Biografie
Philipp der Schöne, auch Philipp der Formschöne genannt, wurde am 22. Juni oder Juli 1478 in Brügge geboren. Er war der Sohn Maximilians I. von Österreich, der später römisch-deutscher Kaiser wurde, und Marias von Burgund. Über seine Mutter stammte er aus dem burgundischen Herrscherhaus und erbte die reichen burgundischen Niederlande. Als Maria im März 1482 bei einem Reitunfall starb, war Philipp erst vier Jahre alt. Dennoch wurde er zum Herrscher ihrer niederländischen Besitzungen und damit zum ersten habsburgischen Landesherrn der Niederlande. Wegen seines geringen Alters stand er zunächst unter der Vormundschaft seines Vaters.
Seine Erbschaft war zunächst umstritten, da der französische König Ludwig XI. Ansprüche auf Teile der burgundischen Gebiete erhob. Der Vertrag von Arras aus dem Jahr 1482 sicherte Philipp die Herrschaft über große Teile der Niederlande, während das Herzogtum Burgund bei Frankreich blieb. Der Vertrag von Senlis von 1493 erweiterte später seinen tatsächlichen Herrschaftsbereich um die Grafschaften Artois, Burgund und Charolais.
Philipps Kindheit war von politischen Unruhen geprägt. Besonders die großen flandrischen Städte Gent und Brügge widersetzten sich der Politik Maximilians und verlangten größere Eigenständigkeit. Zeitweise wurde Philipp sogar dem Einfluss seines Vaters entzogen und von einem Rat der niederländischen Stände betreut. Erst nachdem Maximilian 1485 mit deutschen Truppen gegen Gent vorgegangen war, konnte er seinen Sohn wieder an sich nehmen. Anschließend kam Philipp nach Mecheln in die Obhut seiner Großmutter Margarete von York. Zu seinen Erziehern gehörten Olivier de la Marche und François de Busleyden, der später sein Kanzler wurde.
Philipp erhielt eine standesgemäße Ausbildung. Er war ein geschickter Reiter, Bogenschütze und Jäger, beherrschte den Stockkampf und spielte gern Tennis und Handball. Außerdem galt er als guter Tänzer und gewandter Gesprächspartner. Wie seine Eltern interessierte er sich für Musik, auch wenn diese Begeisterung seine politische Haltung nicht in gleicher Weise prägte.
Als Maximilian 1493 nach dem Tod seines Vaters Friedrichs III. neue Aufgaben im Heiligen Römischen Reich übernahm, übergab er dem fünfzehnjährigen Philipp die Regierung der burgundischen Länder. Die Bevölkerung begrüßte den jungen Herrscher, der aus der Region stammte, ihre Sprache sprach und als friedliebend galt. Philipp regierte mit Hilfe vertrauter Ratgeber und versuchte, den Gegensatz zwischen den Ansprüchen der Stände und der zentralen herzoglichen Gewalt auszugleichen. 1494 ließ er bei seiner Amtseinführung das Große Privileg abschaffen, stellte jedoch zugleich manche politischen Einrichtungen wieder her und bemühte sich um einen gemäßigteren Regierungsstil.
Seine Politik zielte vor allem auf Frieden und wirtschaftliche Entwicklung. Er versöhnte sich mit Frankreich und öffnete zugleich die Handelswege nach England wieder. Das Parlament von Mecheln wurde als Großer Rat neu organisiert und entwickelte sich zum höchsten Gericht des Landes. Philipp hielt sich außerdem aus den Kriegen seines Vaters um Geldern zunächst heraus. Erst gegen Ende seiner niederländischen Herrschaft ging er gemeinsam mit Maximilian gegen Karl von Egmond vor und eroberte Geldern und Zutphen. Karl musste sich unterwerfen, konnte jedoch später entkommen und den Krieg wieder aufnehmen. Philipp war zu diesem Zeitpunkt bereits gezwungen, nach Spanien zu reisen.
Seine Ehe mit Johanna, der Tochter Isabellas I. von Kastilien und Ferdinands II. von Aragón, war Teil einer umfangreichen habsburgisch-trastamarischen Heiratspolitik gegen die wachsende Macht Frankreichs. Philipp heiratete Johanna am 20. Oktober 1496 in Lier. Gleichzeitig wurde seine Schwester Margarete mit Johann, dem Fürsten von Asturien und einzigen Sohn der spanischen Könige, verheiratet. Nach Johanns Tod 1497, dem Tod seiner Schwester Isabella 1498 und dem Tod ihres Sohnes Miguel im Jahr 1500 wurde Johanna Erbin der Kronen von Kastilien und Aragón.
Die Ehe zwischen Philipp und Johanna begann mit echter Zuneigung, wurde aber zunehmend unglücklich. Philipp war ihr untreu und versuchte, seine politische Stellung auf Kosten ihres eigenen Erbrechts auszubauen. Er betrachtete sie nicht als gleichberechtigte politische Partnerin. Johannas depressive und nervöse Zustände wurden von ihrem Mann und ihrem Vater politisch genutzt, um Zweifel an ihrer Regierungsfähigkeit zu verbreiten. Heute wird im Zusammenhang mit den überlieferten Berichten eher von einer Depression als von Wahnsinn gesprochen.
Nach dem Tod Isabellas von Kastilien im Jahr 1504 fiel die kastilische Krone an Johanna. Philipp reiste mit ihr nach Spanien, um ihre Herrschaft durchzusetzen. Auf dem Weg dorthin gerieten beide im Januar 1506 in einen Sturm und erlitten vor der englischen Küste Schiffbruch. In England wurden sie zunächst ehrenvoll empfangen, standen tatsächlich jedoch unter dem Druck Heinrichs VII. Philipp musste einen Vertrag unterzeichnen, der unter anderem die Auslieferung des flüchtigen Grafen Edmund de la Pole und Handelsvergünstigungen für englische Kaufleute vorsah.
Am 28. April 1506 landeten Philipp und Johanna in A Coruña. Nach schwierigen Verhandlungen mit Ferdinand wurde Philipp am 27. Juni 1506 durch die kastilischen Stände zum König von Kastilien ausgerufen. Zugleich erklärten Philipp und Ferdinand Johanna für unfähig oder ungeeignet, selbst zu regieren. Philipp begann, seine Anhänger in strategischen Festungen, im königlichen Rat und in Finanzämtern einzusetzen. Er wollte außerdem die spanische Inquisition reformieren, doch sein früher Tod verhinderte die Umsetzung dieser Pläne. Auch das habsburgische Postwesen baute er aus und verband Kommunikationsstationen in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Spanien.
Philipp war ein bedeutender Förderer der Künste. Er gab Hieronymus Bosch 1504 ein großes Triptychon des Jüngsten Gerichts in Auftrag. An seinem Hof wirkten außerdem bedeutende Musiker wie Pierre de La Rue, Alexander Agricola und Antoine Divitis. Philipp bevorzugte kostbare Handschriften gegenüber gedruckten Büchern, besonders musikalische Manuskripte, die auch als diplomatische Geschenke dienten. Zu den Gelehrten, die seine Politik würdigten, gehörte Erasmus von Rotterdam.
Am 25. September 1506 starb Philipp überraschend in Burgos, vermutlich an einer schweren Infektion; zeitgenössisch wurde auch über eine Vergiftung gesprochen. Johanna soll sich aus Trauer zunächst geweigert haben, seinen Leichnam bestatten oder sich von ihm trennen zu lassen. Philipp wurde in der Königlichen Kapelle von Granada neben Johanna und ihren Eltern beigesetzt. Das Paar hatte sechs Kinder, darunter Karl, den späteren König von Spanien und Kaiser, sowie Ferdinand, der später ebenfalls Kaiser wurde.
Philipp starb vor seinem Vater und konnte weder dessen Erbe antreten noch Kaiser werden. Durch seine Ehe mit Johanna trug er jedoch entscheidend dazu bei, die habsburgischen, burgundischen, kastilischen und aragonesischen Erbschaften in der nächsten Generation zu verbinden. Sein Sohn Karl vereinte diese Machtbereiche und begründete damit die Grundlage für die weitreichende habsburgische Herrschaft in Europa. Philipp selbst blieb wegen seines frühen Todes eine unvollendete, aber wichtige Gestalt der europäischen Politik: ein burgundisch geprägter Fürst, der vor allem als Vermittler, Friedenspolitiker und Wegbereiter des späteren habsburgischen Aufstiegs in Erinnerung blieb.
Quelle: Filipe I de Castela (pt, 72675637). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0