
Bildnachweis
Habsburg Ottó koronaherceg
Adolf Szenes
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Bildquelle: File:Habsburg Ottó koronaherceg.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Otto von Habsburg wurde am 20. November 1912 in Reichenau an der Rax als ältester Sohn des späteren österreichischen Kaisers Karl I. und seiner Frau Zita geboren. Nach der Thronbesteigung seines Vaters im Jahr 1916 war er der letzte Kronprinz Österreich-Ungarns. Schon als Vierjähriger trat er bei der Beisetzung Kaiser Franz Josephs I. in Wien und bei der Krönung seines Vaters zum ungarischen König öffentlich auf. Auf eine spätere Herrscherrolle vorbereitet, trug er damals eine umfangreiche habsburgische Titulatur. Mit dem Ende der Doppelmonarchie nach dem Ersten Weltkrieg veränderte sich sein Leben jedoch grundlegend.
Bis Anfang 1919 lebte Otto mit seinen Eltern im niederösterreichischen Schloss Eckartsau. Danach ging die Familie ins Exil in die Schweiz. Nach zwei gescheiterten Restaurationsversuchen in Ungarn wurde Karl I. von den Siegermächten nach Madeira verbannt. Zita folgte ihm und holte die Kinder Anfang 1922 dorthin. Otto musste noch als Neunjähriger den Tod seines Vaters miterleben, der nach eigener Aussage „als Kaiser und Christ“ starb. Anschließend zog die Familie in das baskische Lequeitio, wo der spanische König Alfons XIII. für ihren Lebensunterhalt sorgte.
Zita erzog Otto auch nach dem Untergang der Monarchie zu einem katholischen Monarchen und hielt an den dynastischen Ansprüchen der Familie fest. Otto erhielt Unterricht in mehreren Sprachen und wurde mit den unterschiedlichen Traditionen der früheren k.u.k. Monarchie vertraut gemacht. Neben Deutsch beherrschte er Ungarisch, Kroatisch, Englisch, Spanisch, Französisch und Latein. 1929 ließ sich die Familie in Belgien nieder. Am 20. November 1930 wurde Otto volljährig; damit endete die Vormundschaft seiner Mutter, und er wurde Oberhaupt des Hauses Habsburg sowie Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies.
Otto studierte Staats- und Sozialwissenschaften an der Katholischen Universität Löwen. Für seine Dissertation über österreichische Agrarfragen hielt er sich auch an der Universität Berlin auf. 1935 schloss er sein Studium in Löwen mit Auszeichnung als Doktor der sozialen und politischen Wissenschaften ab. Bereits in den 1930er Jahren engagierte er sich für die europäische Einigung. 1936 trat er der Paneuropa-Union bei, die von Richard Coudenhove-Kalergi gegründet worden war. Zunächst verband Otto seine Europapolitik mit christlich-monarchistischen Vorstellungen, später wurde der Kampf gegen Nationalsozialismus und Kommunismus zu einem zentralen Bestandteil seines politischen Selbstverständnisses.
Vor dem „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland 1938 versuchte Otto, Bundeskanzler Kurt Schuschnigg zu einem entschiedenen militärischen Widerstand zu bewegen. Er war sogar bereit, selbst die Kanzlerschaft zu übernehmen, um Österreich zu verteidigen. Schuschnigg lehnte dies ab. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen wurde Otto wegen Hochverrats gesucht. Hitler ließ das persönliche Vermögen der Familie und die von Otto verwalteten Besitzungen beschlagnahmen; zahlreiche Mitglieder der legitimistischen Bewegung wurden verhaftet, hingerichtet oder in Konzentrationslagern ermordet.
1940 floh Otto über Frankreich, Spanien und Portugal in die Vereinigten Staaten. Auch seine Mutter und seine Geschwister gingen ins Exil. Während des Krieges knüpfte er Kontakte zu Präsident Franklin D. Roosevelt und dem britischen Premierminister Winston Churchill. Er setzte sich für die Wiederherstellung der österreichischen Unabhängigkeit ein, bemühte sich um eine politische Vertretung Österreichs im Exil und unterstützte Pläne für eine föderative Neuordnung Mitteleuropas. Einige Vorhaben, darunter eine Exilregierung und ein österreichisches Bataillon, scheiterten. Nach Angaben von Biografien und Dokumentationen half er außerdem, Visa für politisch Verfolgte zu organisieren, die über Spanien und Portugal nach Übersee fliehen konnten.
Nach dem Krieg kehrte Otto zunächst nach Europa zurück, durfte aber nicht dauerhaft nach Österreich einreisen. Die Zweite Republik behielt das Habsburgergesetz bei, das die Rückkehr ehemaliger Mitglieder des Kaiserhauses von einem Verzicht auf die Zugehörigkeit zum Haus Habsburg-Lothringen und auf Herrschaftsansprüche abhängig machte. Otto lehnte dies zunächst ab. Er lebte mit seiner Familie seit 1954 in Pöcking am Starnberger See, wo er bis zu seinem Tod die Villa Austria bewohnte. 1951 heiratete er in Nancy Regina Prinzessin von Sachsen-Meiningen. Das Paar hatte sieben Kinder, darunter den späteren Familienchef Karl Habsburg-Lothringen.
1961 unterzeichnete Otto schließlich eine Loyalitätserklärung, in der er auf Herrschaftsansprüche verzichtete und sich als getreuer Bürger der Republik Österreich bekannte. Die österreichische Regierung erkannte die Erklärung zunächst nicht an. Daraus entstand die sogenannte Habsburg-Krise, die zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen ÖVP und SPÖ, Demonstrationen und verfassungsrechtlichen Streitfragen führte. Der Verwaltungsgerichtshof erklärte die Erklärung 1963 für ausreichend, doch Otto erhielt erst nach dem Wahlsieg der ÖVP 1966 einen unbeschränkt gültigen österreichischen Reisepass. Seine erste Einreise im Oktober desselben Jahres löste erneut Proteste und einen großen Streik aus. Mit dem historischen Handschlag zwischen Otto und Bundeskanzler Bruno Kreisky im Jahr 1972 entspannte sich das Verhältnis zur österreichischen Sozialdemokratie.
1978 erhielt Otto die deutsche Staatsbürgerschaft. Bei der Europawahl 1979 zog er für die CSU in das Europäische Parlament ein, dem er bis 1999 angehörte. Er war unter anderem außenpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion, Vorsitzender verschiedener parlamentarischer Gremien und zweimal Alterspräsident. Parallel dazu leitete er die Paneuropa-Union: Von 1973 bis 2004 war er ihr Präsident, danach Ehrenpräsident. Besonders gewürdigt wurde seine Rolle beim Paneuropäischen Picknick am 19. August 1989 an der ungarisch-österreichischen Grenze. Die symbolische Öffnung des Grenzzauns ermöglichte Hunderten DDR-Bürgern die Flucht nach Österreich und wurde später als bedeutender Moment auf dem Weg zum Fall des Eisernen Vorhangs angesehen.
Otto von Habsburg blieb bis ins hohe Alter publizistisch tätig und veröffentlichte zahlreiche Bücher zur europäischen Politik, Geschichte und gesellschaftlichen Ordnung. Zugleich sorgten einige seiner Äußerungen für heftige Kritik. Beanstandet wurden unter anderem seine Nähe zur rechtsgerichteten Wochenzeitung „Junge Freiheit“, eine umstrittene Aussage über den Einfluss von Juden in der US-Politik, seine positive Einschätzung des autoritären Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß sowie seine Rede zum 70. Jahrestag des „Anschlusses“ 2008. Darin stellte er Österreich besonders stark als Opfer Hitlers dar, während Kritiker auf die Mitverantwortung von Österreichern an den Verbrechen des Nationalsozialismus hinwiesen.
Otto von Habsburg starb am 4. Juli 2011 im Alter von 98 Jahren in Pöcking. Nach einer großen Trauerfeier im Wiener Stephansdom wurde er in der Kapuzinergruft beigesetzt, der traditionellen Grablege der Habsburger. Seine Frau Regina wurde später an seiner Seite bestattet, sein Herz fand in der ungarischen Abtei Pannonhalma seine letzte Ruhestätte. Otto blieb eine widersprüchliche historische Persönlichkeit: Er verstand sich als Bewahrer einer untergegangenen monarchischen Tradition, wurde zugleich zu einem engagierten Verfechter der europäischen Einigung und erhielt für sein politisches Wirken zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen.
Quelle: Otto von Habsburg (de, 269888377). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0