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Holy Roman Emperor Leopold II
Heinrich Füger
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Bildquelle: File:Leopold II.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Leopold II. aus dem Haus Habsburg-Lothringen wurde am 5. Mai 1747 in Wien als neuntes Kind Maria Theresias und Kaiser Franz’ I. Stephan geboren. Bei seiner Geburt galt es als wenig wahrscheinlich, dass er selbst den höchsten habsburgischen Thron besteigen würde. Zunächst war für ihn vielmehr eine politische Laufbahn in der Toskana vorgesehen. Nach dem Tod seines älteren Bruders Karl Joseph im Jahr 1761 wurde Leopold jedoch zum Erben des Großherzogtums Toskana bestimmt. Seine Ausbildung war stark von den Ideen der Aufklärung geprägt. Er beschäftigte sich mit Naturrecht, Geschichte, Religion, Wirtschaft, Naturwissenschaften und Verwaltung. Dabei entwickelte er die Überzeugung, dass ein Herrscher seine Macht durch gerechte Gesetze und das Wohl seiner Untertanen rechtfertigen müsse.
Im August 1765 heiratete Leopold in Innsbruck die spanische Infantin Maria Ludovika, eine Tochter des spanischen Königs Karl III. Die Hochzeit wurde jedoch von einem schweren Schicksalsschlag überschattet: Wenige Tage später starb sein Vater Franz I. Stephan plötzlich. Dadurch wurde Leopolds Bruder Joseph II. Kaiser und Mitregent Maria Theresias, während Leopold selbst das Großherzogtum Toskana übernahm. Im September 1765 traf er in Florenz ein und begann, das bisher stark von Wien abhängige Land eigenständig zu regieren.
Während seiner 25-jährigen Herrschaft entwickelte sich Toskana zu einem bedeutenden Zentrum aufgeklärter Reformpolitik. Leopold reorganisierte die Verwaltung, schuf eine eigenständige Staatskasse und setzte stärker auf fachkundige Beamte als auf traditionelle aristokratische Netzwerke. Er führte eine umfassende Erfassung von Land und Besitz durch, vereinfachte die kommunale Verwaltung und stärkte zentrale Gerichte. Zugleich überwachte er die Arbeit seiner Behörden sehr genau und ließ Informationen über Beamte, Gerichte und lokale Einrichtungen sammeln.
Besonders weitreichend waren seine wirtschaftlichen Reformen. Leopold lockerte zunächst den staatlichen Eingriff in den Getreidehandel und führte weitgehende Handelsfreiheit ein. Er hob Zunftbeschränkungen auf, beseitigte zahlreiche Binnenzölle und vereinheitlichte Steuern, Maße und Gewichte. Landwirtschaft und Infrastruktur wurden gefördert, Straßen ausgebaut und der Hafen Livorno stärker in den Handel eingebunden. Durch die sogenannte Allivellazione wurden staatliche und kirchliche Ländereien langfristig an Bauern verpachtet, um eine Schicht wirtschaftlich selbstständiger Landwirte zu schaffen. Entwässerungs- und Meliorationsprojekte, besonders im Val di Chiana und in der Maremma, sollten ungenutzte und teilweise von Malaria betroffene Gebiete erschließen.
Sein bedeutendstes Gesetzeswerk war die 1786 erlassene Leopoldina, eine umfassende Reform des toskanischen Strafrechts. Darin wurden Folter und Todesstrafe vollständig abgeschafft. Außerdem beseitigte das Gesetz entehrende Körperstrafen und die Einziehung des Eigentums von Verurteilten. Gerichtsverfahren sollten öffentlich sein, Angeklagte erhielten das Recht auf Verteidigung, und Urteile mussten schriftlich begründet werden. Toskana wurde damit zu einem frühen Vorbild einer humanisierten Strafjustiz.
Auch gegenüber der Kirche verfolgte Leopold einen reformorientierten, staatsnahen Kurs. Er wollte Klöster und kirchliche Einrichtungen stärker kontrollieren, nicht nützliche Orden auflösen und deren Vermögen teilweise für Bildung, Krankenpflege und soziale Aufgaben verwenden. Gemeinsam mit dem Bischof Scipione de’ Ricci unterstützte er jansenistisch geprägte Reformen, die eine schlichtere Liturgie und eine größere Eigenständigkeit der Landeskirche gegenüber Rom vorsahen. Die Synode von Pistoia im Jahr 1786 stieß jedoch auf den Widerstand vieler Bischöfe, des Papstes und großer Teile der Bevölkerung. Nach Unruhen musste Leopold seine kirchenpolitischen Pläne teilweise zurücknehmen.
Leopold dachte außerdem über eine Verfassung nach, die die absolutistische Herrschaft durch repräsentative Körperschaften begrenzen sollte. Sein Entwurf sah Gemeinde- und Provinzversammlungen sowie ein gesamttoskanisches Parlament vor. Steuerbewilligung und wichtige gesetzgeberische Entscheidungen sollten nicht mehr allein beim Herrscher liegen. Das Projekt scheiterte am Widerstand Josephs II., des Adels und höherer Geistlicher, blieb aber ein Ausdruck von Leopolds Vorstellung des Herrschers als „erstem Beamten“ des Staates.
In Toskana förderte Leopold zudem Krankenhäuser, Hygiene, Impfungen, Bildung und Wissenschaft. Er unterstützte die medizinische Versorgung armer Menschen, verbesserte den Umgang mit psychisch Kranken und ließ Schulen stärker auf Mathematik, Naturwissenschaften, Recht und Landwirtschaft ausrichten. Das Florentiner Museum La Specola wurde zu einem wichtigen Zentrum wissenschaftlicher Bildung. Trotz seiner Reformen blieb Leopold ein distanzierter und kontrollierender Herrscher, der öffentliche Repräsentation mied und sich stärker mit Beamten und Gelehrten als mit dem Adel umgab. Mit Maria Ludovika führte er eine respektvolle Ehe; gemeinsam hatten sie 16 Kinder.
Nach dem Tod Josephs II. im Februar 1790 übernahm Leopold die Herrschaft über die habsburgischen Länder und wurde im selben Jahr zum römisch-deutschen König und später zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt. Die Monarchie befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer schweren Krise. In den Österreichischen Niederlanden war eine Revolte ausgebrochen, in Ungarn widersetzte sich der Adel den Reformen Josephs II., die Staatsfinanzen waren durch den Krieg gegen das Osmanische Reich erschöpft, und Preußen drohte mit einem Eingreifen.
Leopold reagierte mit einer Mischung aus Zugeständnissen, rechtlicher Anerkennung historischer Freiheiten und entschlossener Diplomatie. Er stellte in Ungarn die alte Verfassung wieder her und ließ sich im November 1790 in Bratislava zum ungarischen König krönen. In Böhmen bestätigte er die Eigenständigkeit des Landes und wurde im September 1791 in Prag zum böhmischen König gekrönt. Die Rückgabe der ungarischen und böhmischen Kroninsignien war dabei ein wichtiges Symbol der Versöhnung. Im Oktober 1790 war er bereits in Frankfurt zum Kaiser gekrönt worden.
Außenpolitisch beendete Leopold mit dem Frieden von Reichenbach die unmittelbare Kriegsgefahr mit Preußen und bereitete den Frieden mit dem Osmanischen Reich vor. Gegenüber der Französischen Revolution blieb er zunächst zurückhaltend, obwohl seine Schwester Marie Antoinette französische Königin war. Erst nach der Gefangennahme der französischen Königsfamilie unterstützte er den diplomatischen Druck auf Paris. Die Pillnitzer Erklärung von August 1791 war nach seiner Vorstellung vor allem ein Mittel der Einschüchterung und kein unmittelbarer Kriegsaufruf. Dennoch wurde sie später als einer der formalen Anlässe für die Koalitionskriege angesehen.
Leopold II. starb am 1. März 1792 im Alter von 44 Jahren unerwartet in Wien. Sein Sohn Franz II. folgte ihm nach und schlug angesichts der Revolutionskriege einen deutlich konservativeren und repressiveren Kurs ein. Leopold blieb als aufgeklärter, pragmatischer und gesetzesorientierter Herrscher in Erinnerung, der innerhalb kurzer Zeit die habsburgische Monarchie vor dem Zerfall bewahrte. Seine Reformen in Toskana, besonders die Leopoldina, sein Verfassungsdenken und seine Politik des politischen Ausgleichs machten ihn zu einem der bedeutendsten Vertreter der europäischen Aufklärung.
Quelle: Leopold II. (Svätá rímska ríša) (sk, 8247727). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
Eltern
Kinder
- Albrecht Johann Joseph Erzherzog von Österreich
- Alexander Leopold von Österreich
- Anton Viktor von Österreich
- Erzherzogin Maria Anna von Österreich
- Ferdinand III.
- Franz II.
- Johann von Österreich
- Joseph von Österreich
- Karl von Österreich-Teschen
- Ludwig von Österreich
- Maria Amalia, Österreich, Erzherzogin
- Maria Klementine von Österreich
- Maria Theresia von Österreich
- Maximilian Johann Joseph Erzherzog von Österreich
- Rainer von Österreich
- Rudolf von Österreich