Person
Maria Christina von Neapel-Sizilien
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
27.04.1806
Tod
22.08.1878

Bildnachweis
María Cristina de Borbón-Dos Sicilias
Vicente López Portaña
Museo Nacional del Prado Galeria online
Bildquelle: File:María Cristina de Borbón-Dos Sicilias, reina de España.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Maria Cristina von Bourbon-Sizilien, mit vollem Namen Maria Cristina Ferdinanda von Bourbon, wurde am 27. April 1806 in Palermo geboren und starb am 22. August 1878 in Sainte-Adresse bei Le Havre. Sie war zunächst Königin von Spanien und später Regentin für ihre minderjährige Tochter Isabella II. Ihre Regierungszeit fiel in eine besonders konfliktreiche Phase der spanischen Geschichte, in der sich der Übergang vom Absolutismus zum konstitutionellen Liberalismus mit einem erbitterten Thronfolgestreit verband.
Maria Cristina war das dritte Kind von Francesco di Borbone, dem späteren König Franz I. der beiden Sizilien, und Maria Isabella von Spanien. Bei ihrer Geburt trug sie den Titel einer Prinzessin von Neapel und Sizilien; nach der Vereinigung beider Reiche im Jahr 1816 wurde sie Prinzessin der beiden Sizilien. Zu ihren Geschwistern gehörten Ferdinand II., der spätere König beider Sizilien, Maria Antonia, die Großherzogin von Toskana, und Teresa Cristina, die spätere Kaiserin von Brasilien. Außerdem hatte sie eine ältere Halbschwester, Carolina, Herzogin von Berry.
Ihre Kindheit war von den Napoleonischen Kriegen geprägt. Nach der französischen Invasion des Königreichs Neapel floh die bourbonische Familie 1806 nach Palermo, wo sie unter britischem Schutz weiterhin das Königreich Sizilien regierte. Maria Cristinas Vater übernahm dort wichtige politische Aufgaben und wurde 1812 Generalleutnant von Sizilien. Erst nach dem Sturz Joachim Murats und der Wiederherstellung der bourbonischen Herrschaft konnte die Familie 1815 nach Neapel zurückkehren. Im folgenden Jahr wurden Neapel und Sizilien zum Königreich der beiden Sizilien vereinigt.
Nach dem Tod seiner dritten Ehefrau suchte der spanische König Ferdinand VII. eine neue Gemahlin, um einen Thronerben zu erhalten. Seine Wahl fiel auf Maria Cristina, die zugleich seine Nichte war, da ihre Mutter eine Schwester des Königs war. Für die Ehe musste deshalb eine päpstliche Dispens eingeholt werden. Maria Cristina verließ Neapel im September 1829 und reiste über Rom, Frankreich und weitere Stationen nach Spanien. Während des Aufenthalts in Frankreich begrüßten spanische liberale Exilanten die Verbindung, weil sie auf eine mögliche Lockerung der absolutistischen Politik Ferdinands hofften.
Die Hochzeit wurde am 9. Dezember 1829 im Königlichen Palast von Aranjuez gefeiert und wenige Tage später in Madrid kirchlich bestätigt. Ferdinand, der damals 45 Jahre alt war, zeigte sich von der jungen, eleganten und aufgeschlossenen Prinzessin beeindruckt. Maria Cristina soll dagegen angesichts seines Alters und seiner angeschlagenen Gesundheit weniger begeistert gewesen sein. Am 10. Oktober 1830 brachte sie eine Tochter zur Welt, Isabella, die später als Isabella II. Königin von Spanien wurde. 1832 folgte eine zweite Tochter, Luisa Fernanda.
Die Geburt einer Tochter verschärfte den dynastischen Konflikt. Ferdinand VII. setzte 1830 die Pragmatische Sanktion in Kraft, durch die Frauen wieder den spanischen Thron erben konnten. Damit wurden die Ansprüche seines Bruders Karl Maria Isidor zurückgewiesen, der sich auf eine ältere, frauen ausschließende Thronfolgeregel berief. Seine Anhänger, die Karlisten, wollten die weibliche Thronfolge nicht anerkennen. Als Ferdinand 1832 schwer erkrankte, setzten sie Maria Cristina unter Druck. Aus Sorge vor einem Bürgerkrieg bewog sie ihren Mann vorübergehend dazu, die Wirkung der Pragmatischen Sanktion auszusetzen. Nach seiner Genesung machte Ferdinand diese Entscheidung rückgängig, bestätigte die Rechte Isabellas und entfernte führende Karlisten aus ihren Ämtern. Maria Cristina unterstützte außerdem eine Amnestie, durch die zahlreiche politische Exilierte nach Spanien zurückkehren konnten.
Ferdinand VII. starb am 29. September 1833. Da Isabella erst knapp drei Jahre alt war, übernahm Maria Cristina die Regentschaft. Karl Maria Isidor erklärte sich daraufhin selbst zum König Karl V. und löste damit den Ersten Karlistenkrieg aus. Das Land spaltete sich in Karlisten, die eine absolutistische Monarchie unterstützten, und Isabelliner beziehungsweise Christinos, die für Isabella und die Regentin eintraten und überwiegend von liberalen Kräften getragen wurden. Der Krieg konzentrierte sich vor allem auf das Baskenland, Navarra und Katalonien. Unterstützung erhielt Maria Cristina zunächst von Frankreich und Großbritannien; 1834 schlossen sich Spanien, Portugal, Großbritannien und Frankreich in der Quadrupelallianz gegen die absolutistischen Bewegungen zusammen.
Politisch musste Maria Cristina zwischen konservativen Absolutisten und zunehmend selbstbewussten Liberalen vermitteln. Unter ihrer Regentschaft entstand 1834 das Königliche Statut, eine von der Krone gewährte Verfassungsurkunde mit begrenzten parlamentarischen Rechten. Der Text befriedigte jedoch weder die fortschrittlichen Liberalen noch die Absolutisten. 1836 zwangen liberale Aufstände und eine Meuterei königlicher Sergeanten in La Granja die Regentin, die Verfassung von 1812 wieder einzusetzen. Danach übertrug sie die Regierung den Progressiven. Die daraus hervorgegangene Verfassung von 1837, die Maria Cristina am 18. Juni beschwor, verband Grundsätze der Verfassung von Cádiz mit Elementen des gemäßigten Liberalismus.
Währenddessen setzte sich der Krieg fort. Der karlistische Prätendent Karl Maria Isidor drang 1837 bis in die Nähe Madrids vor, zog sich jedoch nach einer Niederlage gegen die Truppen des Generals Baldomero Espartero zurück. Espartero wurde nach dem Sieg über die Karlisten, insbesondere nach der Konvention von Vergara 1839, zum mächtigsten militärischen Führer Spaniens. Zwischen ihm und Maria Cristina kam es 1840 zum offenen Konflikt über eine neue Gemeindeverfassung. Die Regentin unterstützte das Gesetz, während Espartero und die Progressiven es ablehnten. Proteste und revolutionäre Bewegungen breiteten sich aus. Maria Cristina erkannte schließlich, dass sie ihre Regentschaft nur durch eine neue gewaltsame Konfrontation hätte halten können, und trat am 12. Oktober 1840 in Valencia zurück.
Fünf Tage später ging sie nach Frankreich ins Exil und musste sich von Isabella und Luisa Fernanda trennen. Bereits kurz nach dem Tod Ferdinands VII. hatte sie heimlich den Hauptmann der Königlichen Garde, Agustín Fernando Muñoz y Sánchez, geheiratet. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor. Die geheim gehaltenen Schwangerschaften und die nicht standesgemäße Verbindung beschädigten ihr Ansehen zusätzlich. Aus Frankreich versuchte Maria Cristina weiterhin, Einfluss auf die spanische Politik auszuüben, und unterstützte 1841 einen erfolglosen Aufstand gegen Espartero.
Nach dessen Sturz erklärten die Cortes Isabella II. 1843 vorzeitig für volljährig. Maria Cristina kehrte im März 1844 nach Spanien zurück. Im selben Jahr erkannte Isabella die Ehe ihrer Mutter offiziell an und legitimierte die acht Kinder. Muñoz erhielt den Titel eines Herzogs von Riánsares und hohe Auszeichnungen. Maria Cristina blieb in Madrid und übte während des gemäßigten Jahrzehnts von 1844 bis 1854 erheblichen Einfluss auf ihre Tochter und die Hofpolitik aus. Sie unterstützte unter anderem die umstrittene Heirat Isabellas mit Franz von Assisi von Bourbon.
Die Revolution von 1854 richtete sich auch gegen Maria Cristina. Ihr Palast wurde geplündert und in Brand gesetzt, woraufhin sie mit ihrer Familie zunächst nach Portugal und anschließend nach Frankreich floh. Trotz späterer Bemühungen Isabellas durfte sie nicht dauerhaft nach Spanien zurückkehren. In Frankreich erlebte sie 1868 die Absetzung ihrer Tochter und 1870 deren Abdankung zugunsten des Sohnes Alfonso. Die bourbonische Restauration unter Alfonso XII. im Jahr 1874 konnte sie noch miterleben. Maria Cristina starb 1878 im Alter von 72 Jahren. Ihre sterblichen Überreste wurden nach Spanien überführt und im Pantheon der Könige im Kloster von El Escorial beigesetzt, gegenüber dem Grab Ferdinands VII.
Quelle: Maria Cristina di Borbone-Due Sicilie (it, 152234633). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0