Biografie
Karl V. wurde am 24. Februar 1500 in Gent als Sohn Philipps des Schönen und Johanna von Kastilien geboren. In ihm verbanden sich die dynastischen Ansprüche der Habsburger, der burgundischen Valois-Linie sowie der kastilisch-aragonesischen Trastámara. Dadurch erbte er später ein außergewöhnlich weit gespanntes Herrschaftsgebiet, das die Niederlande, burgundische Länder, die Reiche der spanischen Kronen, Besitzungen in Italien und Übersee sowie zeitweise die österreichischen Erblande umfasste. Diese Gebiete bildeten jedoch keinen einheitlichen Staat, sondern eine zusammengesetzte Monarchie mit eigenen Gesetzen, Ständen und politischen Traditionen.
Karl verbrachte seine Kindheit überwiegend in den niederländischen Ländern. Nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahr 1506 wurde er nominell Herrscher der burgundischen Erblande. Die tatsächliche Regierung führten zunächst sein Großvater Maximilian I. und seine Tante Margarete von Österreich, die ihn auch erzog. Sein wichtigstes Erziehungszentrum war Mechelen. Dort erhielt er Unterricht in Religion, Geschichte, Recht, Heraldik und höfischem Verhalten und wurde in Reiten, Fechten, Jagd und zeremoniellen Pflichten ausgebildet. Der französisch geprägte burgundische Hof blieb sein prägendstes kulturelles Umfeld. Zu seinen einflussreichen Erziehern gehörten der Geistliche Adriaan Boeyens, der spätere Papst Hadrian VI., sowie der Adlige Guillaume de Croÿ, Herr von Chièvres. Karl lernte zunächst vor allem Französisch; Kastilisch eignete er sich erst im Zusammenhang mit seiner künftigen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel intensiver an.
Am 5. Januar 1515 wurde Karl in Brüssel vorzeitig für volljährig erklärt und begann, seine niederländischen Länder selbst zu regieren. Nach dem Tod seines Großvaters Ferdinand II. von Aragón im Jahr 1516 wurde er gemeinsam mit seiner Mutter Johanna zum König von Kastilien und Aragón ausgerufen. Johanna blieb formal Königin, war jedoch seit Jahren unter Aufsicht und konnte ihre Herrschaft praktisch nicht ausüben. Karl musste seine Stellung in den einzelnen Ländern durch die jeweiligen Stände bestätigen lassen. Bei seinem ersten Aufenthalt in Spanien 1517 begegnete er seiner Mutter in Tordesillas und traf dort auch erstmals seinen jüngeren Bruder Ferdinand, der in Spanien aufgewachsen war. Die kastilischen Städte kritisierten Karls ausländische Ratgeber, die Vergabe von Ämtern an Niederländer und seine hohen finanziellen Forderungen.
1519 wurde Karl von den Kurfürsten zum römisch-deutschen König gewählt und nahm den Titel eines erwählten römischen Kaisers an. Im Oktober 1520 wurde er in Aachen zum römischen König gekrönt. Die päpstliche Kaiserkrönung folgte erst am 24. Februar 1530 in Bologna; Karl war der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, der von einem Papst gekrönt wurde. Seine kaiserliche Stellung beruhte damit sowohl auf der Wahl durch die Kurfürsten als auch auf seiner dynastischen Macht.
Seine Regierung wurde von drei großen Konflikten geprägt: dem Machtkampf mit Frankreich, dem Vordringen des Osmanischen Reiches und der Reformation. Im Heiligen Römischen Reich versuchte Karl, die katholische Einheit und die kaiserliche Autorität zu bewahren. Auf dem Wormser Reichstag 1521 ließ er Martin Luther vorladen und verhängte anschließend mit dem Wormser Edikt die Reichsacht über ihn. Luther konnte dennoch geschützt werden, und Karl gelang es nicht, die Reformation dauerhaft zurückzudrängen. Der Augsburger Reichstag von 1530 vertiefte die religiöse Spaltung. Nach dem Sieg über den protestantischen Schmalkaldischen Bund bei Mühlberg 1547 versuchte Karl mit dem Augsburger Interim eine vorläufige kirchliche Ordnung durchzusetzen. Der Widerstand blieb jedoch stark. Der Fürstenaufstand von 1552 zwang ihn zur Flucht aus Innsbruck und führte zur Beendigung seiner Politik des religiösen Zwangs. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 erkannte schließlich das Luthertum neben dem Katholizismus rechtlich an, auch wenn Karl diese Lösung persönlich nicht befürwortete.
Im Westen kämpfte Karl wiederholt gegen den französischen König Franz I. Der Streit betraf unter anderem Mailand, Neapel, Burgund, Navarra und die Stellung Frankreichs in Italien. Der bedeutendste Erfolg war der Sieg bei Pavia im Februar 1525, bei dem Franz I. gefangen genommen wurde. Der Madrider Vertrag von 1526 verlangte große französische Zugeständnisse, erwies sich jedoch als nicht dauerhaft durchsetzbar. Nach dem Sacco di Roma 1527, der durch schlecht bezahlte kaiserliche Truppen ausgelöst wurde, schloss Karl mit Papst Clemens VII. den Frieden von Barcelona. Der Friede von Cambrai 1529 beendete vorläufig den Krieg mit Frankreich und bereitete Karls Krönung in Bologna vor. Spätere Kriege gegen Franz I. und dessen Nachfolger Heinrich II. brachten wechselnde Ergebnisse. Karl konnte seine Stellung in Italien behaupten, musste aber den französischen Einfluss an der Ostgrenze Frankreichs und in den drei Bistümern Metz, Toul und Verdun hinnehmen.
Auch im Mittelmeerraum kämpfte Karl gegen das Osmanische Reich und nordafrikanische Korsaren. 1535 nahm er persönlich an der Eroberung von Tunis teil und setzte dort den vertriebenen Herrscher wieder ein. Der Feldzug gegen Algier 1541 scheiterte jedoch an einem schweren Sturm und an Versorgungsproblemen. Die osmanische Seemacht blieb stark. Zugleich weitete sich während Karls Herrschaft die spanische Eroberung und Kolonisierung Amerikas massiv aus. Der Untergang der Azteken- und Inka-Reiche sowie die Errichtung einer großen Kolonialverwaltung veränderten die politischen, wirtschaftlichen, religiösen und demografischen Verhältnisse der amerikanischen Gesellschaften grundlegend.
Karl heiratete 1526 Isabella von Portugal, eine nahe Verwandte aus dem iberischen Hochadel. Die Ehe festigte das Verhältnis zu Portugal und wurde trotz ihrer politischen Grundlage zu einer engen persönlichen Verbindung. Isabella übernahm während Karls langer Abwesenheiten mehrfach die Regentschaft in Spanien. Sie starb 1539 im Alter von 35 Jahren nach einer Geburt. Ihr Tod erschütterte Karl tief; er heiratete danach nicht wieder. Das Paar hatte sieben Kinder, von denen Philipp, Maria und Johanna das Erwachsenenalter erreichten. Philipp wurde zum Erben der spanischen Kronen, der Niederlande, Italiens und der überseeischen Besitzungen. Karls Schwestern Eleonore und Maria spielten ebenfalls wichtige dynastische Rollen. Außerdem erkannte Karl zwei uneheliche Kinder an: Margarete von Parma und Johann von Österreich.
Ab 1555 leitete Karl seinen Rückzug aus der Politik ein. Im Oktober übergab er in Brüssel die Niederlande an Philipp, im Januar 1556 folgten Kastilien, Aragón und die damit verbundenen italienischen und überseeischen Gebiete. Die Kaiserwürde und die österreichischen Erblande gingen an seinen Bruder Ferdinand. Damit entstanden die spanische und die österreichische Linie der Habsburger. Die rechtliche Anerkennung von Ferdinands kaiserlicher Nachfolge wurde 1558 abgeschlossen.
Nach seiner Abdankung zog sich Karl in eine Residenz beim Kloster San Jerónimo de Yuste in Extremadura zurück. Dort blieb er über Briefe und Boten über die europäische Politik informiert und beriet seinen Sohn. Er litt seit seiner Jugend an schwerer Gicht; seine letzten Jahre waren von zunehmender Schwäche und eingeschränkter Beweglichkeit geprägt. Im August 1558 erkrankte er wahrscheinlich an Malaria. Karl V. starb am 21. September 1558 im Alter von 58 Jahren in Yuste. Seine sterblichen Überreste wurden später gemeinsam mit denen Isabellas von Portugal nach El Escorial überführt.
Quelle: Karol V. (Svätá rímska ríša) (sk, 8366679). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0