Person
Marie Henriette von Österreich
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
23.08.1836
Tod
19.09.1902

Bildnachweis
Queen Marie Henriette of Belgium (neé Archduchess of Austria-Teschen)
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Bildquelle: File:Queen Marie Henriette of Belgium (neé Archduchess of Austria-Teschen).jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Marie-Henriette von Habsburg-Lothringen wurde am 23. August 1836 in Pest, dem heutigen Budapest, geboren und starb am 19. September 1902 in Spa. Als Tochter des Erzherzogs Joseph von Österreich, Palatins von Ungarn, und Marie-Dorothées von Württemberg entstammte sie einer angesehenen habsburgischen Familie. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie zunächst in Ungarn, wo sie eine ungewöhnlich freie Erziehung erhielt. Sie war eine leidenschaftliche Reiterin, ritt durch die ungarische Ebene und kümmerte sich persönlich um ihre Pferde. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1847 zog die Familie nach Wien, kehrte aber weiterhin zeitweise nach Ungarn zurück.
Im Alter von sechzehn Jahren wurde Marie-Henriette auf einem Wiener Hofball dem belgischen Kronprinzen Leopold, Herzog von Brabant, vorgestellt. Die Verbindung war vor allem politisch motiviert. Die junge belgische Monarchie erhoffte sich durch die Heirat mit einer katholischen Habsburgerin zusätzliches Ansehen und eine engere Verbindung zu den alten habsburgischen Niederlanden. Nach einer Trauung per Stellvertretung in Schönbrunn heiratete Marie-Henriette Leopold am 22. August 1853 persönlich in Brüssel. Die Ehe war von Beginn an schwierig. Beide hatten sehr unterschiedliche Charaktere und Interessen: Marie-Henriette war lebhaft, eigenwillig, musisch und naturverbunden, während Leopold sich vor allem für Politik, Militärfragen und wirtschaftliche Projekte interessierte.
Als Herzogin von Brabant lebte Marie-Henriette ab 1854 mit ihrem Mann am Hof in Laeken. Sie widmete sich ihren Pferden, Hunden und anderen Tieren, spielte Harfe und Klavier und entwickelte ihre musikalischen und künstlerischen Fähigkeiten. Eine zehnmonatige Reise führte das Paar 1854 und 1855 über Wien, Venedig, Ägypten, das Heilige Land, Griechenland, Italien und die Schweiz. Während Leopold sich für technische und wirtschaftliche Vorhaben begeisterte, genoss Marie-Henriette vor allem die Landschaften und kulturellen Eindrücke. Der Tod ihrer Mutter in Beirut im März 1855 überschattete die Reise.
Das Paar hatte vier Kinder. Louise wurde 1858 geboren, der ersehnte Sohn Leopold 1859 und Stéphanie 1864. Nach dem Tod König Leopolds I. bestieg Marie-Henriettes Mann am 17. Dezember 1865 als Leopold II. den belgischen Thron. Damit wurde sie zur zweiten Königin der Belgier. Ihre Stellung blieb jedoch weitgehend repräsentativ; entsprechend der belgischen Verfassung übte sie keinen politischen Einfluss aus. Auch am Hof trat sie häufig hinter der starken Persönlichkeit ihres Mannes zurück. Trost fand sie in der Musik, im Theater und in einem privaten Kreis von Freunden. Besonders schätzte sie Wagner-Aufführungen und ließ später sogar eine Telefonleitung einrichten, um Proben verfolgen zu können.
Eine ihrer bedeutendsten Aufgaben übernahm sie 1867. Im Auftrag Leopolds II. reiste sie nach Österreich, um ihre Schwägerin Charlotte, die ehemalige Kaiserin von Mexiko und Witwe Kaiser Maximilians, nach Belgien zurückzubringen. Charlotte war nach dem Zusammenbruch des mexikanischen Kaiserreichs in Miramare unter österreichische Bewachung gestellt worden und befand sich körperlich wie seelisch in einem sehr schlechten Zustand. Nach zwei Wochen schwieriger Verhandlungen gelang es Marie-Henriette und dem Vertrauten des Königs, Baron Adrien Goffinet, Charlotte nach Belgien zu holen. Dort kümmerte sich die Königin zunächst intensiv um ihre Schwägerin.
Der schwerste Schicksalsschlag ihres Lebens war der Tod ihres einzigen Sohnes Leopold im Januar 1869. Der neunjährige Prinz starb nach einer Lungenentzündung, die auf einen Unfall im Park von Laeken zurückging. Der Verlust belastete die Ehe und das Familienleben dauerhaft. Marie-Henriette zog sich zeitweise nach Spa, in die Schweiz oder nach Ungarn zurück und wandte sich verstärkt religiösen Übungen zu. Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 engagierte sie sich praktisch für verwundete Soldaten. Sie ließ Teile königlicher Besitzungen in Lazarette umwandeln, pflegte Verletzte, begleitete Operationen und kümmerte sich auch um Sterbende. Ebenso half sie während der Epidemien von Typhus und Pocken in Brüssel.
1872 wurde ihre jüngste Tochter Clémentine geboren. Da nach dem Tod des Sohnes kein weiterer männlicher Thronfolger folgte, lag die Zukunft der belgischen Dynastie bei Leopolds Bruder Philippe, Graf von Flandern, und dessen Söhnen. Marie-Henriette und Leopold bemühten sich zugleich um standesgemäße Ehen ihrer Töchter. Louise heiratete 1875 den vermögenden Prinzen Philippe von Sachsen-Coburg-Koháry, doch die Ehe wurde bald von Konflikten, Untreue und finanziellen Problemen geprägt. Stéphanie heiratete 1881 den österreichisch-ungarischen Kronprinzen Rudolf. Nach der Geburt einer Tochter wurde sie unfruchtbar; die Ehe zerbrach zunehmend. Rudolfs Tod 1889 in Mayerling unter mysteriösen Umständen erschütterte die Familie. Stéphanie heiratete später gegen den Willen ihrer Angehörigen den ungarischen Grafen Elemér Lónyay. Clémentine blieb zu Lebzeiten ihrer Eltern unverheiratet und heiratete erst 1910 Victor Napoleon, einen bonapartistischen Thronprätendenten. Kein Nachkomme Marie-Henriettes bestieg den belgischen oder einen anderen europäischen Thron.
Marie-Henriette war musikalisch und künstlerisch begabt. Sie malte vor allem Aquarelle mit Landschaften und Hunden und unterstützte Maler, Bildhauer und Sängerinnen. Außerdem engagierte sie sich für wohltätige Zwecke und interessierte sich weiterhin intensiv für Pferde. Enttäuscht von ihrer Ehe und den schwierigen Beziehungen zu ihren Töchtern entfernte sie sich zunehmend vom Brüsseler Hof. Ab 1895 lebte sie dauerhaft in der Villa Royale in Spa, wo sie wegen ihrer ungarisch anmutenden Lebensweise, ihrer Ausritte und ihres gesellschaftlichen Engagements als „Königin von Spa“ bekannt wurde. Sie besuchte Theater und Konzerte, empfing regionale Persönlichkeiten, unterstützte Künstler und organisierte Hilfen für bedürftige Kinder.
In ihren letzten Lebensjahren verschlechterte sich ihre Gesundheit. Sie litt unter Atemnot, Wassersucht und einer Herzerkrankung und war schließlich auf einen Rollstuhl angewiesen. Trotz ihrer Schwäche malte sie weiter, spielte Schach und hörte Musik. Marie-Henriette starb am 19. September 1902 in Spa an einer dekompensierten Mitralinsuffizienz. Ihre Beisetzung erfolgte wenige Tage später in der königlichen Gruft der Liebfrauenkirche von Laeken. In der Erinnerung blieb sie lange Zeit vor allem als vernachlässigte Ehefrau, trauernde Mutter und zurückgezogene Königin, doch ihr karitatives Engagement, ihre künstlerischen Interessen und ihre eigenständige Leidenschaft für Pferde und Musik prägten ihr Leben ebenso stark.
Quelle: Marie-Henriette de Habsbourg-Lorraine (fr, 238436005). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0