Person
Maria Amalia von Österreich
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
26.02.1746
Tod
18.06.1804

Bildnachweis
Maria Amalia of Austria by Roslin
Alexander Roslin
[1]
Bildquelle: File:Maria Amalia of Austria by Roslin.jpg · Lizenz: Public domain
Für die Darstellung in der Größe angepasst.
Biografie
Maria Amalia Josepha Johanna Antonia von Österreich-Lothringen wurde am 26. Februar 1746 in Wien als achte Tochter der Kaiserin Maria Theresia und des Kaisers Franz Stephan von Lothringen geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie an den habsburgischen Höfen in Wien, Laxenburg und Schönbrunn. In der Familie stand sie häufig im Schatten ihrer Schwestern Maria Christina, der Lieblingstochter der Mutter, und Maria Elisabeth, die für ihre Schönheit bekannt war. Dadurch blieb ihr Verhältnis zu Maria Theresia lange schwierig. Halt fand sie vor allem bei ihren jüngeren Schwestern, während sie zu ihrer älteren Schwester Maria Anna und zu ihrem Vater ein enges Verhältnis pflegte. Franz Stephan nahm sie gern auf Jagdausflüge mit, wodurch Maria Amalia selbst eine Leidenschaft für die Jagd entwickelte.
Maria Amalia galt als intelligent, eigenwillig und durchsetzungsfähig. Sie war künstlerisch begabt, malte, besaß eine angenehme Sopranstimme und schrieb Gedichte. Zugleich entwickelte sie einen eher zurückgezogenen, aber unabhängigen und autoritären Charakter. 1761 erhielt sie im Alter von fünfzehn Jahren einen eigenen Hofstaat. Ihr gesellschaftliches Debüt gab sie 1765 bei der Hochzeit ihres Bruders Joseph mit Maria Josepha von Bayern.
In den 1760er Jahren wollte Maria Amalia den Prinzen Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken heiraten, der ebenfalls an einer Verbindung interessiert war. Maria Theresia und ihr Minister Kaunitz lehnten diese Ehe jedoch ab, weil sie den politischen Interessen Österreichs widersprach. Österreich hoffte unter anderem, künftig Bayern an sich zu bringen, während Karl möglicherweise Anspruch auf den bayerischen Thron gehabt hätte. Maria Amalia musste deshalb auf ihre persönliche Wunschheirat verzichten. Stattdessen wurde sie mit Ferdinand I., dem Herzog von Parma, Piacenza und Guastalla, verlobt. Die Verbindung sollte das Bündnis mit den Bourbonen stärken und den österreichischen Einfluss in Italien sichern.
Die Ehe wurde am 27. Juni 1769 in Wien stellvertretend geschlossen. Am 1. Juli verließ Maria Amalia Österreich, begleitet von ihrem Bruder Joseph II., und heiratete Ferdinand am 19. Juli im Schloss von Colorno. Ferdinand war fünf Jahre jünger als sie und zeigte Anzeichen geistiger Instabilität. Die Beziehung der Eheleute blieb kühl, doch sie bemühten sich um zahlreiche Nachkommen, da ein Erbe für die Zukunft des Herzogtums entscheidend war.
In Parma begann Maria Amalia zunächst mit Unterstützung und nach den Ratschlägen ihrer Mutter, sich in die Politik einzumischen. Bald entwickelte sie jedoch eine eigene, machtbewusste Linie. Das Herzogtum stand unter dem Einfluss Frankreichs und Spaniens und erhielt von beiden Mächten finanzielle Unterstützung. Maria Amalia wollte diese Abhängigkeit verringern und die politische Eigenständigkeit Parmas stärken. Da Ferdinand wenig Interesse an der Regierung zeigte, fiel ihr zunehmend die tatsächliche Leitung des Staates zu.
Ein wichtiger Schritt war die Entlassung des langjährigen Premierministers Guillaume du Tillot im Jahr 1771. An seine Stelle trat zunächst der von Spanien empfohlene José del Llano, mit dem Maria Amalia bald in Konflikt geriet. Bereits 1772 wurde er durch Giuseppe Pompeo Sacco ersetzt; del Llano kehrte später kurzzeitig zurück, wurde aber erneut entlassen. In der Folge verloren Frankreich und Spanien ihren Einfluss auf die Regierung. Auch gegenüber Österreich behauptete Maria Amalia schließlich die Unabhängigkeit des Herzogtums. Ab 1774 widmete sich Ferdinand fast ausschließlich religiösen Studien, sodass Maria Amalia die politische Führung weitgehend allein übernahm. 1773 wurde sie nach der Geburt des Thronfolgers Mitglied des Kronrats und galt nun als die eigentliche Herrscherin von Parma, Piacenza und Guastalla.
Beim Volk war die Herzogin beliebt. Sie besuchte die Gebiete ihres Herrschaftsbereichs, verteilte Geschenke und unterstützte Bedürftige. Teilweise bezahlte sie sogar aus eigener Tasche Ausgaben, die eigentlich von den Ministern zur Förderung der Wirtschaft und der Industrie hätten übernommen werden sollen. Bei Überschwemmungen in Parma soll sie persönlich zuerst den Menschen zu Hilfe geeilt sein. Gleichzeitig kümmerte sie sich intensiv um die Erziehung ihrer Kinder. Sie legte Wert auf Sprachkenntnisse, insbesondere in Französisch und Deutsch, sowie auf religiöse Bildung und eine disziplinierte Erziehung. Wenn ihre Kinder krank waren, pflegte sie sie selbst, auch wenn ihre Methoden den Ärzten nicht immer gefielen.
Maria Amalia förderte außerdem Kunst, Musik und öffentliche Bauvorhaben. 1773 wurde der „Stradone per Genova“ eröffnet, eine wichtige Verkehrs- und Handelsverbindung durch den Apennin. Sie ließ das Jagdschloss von Sala Baganza umfassend erneuern, unterstützte die Wiederaufnahme der archäologischen Ausgrabungen von Velleia und förderte später weitere Bauwerke wie das Oratorium dell’Assunta. Sie liebte Jagd und Reiten, nahm an öffentlichen Diskussionen teil und wirkte bei Aufführungen am Hof selbst an Texten und Inszenierungen mit. Künstler und Musiker widmeten ihr Werke, und mit dem Archäologen Pietro De Lama stand sie in engem Austausch.
Zu ihren Schwestern Maria Antonietta und Maria Carolina hielt Maria Amalia lange Kontakt. Die Schwestern tauschten Briefe, Porträts und Geschenke aus. Eine der letzten geheim übermittelten Briefe Maria Antoniettas aus ihrer Gefangenschaft war an Maria Amalia gerichtet. Die Nachricht von der Hinrichtung Maria Antoniettas und ihres Mannes erschütterte sie tief. Danach wandte sie sich endgültig vom aufgeklärten Despotismus ab und wurde zu einer entschiedenen Konservativen. Sie entwickelte einen starken Hass auf die Revolutionäre und gab den Gebrauch der französischen Sprache auf.
Mit dem Vormarsch Napoleons geriet das Herzogtum in eine immer schwierigere Lage. 1796 erklärten Maria Amalia und Ferdinand die Neutralität, doch französische Truppen besetzten Parma und stellten die herzogliche Familie unter Überwachung. Nach der Schlacht von Marengo im Jahr 1800 wurde das Gebiet endgültig besetzt. 1801 lehnten die Herzöge das von Napoleon angebotene Königreich Etrurien für sich selbst ab; den Titel erhielt schließlich ihr Sohn Ludovico. Nach Ferdinands Tod im Oktober 1802 ernannte er Maria Amalia auf dem Sterbebett zur Vorsitzenden des Regentschaftsrats. Ihre Regentschaft dauerte jedoch nur dreizehn Tage, da Parma inzwischen Frankreich angegliedert worden war. Am 22. Oktober 1802 musste sie mit ihren Töchtern das Herzogtum verlassen.
Maria Amalia wollte zunächst nach Wien gehen, doch ihr Neffe, Kaiser Franz II., verweigerte ihr die Erlaubnis. Daher ließ sie sich nach einem Aufenthalt in Venedig in Prag nieder. Die Bevölkerung begegnete ihr dort wohlwollend, da sie weiterhin Wohltätigkeit übte und sich am gesellschaftlichen Leben beteiligte. Sie besuchte soziale Einrichtungen und unternahm Reisen, unter anderem nach Dresden, Brünn und nach Amaliendorf-Aalfang.
Ihre letzten Jahre waren von schweren Verlusten und Krankheit geprägt. 1803 starb ihr Sohn Ludovico I. von Etrurien an einem epileptischen Anfall, im März 1804 ihre älteste Tochter Carolina nach einer Geburt. Maria Amalias eigene Gesundheit verschlechterte sich rapide. Sie litt unter Lähmungserscheinungen, Husten, wiederkehrenden Erkältungen und einem Brusttumor. Am 18. Juni 1804 starb sie in Prag im Alter von 58 Jahren. Bei ihrer Beerdigung in der St.-Veits-Kathedrale erwiesen ihr die Bevölkerung und der örtliche Adel große Anteilnahme, während kein Mitglied der habsburgisch-lothringischen Familie anwesend war. Ihr Leichnam wurde in der königlichen Gruft bestattet, ihr Herz später nach Wien überführt. Maria Amalia hinterließ mindestens zehn Kinder; mehrere ihrer Töchter traten in Klöster ein, während ihr Sohn Ludovico König von Etrurien wurde. Sie blieb als die Frau in Erinnerung, die das Herzogtum Parma über Jahrzehnte tatsächlich regierte und dessen politische Eigenständigkeit zu bewahren suchte.
Quelle: Maria Amalia d'Asburgo-Lorena (it, 152176305). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0