mit der Pragmatischen Sanktion von 1713 zur Nachfolgerin in den habsburgischen Ländern. Um die Anerkennung dieser Regelung durch die europäischen Mächte zu sichern, führte Karl VI. jahrzehntelang diplomatische Verhandlungen. Dennoch widerriefen mehrere Staaten nach seinem Tod ihre Zusagen. Zugleich hatte er die Armee und die Staatsfinanzen vernachlässigt, sodass Maria Theresia 1740 ein geschwächtes und nahezu bankrottes Herrschaftsgebiet übernahm.
Maria Theresia wuchs als ernstes, eher zurückhaltendes Kind auf. Sie sang gern, nahm an höfischen Opernaufführungen teil und interessierte sich für Zeichnen, Musik und Tanz. Ihre Ausbildung wurde von Jesuiten betreut, war jedoch vor allem auf die Rolle einer künftigen Königin und Gemahlin zugeschnitten. In Staatsangelegenheiten erhielt sie nur unzureichende Vorbereitung: Zwar durfte sie ab ihrem vierzehnten Lebensjahr gelegentlich an Ratssitzungen teilnehmen, doch ihr Vater besprach die politischen Fragen nicht mit ihr.
Früh wurde nach einem geeigneten Ehemann gesucht. Mehrere Heiratspläne scheiterten aus politischen oder religiösen Gründen, bevor Maria Theresia sich dem lothringischen Herzog Franz Stephan näherte. Das Paar heiratete am 12. Februar 1736 in Wien. Franz Stephan musste seine angestammten lothringischen Besitzungen an Frankreich abtreten und wurde stattdessen nach dem Tod des kinderlosen Großherzogs Gian Gastone de’ Medici Großherzog von Toskana. Die Ehe war von Maria Theresias Seite von starker Zuneigung geprägt, wurde aber durch ihre Eifersucht und die Untreue ihres Mannes belastet. 1745 wurde Franz Stephan zum römisch-deutschen Kaiser gewählt. Maria Theresia selbst konnte dieses Amt als Frau nicht ausüben, blieb aber die eigentliche politische Herrscherin.
Nach dem Tod Karls VI. am 20. Oktober 1740 musste Maria Theresia ihre Herrschaft sofort militärisch verteidigen. Friedrich II. von Preußen fiel in Schlesien ein, während Bayern, Sachsen, Frankreich und Spanien ebenfalls Teile des habsburgischen Erbes beanspruchten. Der daraus entstehende Österreichische Erbfolgekrieg dauerte acht Jahre. Besonders wichtig war die Unterstützung Ungarns. Bei ihrer Krönung zur Königin von Ungarn 1741 gewann Maria Theresia durch einen eindrucksvollen Auftritt vor dem ungarischen Landtag die Sympathie der Abgeordneten und erhielt die dringend benötigten Truppen. Sie behauptete sich gegen ihre Gegner und bewahrte den größten Teil ihrer Länder, musste jedoch Schlesien an Preußen abtreten. Böhmen eroberte sie vorübergehend zurück, und 1743 wurde sie dort zur Königin gekrönt.
Der Versuch, Schlesien im Siebenjährigen Krieg zurückzugewinnen, blieb ebenfalls erfolglos. Maria Theresia schloss dafür ein Bündnis mit Frankreich und Russland, nachdem Österreich und Frankreich ihre traditionelle Feindschaft überwunden hatten. Trotz mehrerer österreichischer Siege konnte Friedrich II. seine wichtigste Provinz behaupten. Der Krieg endete 1763, und Maria Theresia wandte sich danach stärker der inneren Modernisierung ihrer Monarchie zu.
Obwohl ihr Ehemann und später ihr ältester Sohn Joseph offiziell als Mitregenten auftraten, regierte Maria Theresia selbständig und häufig autokratisch. Unterstützt von Ministern wie Wenzel Anton von Kaunitz, Friedrich Wilhelm von Haugwitz und Gerard van Swieten zentralisierte sie die Verwaltung, reorganisierte das Heer und verbesserte die Finanzen. Eine stehende Armee wurde aufgebaut, Behörden wurden vereinheitlicht und die Staatseinnahmen deutlich gesteigert. Neue Gerichte und Finanzinstitutionen stärkten die zentrale Regierung. Der Staatsrat diente ihr als beratendes Gremium, ohne selbst gesetzgeberische oder vollziehende Macht zu besitzen.
Auch Medizin und Bildung gehörten zu ihren Reformfeldern. Nach mehreren Pockentodesfällen in der Familie förderte Maria Theresia die Pockenimpfung, ließ Versuche an Waisenkindern durchführen und sorgte anschließend für ein Impfzentrum. Sie gründete medizinische Einrichtungen, erließ Vorschriften für den Umgang mit Giften und verbot Blei in Ess- und Trinkgefäßen. Im Bildungswesen entstanden Schulen für Beamte, Militärs und Diplomaten. Die Schulreform von 1774 führte verpflichtende, säkulare Volksschulen für Kinder beider Geschlechter ein. Unterricht in der Muttersprache, später auch auf Deutsch, sowie eine bessere Ausbildung der Lehrer sollten die weit verbreitete Ungebildetheit bekämpfen.
Ihre Politik blieb jedoch widersprüchlich. Maria Theresia war eine tiefgläubige Katholikin und lehnte religiöse Toleranz grundsätzlich ab. Protestanten wurden zur Konversion gedrängt, in Arbeitsanstalten eingewiesen oder nach Siebenbürgen deportiert. Juden betrachtete sie als Gefahr für den Staat und ließ 1744 die Prager Juden ausweisen; die Maßnahme wurde jedoch aus wirtschaftlichen und außenpolitischen Gründen später zurückgenommen. Zugleich schützte sie in einzelnen Fällen jüdische Gemeinden und förderte ihre wirtschaftliche Tätigkeit. Sie schränkte den Einfluss der Jesuiten ein, kontrollierte die Kirche stärker und reduzierte religiöse Feiertage und Ordensgemeinschaften. Ihre Regierung institutionalisierte außerdem die Zensur und hielt lange an Folter sowie strengen Eingriffen in die private Moral fest.
Maria Theresia war Mutter von sechzehn Kindern, von denen zehn das Erwachsenenalter erreichten. Sie verband persönliche Fürsorge mit einer strengen dynastischen Erziehung und nutzte die Ehen ihrer Kinder zur Sicherung politischer Bündnisse. Besonders bekannt wurde die Heirat ihrer jüngsten Tochter Maria Antonia, der späteren Marie Antoinette, mit dem französischen Thronfolger. Mit ihren Kindern korrespondierte Maria Theresia regelmäßig, kritisierte sie jedoch häufig und erwartete Gehorsam. Nur ihre Tochter Maria Christina genoss uneingeschränktes Vertrauen.
Nach dem Tod Franz Stephans 1765 zog sich Maria Theresia in tiefe Trauer zurück. Ihr Sohn Joseph wurde Kaiser und zugleich ihr Mitregent. Zwischen beiden kam es wiederholt zu politischen und persönlichen Konflikten, da Joseph stärker auf umfassende Reformen drängte, während seine Mutter an monarchischer Autorität, religiösen Beschränkungen und einer vorsichtigeren Politik festhielt. Gegen ihren Willen beteiligte sich Österreich 1772 an der Ersten Teilung Polens. Während des Bayerischen Erbfolgekriegs 1778/79 setzte sie sich schließlich für einen Ausgleich mit Preußen ein.
Maria Theresia starb am 29. November 1780 in Wien, nachdem sie seit 1767 unter gesundheitlichen Folgen einer Pockenerkrankung und später unter Atemnot, Erschöpfung und Ödemen gelitten hatte. Sie wurde neben ihrem Mann in der Kaisergruft beigesetzt. Mit ihrem Tod erlosch das ursprüngliche Haus Habsburg; ihr Sohn Joseph II. führte die Herrschaft fort. Maria Theresias vierzigjährige Regierungszeit stärkte die internationale Stellung Österreichs, schuf eine zentralere Verwaltung und leitete eine Epoche des aufgeklärten Absolutismus ein. Ihr Wirken blieb dabei von einem Spannungsverhältnis zwischen praktischen Modernisierungen und tiefem Konservatismus geprägt.
Quelle: Maria Theresa (en, 1370696775). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0