Person

Eleonore Magdalene von der Pfalz

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Geburt

  1. 06.01.1655

Tod

  1. 19.01.1720

Biografie

Eleonore Magdalene Therese von Neuburg wurde am 6. Januar 1655 in Düsseldorf als ältestes von 17 Kindern des Pfalzgrafen Philipp Wilhelm von Neuburg und seiner zweiten Ehefrau Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt geboren. Kurz nach ihrer Geburt wurde sie getauft; der Jesuit und Dichter Jakob Balde verfasste zu diesem Anlass ein lateinisches Gedicht und blieb bis zu seinem Tod ihr geistlicher Mentor. Im August 1655 zog die Familie nach Neuburg. Eleonore wuchs in einer streng katholischen Umgebung auf und erhielt eine außergewöhnlich umfassende Bildung. Sie beherrschte Latein, Deutsch, Französisch und Italienisch, beschäftigte sich mit Finanzen, Literatur und Theologie und interessierte sich für Kunst und Jagd. Ihre größte Leidenschaft galt jedoch dem Lesen und der Übersetzung religiöser Texte ins Deutsche. Schon als Kind zeigte Eleonore eine tief religiöse und mitleidsvolle Natur. Nach einem besonders eindringlichen Anblick der Kreuzigung Jesu weinte sie aus Mitgefühl und begann, sich intensiv religiösen Übungen zu widmen. Sie besuchte täglich Arme, Kranke und Bedürftige und fühlte sich stark von der Buße und Entsagung des katholischen Glaubens angezogen. Ihre Frömmigkeit nahm teilweise selbstquälerische Formen an. Zugleich begegnete sie den Armen mit großer Demut und bat sie, sie wie eine gewöhnliche Person zu behandeln, da alle Menschen vor Gott denselben Wert hätten. Ab 1672 lebte sie zeitweise auf Schloss Benrath, wo sie auf ihre höfischen Pflichten und Umgangsformen vorbereitet wurde. Eleonore trat 1669 der Bruderschaft Unserer Lieben Frau von den Schmerzen bei. Sie unterstützte die Klöster der unbeschuhten Karmeliten in Düsseldorf und Neuburg und hätte selbst gern als Karmeliterin gelebt. Ihre Eltern verweigerten jedoch ihre Zustimmung. Mehrere Fürsten warben um ihre Hand, darunter 1671 der verwitwete Jakob, Herzog von York und spätere König von England und Schottland; Eleonore lehnte sie alle ab. Nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau im April 1676 suchte Kaiser Leopold I. eine neue Gemahlin, vor allem in der Hoffnung auf einen männlichen Erben. Eleonore wurde unter zahlreichen Bewerberinnen ausgewählt. Ihr Vater setzte diplomatische Beziehungen am Wiener Hof und die Unterstützung einflussreicher Persönlichkeiten ein, um die Verbindung zu fördern. Gerüchte über Eleonores angeblich schlechte Gesundheit oder mangelnde Schönheit konnten die Heiratspläne nicht verhindern. Nach einer ärztlichen Untersuchung wurde sie für gesund erklärt. Die Nachricht, Kaiserin zu werden, erfüllte Eleonore zunächst nicht mit Freude, da sie weiterhin das Klosterleben bevorzugte. Dennoch musste sie sich dem Willen ihrer Eltern beugen. Die Verlobung wurde am 25. November 1676 gefeiert. Eleonore und Leopold waren miteinander verwandt und benötigten deshalb eine päpstliche Dispens. Die Hochzeit fand am 14. Dezember in Passau statt. Zwei Tage zuvor hatten sich die Brautleute erstmals gesehen und einen günstigen Eindruck voneinander gewonnen. Am 7. Januar 1677 traf das Kaiserpaar in Wien ein. Eleonore brachte insgesamt zehn Kinder zur Welt, von denen sechs das Erwachsenenalter erreichten. Zu ihren Kindern gehörten die späteren Kaiser Joseph I. und Karl VI., die Erzherzoginnen Maria Elisabeth, Maria Anna, Maria Josepha und Maria Magdalena sowie weitere Kinder, die früh starben. Maria Anna heiratete den portugiesischen König Johann V.; Karl VI. wurde später der Vater der Kaiserin Maria Theresia. Die ersten Jahre ihrer Ehe waren von schweren Krisen geprägt. 1679 zwang eine Pestepidemie die kaiserliche Familie, Wien zu verlassen. Auch Mariazell und Prag erwiesen sich nicht als dauerhaft sicher, und ein Aufstand böhmischer Bauern führte zur Flucht nach Linz. Zusätzlich bedrohte das Osmanische Reich die habsburgischen Länder. 1683 wich die Familie wegen der türkischen Gefahr nach Passau aus; im September desselben Jahres erlitten die Osmanen vor Wien eine schwere Niederlage. Eleonore wurde daher erst später gekrönt: 1681 in Pressburg zur Königin von Ungarn und am 19. Januar 1690 im Augsburger Dom zur römisch-deutschen Kaiserin. Sie begleitete Leopold auf Reisen, nahm unter anderem am Augsburger Reichstag von 1689 teil, und kümmerte sich persönlich um die Erziehung ihrer Kinder. Als Kaiserin übte Eleonore erheblichen politischen Einfluss aus. Sie las und öffnete wichtige politische Schreiben, übersetzte fremdsprachige Dokumente für ihren Mann und nahm aktiv an Fragen der Hofverwaltung und Außenbeziehungen teil. Durch eine bessere Organisation gelang es ihr, die Ausgaben des kaiserlichen Hofes zu senken. Die dadurch verfügbaren Einnahmen ermöglichten den Bau von Krankenhäusern, Waisenhäusern und Karmelitenklöstern in Graz und Wien sowie die Unterstützung zahlreicher Kirchen, Klöster und religiöser Bruderschaften. Sie förderte außerdem Vertraute und Berater ihres Mannes, stellte den Sternkreuzorden wieder her und wurde vom Kapuziner Marco d’Aviano geistlich beraten. Eleonore unterstützte auch ihre Herkunftsfamilie. Sie vermittelte vorteilhafte Ehen für ihre Schwestern, förderte die kirchlichen Laufbahnen ihrer jüngeren Brüder und setzte sich für die politischen Interessen ihres ältesten Bruders, des Kurfürsten von der Pfalz, ein. Die Ehen ihrer beiden Söhne arrangierte sie ebenfalls. Das Privatleben ihres ältesten Sohnes Joseph missbilligte sie jedoch scharf und ging gegen dessen Mätressen und deren Vermittler vor. Ihr Hof entsprach der strengen spanischen Hofzeremonie und war stark von ihrer Religiosität geprägt. Der Alltag war schlicht, diszipliniert und von zahlreichen religiösen Festen und Vorschriften bestimmt. Eleonore verband diese Frömmigkeit mit der Teilnahme an Jagden und Schießübungen. Ab 1688 widmete sie sich besonders der Marienverehrung und führte auch ihre Schwiegertöchter an diese religiöse Praxis heran. Für ihre religiösen und karitativen Aktivitäten erhielt sie unter anderem die Goldene Rose des Papstes und wurde in den Sternkreuzorden aufgenommen. Nach Leopolds Tod im Jahr 1705 blieb Eleonore als Kaiserinwitwe politisch aktiv. Während der Regierung ihres Sohnes Joseph I. bemühte sie sich, ihren Einfluss gegenüber ihrer Schwiegertochter Wilhelmine Amalie zu behaupten. Beide Frauen missbilligten zwar Josephs Mätresse Marianne Pálffy, konnten seine Beziehung zu ihr aber nicht beenden. Eleonore kümmerte sich außerdem um die katholische Erziehung der späteren Ehefrau ihres Sohnes Karl, Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel. Als Joseph I. 1711 starb und Karl sich in Spanien aufhielt, wurde Eleonore zur vorläufigen Regentin der habsburgischen Länder eingesetzt. Trotz Karls Misstrauen gegenüber ihrer emotionalen Verfassung erwies sie sich als handlungsfähig. Nach den Verhandlungen über den Frieden mit Ungarn unterzeichnete sie den Vertrag von Szatmár, der die Herrschaft des Hauses Habsburg im Königreich Ungarn bestätigte. Außerdem leitete sie die kaiserliche Wahl und unterstützte die Wahl ihres Sohnes Karl. In Karls Regierungszeit setzte sich Eleonore gemeinsam mit Wilhelmine Amalie für die Erbrechte von Josephs Töchtern ein. Beide versuchten, die geheime Erbfolgeregelung von 1703 zu klären und Karl zu einer öffentlichen Festlegung zu bewegen. 1719 half Eleonore zudem ihrer Nichte Maria Clementina Sobieska, die wegen ihrer geplanten Heirat mit dem jakobitischen Thronprätendenten festgesetzt werden sollte. Sie verzögerte die Weitergabe des Haftbefehls und unterstützte schließlich die Flucht ihrer Nichte nach Italien. In ihren letzten Jahren lebte Eleonore zunehmend wie eine Nonne. Am 1. Januar 1720 erlitt sie einen Schlaganfall, der ihre rechte Körperhälfte lähmte. Sie empfing die Krankensalbung und verabschiedete sich von ihren Kindern und Enkeln. Bis zu ihrem Tod am 19. Januar 1720 in Wien wurde sie von ihren beiden Schwiegertöchtern gepflegt. Eleonore wurde in der Kaisergruft beigesetzt; ihr Herz kam in die Herzgruft der Augustinerkirche. Ihr zurückgezogenes, asketisches Leben und ihre politische Wirksamkeit machten sie zu einer ungewöhnlichen Gestalt unter den Herrscherinnen ihrer Zeit.

Quelle: Eleonore Magdalene of Neuburg (en, 1358905868). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0