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Joseph I, Holy Roman Emperor
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Biografie
Joseph I. wurde am 26. Juli 1678 in Wien als ältester Sohn Kaiser Leopolds I. und Eleonore Magdalenas von der Pfalz geboren. Er entstammte dem Haus Habsburg und wuchs früh in seine künftige Rolle als Herrscher hinein. Bereits 1687, im Alter von neun Jahren, wurde er zum König von Ungarn gekrönt. 1690 folgte die Krönung zum römisch-deutschen König. Nach dem Tod seines Vaters bestieg er 1705 den Kaiserthron und wurde zugleich König von Böhmen, Ungarn und Kroatien. Er regierte bis zu seinem Tod im Jahr 1711.
Joseph galt als vielseitig begabt, intelligent und sprachkundig. Wie sein Vater interessierte er sich stark für Musik und komponierte selbst. Zugleich war er abenteuerlustig und körperlich wagemutig: Er zähmte seine Pferde eigenhändig und ging häufig mit seinem Vertrauten Matthias von Lamberg auf die Jagd. Zeitgenossen beschrieben ihn in seiner Jugend als besonders ansehnlich. Im Gegensatz zu seinen Eltern und seinem Bruder Karl VI. zeigte er jedoch wenig persönliche Frömmigkeit.
Seine Erziehung war von unterschiedlichen politischen und religiösen Einflüssen geprägt. Sein Erzieher Karl Theodor Otto Fürst zu Salm war ein ehemaliger Protestant und setzte sich für eine stärkere Trennung von Kirchen- und Staatspolitik ein. Auch Josephs Religionslehrer Franz Ferdinand von Rummel sowie sein Lehrer für Politik und Geschichte, Wagner von Wagnerfels, vertraten Vorstellungen, die den geistlichen Einfluss am Wiener Hof begrenzen sollten. Joseph nahm mehrere Protestanten in sein Umfeld auf und geriet dadurch in Konflikt mit den Jesuiten. Er wusste sich gegen seine Gegner energisch zu behaupten. Zwischen ihm und seinem Vater kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen über das Verständnis von Herrschaft; Leopold ließ zudem erkennen, dass er Josephs Bruder Karl als Nachfolger bevorzugte.
Als 1701 der Spanische Erbfolgekrieg ausbrach, wurde Joseph Mitglied des kaiserlichen Kabinetts und trat entschlossen für den Krieg gegen Frankreich ein. Nach seiner Teilnahme an der Eroberung der Festung Landau hielt sein Vater ihn für politisch und militärisch reif. Joseph nahm an den Sitzungen der Regierung teil und führte bei Abwesenheit des Kaisers sogar den Vorsitz im Ministerrat. Als er wegen der schwierigen Lage von 1703 nicht an die Front zurückkehren durfte, wandte er sich verstärkt der Innenpolitik zu. Er machte die leitenden Beamten der Hofkammer und des Hofkriegsrates für die finanziellen und organisatorischen Probleme verantwortlich.
Am Wiener Hof wurde Joseph zum führenden Kopf des sogenannten Jungen Hofes, einer Gruppe junger Beamter und Militärs, die umfassende Reformen verlangte. Zu ihr gehörten unter anderem Prinz Eugen und Gundaker Starhemberg. Die Reformpartei setzte die Ablösung einflussreicher Gegner durch und gewann 1704 weitgehend die politische Vorherrschaft. Joseph leitete außerdem die Mittelsdeputation, die dringend benötigte Geldmittel beschaffen sollte. Wohlhabende Adlige, Juden der Erblande und Hofbeamte wurden zu Darlehen an den Staat verpflichtet. Der Versuch, eine eigene Staatsbank zu gründen, blieb dagegen zunächst nahezu erfolglos.
Joseph war ein entschiedener Gegner Frankreichs und nahm an der Zweiten Schlacht von Höchstädt sowie an der zweiten Belagerung von Landau teil. Ende 1704 kehrte er wegen der schweren Erkrankung seines Vaters nach Wien zurück, doch nachdem Leopold wieder genesen war, verlor Joseph vorübergehend seinen politischen Einfluss. Im Februar 1705 wurde er sogar von den Ratssitzungen ausgeschlossen. Kurz vor dem Tod seines Vaters übernahm er erneut die Regierungsgeschäfte und bestieg wenige Tage später den Thron.
Als Kaiser regierte Joseph in kollegialer Weise und bezog seine Berater eng in die Entscheidungen ein. Er reformierte die Hofverwaltung, verringerte den Geheimrat von 150 auf 33 Mitglieder und teilte die politische Beratung zunächst auf acht Fachkonferenzen auf. Später wurden diese Einrichtungen erneut zusammengeführt. Eine innere Konferenz mit führenden Ministern und Militärs diente dazu, wichtige Fragen vor der Beratung im größeren Gremium zu klären.
Zu seinen dringendsten Aufgaben gehörte die Finanzierung des Spanischen Erbfolgekrieges. Joseph straffte die Verwaltung, machte Beamte steuerpflichtig, verringerte die Zahl der Beschäftigten und führte eine genauere Kontrolle der Einnahmen ein. Bestehende Steuern wurden erhöht und neue Abgaben eingeführt. Geistliche mussten ein „freiwilliges Geschenk“ leisten, Adlige eine sogenannte Contributio. Dadurch stiegen die Einnahmen der Krone deutlich. Auch aus Bayern, den rheinischen Gebieten und den eroberten italienischen Territorien flossen beträchtliche Gelder nach Wien. Die neue Stadtbank trug zusätzlich dazu bei, Regierungsschulden abzubauen.
Eine weitere Reform betraf die bäuerlichen Frondienste, die Robot. Joseph ließ auf einigen Krongütern in Schlesien erproben, dass Bauern das von ihnen bewirtschaftete Land gegen eine festgelegte Pacht selbstständig bearbeiten konnten. Das Modell stieß auf Widerstand, führte jedoch bald zu höheren Steuererträgen. Auch in Mähren ging der Kaiser gegen Missbräuche vor und ließ überprüfen, ob die adeligen Grundherren die gesetzlichen Vorgaben einhielten.
Der Krieg bestimmte weiterhin die gesamte Regierungszeit. Die habsburgischen Truppen erzielten unter Prinz Eugen, unterstützt von englischen und niederdeutschen Verbündeten, bedeutende Erfolge. Joseph wollte einen tatsächlichen Sieg über Frankreich erreichen und interessierte sich stärker für die habsburgische Macht in Italien als für die spanischen Ansprüche seines Bruders Karl. Die Expansion in Italien führte sogar zu einem Konflikt mit Papst Clemens XI. Zugleich hielt sich Joseph aus dem Großen Nordischen Krieg heraus und erfüllte 1707 gegenüber dem schwedischen König Karl XII. Verpflichtungen zugunsten der Protestanten in Schlesien. Im Kuruzenkrieg bekämpfte er den Aufstand Franz II. Rákóczis, der für die Rechte und die Autonomie Siebenbürgens eintrat. Nach Rákóczis Niederlage und dem Frieden von Sathmar 1711 blieben Ungarn und Siebenbürgen unter habsburgischer Herrschaft.
Joseph war nicht nur Reformer, sondern auch ein prunkliebender barocker Herrscher. Er gründete das Kärntnertortheater und die Josefs-Akademie der Wissenschaften, ließ die Wiener Kanalisation anlegen und die zerstörte Josefstadt wiederaufbauen. Mit dem ersten Entwurf für Schloss Schönbrunn wollte er Versailles übertreffen und Ludwig XIV. als glänzendstem Monarchen Europas Konkurrenz machen. Trotz chronischen Geldmangels gab er große Summen für Feste, Musik, Geschenke und seine Hofhaltung aus.
1699 heiratete Joseph Wilhelmine Amalie von Braunschweig-Lüneburg. Das Paar hatte drei Kinder: Maria Josepha, Maria Amalia und den früh verstorbenen Leopold Josef. Josephs zahlreiche außereheliche Beziehungen, darunter seine langjährige Verbindung mit Marianne Pálffy, belasteten die Ehe. Zudem verhinderten gesundheitliche Probleme weitere männliche Nachkommen. Seine Tochter Maria Josepha heiratete später Friedrich August II. von Sachsen, Maria Amalia Karl Albrecht von Bayern.
Im Frühjahr 1711 erkrankte Joseph während einer Pockenepidemie. Obwohl sich bereits erste Anzeichen zeigten, nahm er am 8. April noch an einer Jagd teil. Am 17. April starb er in der Wiener Hofburg. Da er keinen Sohn hinterließ, folgte ihm sein Bruder Karl als Kaiser Karl VI. nach. Die Aussicht, dass Karl Spanien und die österreichischen Besitzungen mit dem Kaisertum verbinden könnte, führte dazu, dass die Seemächte im Spanischen Erbfolgekrieg von den Habsburgern abrückten. Joseph wurde am 20. April 1711 in der Kapuzinergruft beigesetzt; sein Herz und seine Eingeweide wurden entsprechend der habsburgischen Tradition an anderen Wiener Begräbnisstätten bestattet.
Quelle: Joseph I. (HRR) (de, 265452433). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0