Person

Joseph von Österreich

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Geburt

  1. 09.03.1776

  2. 1776

Tod

  1. 13.01.1847

  2. 1847

Porträt von Joseph von Österreich
Bildnachweis

Jozsef nador

Johann Nepomuk Höfel

hung-art

Bildquelle: File:Jozsef nador.jpg · Lizenz: Public domain

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Biografie

Erzherzog Joseph Anton von Österreich wurde am 9. März 1776 in Florenz als neuntes Kind und siebter Sohn des späteren Kaisers Leopold II. und der spanischen Infantin Maria Luisa geboren. Er wuchs mit seinen Geschwistern in einem vergleichsweise familiären und fortschrittlich geprägten Hofumfeld auf. Seine Erziehung verband katholische Frömmigkeit und höfische Pflichten mit Ideen der Aufklärung. Joseph lernte Deutsch, Italienisch, Französisch und Latein und erhielt Unterricht in Geschichte, Recht, Politik, Naturkunde, Geografie und Mathematik. Besonders interessierte er sich für Geschichte, Archäologie, Botanik und Gartenbau. Der Pädagoge Sigismund Anton von Hohenwarth vermittelte ihm die Vorstellung, dass gute Herrschaft dem Wohl der Menschen und der Gesellschaft dienen müsse. Nach dem Tod Josephs II. zog die Familie 1790 nach Wien, wo Joseph seine Ausbildung mit militärischen und politischen Studien fortsetzte. 1792 begleitete er seinen älteren Bruder Franz, den späteren Kaiser Franz II. und ungarischen König Franz I., zu dessen Krönungen. Dabei besuchte er erstmals Pest-Buda und zeigte großes Interesse an den wissenschaftlichen Einrichtungen und Persönlichkeiten Ungarns. 1794 reiste er in die Österreichischen Niederlande, studierte deren Kultur und Wirtschaft und beobachtete die Kämpfe der Revolutionskriege. Sein Weg nach Ungarn wurde durch den Tod seines Bruders Alexander Leopold bestimmt. Dieser war 1795 bei einem Unfall mit Feuerwerkskörpern ums Leben gekommen und hatte zuvor das Amt des ungarischen Palatins innegehabt. Um Spannungen im Land zu beruhigen, ernannte Franz Joseph zunächst zum Gouverneur von Ungarn. Joseph zog im September 1795 in Buda ein, ließ sich in ungarischem Recht und in der Geschichte des Landes unterweisen und begann, Ungarisch zu lernen. Obwohl er anfangs stark auf konservative Berater angewiesen war, entwickelte er bald ein eigenständiges Urteil. Er unterstützte unter anderem religiöse Toleranz und den Weinexport und bewältigte einen gefährlichen Pestausbruch in Syrmien, indem er eine überwachte Quarantäne durchsetzte und nach Verhandlungen die nötigen Waffen für deren Sicherung beschaffte. 1796 wurde Joseph von der ungarischen Ständeversammlung zum Palatin gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Tod 1847, mehr als fünf Jahrzehnte lang. Seine wichtigste politische Aufgabe bestand darin, zwischen dem Wiener Hof und den ungarischen Ständen zu vermitteln. Joseph blieb grundsätzlich konservativ und dynastietreu, setzte sich aber zunehmend für die Interessen Ungarns ein. Er drängte seinen Bruder, den Reichstag regelmäßig einzuberufen, politische Gefangene freizulassen, das Bildungswesen zu verbessern und Handel und Wirtschaft zu fördern. In seinem Bericht von 1801 kritisierte er die mangelnde Leistungsbereitschaft der Verwaltung und die Geringschätzung des niederen Adels. Zugleich warnte er davor, berechtigte Forderungen durch Unterdrückung zu beantworten. Beim Reichstag von 1802 versuchte Joseph, die ungarischen Forderungen nach wirtschaftlicher Entwicklung mit den militärischen Bedürfnissen der Monarchie zu verbinden. Er versprach, die Rechte der Ungarn zu schützen, selbst wenn dies einen Konflikt mit seinem Bruder bedeutete. Die Versammlung bewilligte schließlich neue Rekruten, doch grundlegende Reformen der Zollordnung und des Handels blieben aus. Auch in späteren Jahrzehnten trat Joseph als ausgleichende Kraft auf. Beim Reichstag von 1832 bis 1836 verhinderte er eine völlige Blockade zwischen den Kammern. 1840 erreichte er eine Amnestie für László Lovassy, Lajos Kossuth und Miklós Wesselényi. 1843 schützte er den Verein Védegylet, der die ungarische Industrie fördern sollte. Joseph prägte auch die Entwicklung von Pest. Er förderte die städtebauliche Modernisierung, setzte József Hild mit der Planung wichtiger Bauvorhaben ein und leitete ab 1808 das Verschönerungskomitee von Pest. Unter seiner Mitwirkung entstanden Teile von Lipótváros und der Stadtpark. Er unterstützte außerdem das Observatorium auf dem Gellértberg, erwarb die Margareteninsel und ließ sie in einen Park umgestalten. Nach der großen Überschwemmung von 1838 leitete er persönlich Rettungsmaßnahmen und Hilfen für die betroffene Bevölkerung. Seine Förderung neoklassizistischer Bauten und öffentlicher Anlagen prägte das spätere Erscheinungsbild Budapests. Zu seinen kulturellen und wirtschaftlichen Initiativen gehörten die Unterstützung einer nationalen Bibliothek, aus der später die Nationalbibliothek Széchényi und das Ungarische Nationalmuseum hervorgingen, sowie bedeutende Spenden für die Ungarische Akademie der Wissenschaften. Er förderte die Ausbildung von Blinden, die Ludovica-Militärakademie und das Polytechnische Institut. Außerdem unterstützte er den Ausbau des Verkehrs, gründete die Pferdebahn nach Kőbánya und wirkte an der ersten Eisenbahnstrecke Ungarns zwischen Pest und Vác mit. Auf seinem Gut Alcsút betrieb er eine landwirtschaftliche Versuchswirtschaft. Joseph war dreimal verheiratet. 1799 heiratete er in Russland Großfürstin Alexandra Pawlowna, eine Tochter Kaiser Pauls I. Die Ehe war glücklich, doch Alexandra starb 1801 kurz nach der Geburt einer Tochter, die ebenfalls nicht überlebte. 1815 vermählte sich Joseph mit Prinzessin Hermine von Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym. Sie gebar Zwillinge, starb jedoch innerhalb eines Tages an den Folgen der Geburt. 1819 heiratete er Herzogin Maria Dorothea von Württemberg. Sie unterstützte karitative Einrichtungen, Schulen und die lutherische Kirche und half ihm bei seiner Tätigkeit als Palatins. Beide setzten sich besonders dafür ein, Ungarisch anstelle des Lateins zur offiziellen Landessprache zu machen. Von Josephs acht Kindern erreichten drei aus seiner dritten Ehe das Erwachsenenalter. Sein Sohn Stephan wurde 1847 sein Nachfolger als letzter Palatin Ungarns. Sein Sohn Joseph Karl begründete die weitere ungarische Linie des Hauses Habsburg-Lothringen. Seine Tochter Marie Henriette wurde Königin der Belgier. Josephs Gesundheit verschlechterte sich 1846 stark. Am 13. Januar 1847 starb er in Buda im Alter von siebzig Jahren. Er wurde in der Palatinalgruft beigesetzt. Zeitgenossen würdigten ihn als einen Habsburger, der „als Ungar gestorben“ sei. Ungarische und habsburgische Stimmen lobten seine langjährige Vermittlungsarbeit und seinen Einsatz für die Verfassung und Entwicklung des Landes. 1869 wurde ihm in Budapest ein Denkmal errichtet.

Quelle: Archduke Joseph of Austria (Palatine of Hungary) (en, 1365253857). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0