Person

Sophie Friederike von Bayern

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Geburt

  1. 27.01.1805

Tod

  1. 28.05.1872

Porträt von Sophie Friederike von Bayern
Bildnachweis

Princess sophie of bavaria 1866

Viktor Angerer

Jörg C.Steiner: Der k.u.k. Hofstaat - 1858-1918 . ALBUM Verlag für Photografie, Wien 1997, ISBN 3-85164-048-9

Bildquelle: File:Princess sophie of bavaria 1866.jpg · Lizenz: Public domain

Für die Darstellung in der Größe angepasst.

Biografie

Sophie Friederike Dorothea Wilhelmine von Wittelsbach wurde am 27. Januar 1805 in München als Tochter des bayerischen Kurfürsten Maximilian IV., des späteren Königs Maximilian I. von Bayern, und seiner zweiten Ehefrau Caroline von Baden geboren. Sie hatte eine Zwillingsschwester namens Marie. Sophie wuchs in einer europäischen Fürstenfamilie auf, deren Mitglieder durch zahlreiche Ehen mit den herrschenden Häusern Europas verbunden waren. Ihre Mutter war eine Schwester der späteren russischen Großfürstin Elisabeth Alexejewna, und auch Sophies Schwestern heirateten in bedeutende Dynastien ein. Dadurch wurde Sophie zugleich zu einer engen Verwandten zahlreicher späterer Monarchen und Fürstinnen, darunter ihrer berühmten Nichte und späteren Schwiegertochter Elisabeth von Österreich, genannt „Sisi“. Ihre Kindheit und Jugend fielen in eine Zeit großer politischer Umwälzungen. Im Jahr ihrer Geburt besiegte Napoleon Österreich bei Austerlitz. Das Heilige Römische Reich wurde aufgelöst, Bayern erhielt neue Gebiete und stieg zum Königreich auf. Nach dem Sturz Napoleons suchte das bayerische Königshaus seine Stellung unter den europäischen Siegern zu sichern. Sophies ältere Schwestern heirateten deshalb unter anderem den österreichischen Kaiser, den preußischen König und die Könige von Sachsen. Sophie selbst heiratete am 4. November 1824 in Wien den Erzherzog Franz Karl von Österreich. Die Ehe war offenbar nicht aus Liebe zustande gekommen. Franz Karl galt als schwach und wenig charismatisch, war jedoch seiner schönen Frau sehr zugetan. Er interessierte sich kaum für Politik, liebte die Jagd und erwies sich als hingebungsvoller, beinahe unterwürfiger Ehemann und Vater. Als Ehefrau eines Mitglieds des Hauses Habsburg-Lothringen nahm Sophie am Wiener Hof rasch eine herausragende Stellung ein. Ihr Schwiegervater, Kaiser Franz I., behandelte sie wie eine Tochter. Auch ihre Halbschwester Caroline Auguste, die nach ihrer Heirat mit Franz I. Kaiserin geworden war, überließ Sophie faktisch den Vorrang bei Hof. Nach dem Tod Franz’ I. im Jahr 1835 zog sich Caroline Auguste zurück, während die neue Kaiserin Maria Anna, die kaum Deutsch sprach, Sophies Einfluss nicht ernsthaft bestritt. Sophie war intelligent, willensstark und politisch ehrgeizig. Der einflussreiche Staatskanzler Klemens von Metternich misstraute ihr, weil er befürchtete, sie könne als künftige Kaiserin seine Macht einschränken. Aufgrund der eingeschränkten Fähigkeiten des designierten Thronfolgers Ferdinand erwog Kaiser Franz I., die Nachfolge auf seinen jüngeren Sohn Franz Karl zu übertragen. Metternich setzte jedoch die dynastische Ordnung durch und sorgte dafür, dass Ferdinand seine Ansprüche behielt. Sophie musste ihre eigenen Thronhoffnungen deshalb auf ihren ältesten Sohn Franz Joseph richten. Sie arbeitete mit Metternich zusammen und überließ ihm einen Teil der Ausbildung des Jungen, den sie bereits als künftigen Kaiser betrachtete. Die Ehe von Sophie und Franz Karl wurde erst nach mehreren Fehlgeburten von Kindern gekrönt. Zu ihren Kindern gehörten Franz Joseph, der 1830 geboren wurde und 1848 Kaiser von Österreich werden sollte, sowie Ferdinand Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko. Weitere Söhne waren Karl Ludwig und Ludwig Viktor. Eine Tochter, Marie Anne, starb 1840 im Alter von fünf Jahren, was Sophie tief erschütterte. Im selben Jahr erlitt sie eine weitere Fehlgeburt; ein Jahr später verlor sie auch ihre Mutter Caroline, die ihr als Vertraute und Stütze nahegestanden hatte. Sophie war eine liebevolle und besonders aufmerksame Mutter, die großen Wert auf die Erziehung ihrer Kinder legte. Während der Biedermeierzeit prägte Sophie das gesellschaftliche Leben Wiens. Ihr Salon stand Künstlern offen; zu ihren Gästen gehörten unter anderem Franz Liszt und Johann Strauss, der ihr eine Walzerkomposition widmete. Nach ihr wurde auch die bekannte Wiener Sophiensaal benannt. Zugleich trat sie entschieden für monarchische Traditionen ein. Sie war die eigentliche Führungsfigur ihrer weit verzweigten Wittelsbacher Familie und setzte ihre verwandtschaftlichen Beziehungen wiederholt für dynastische und politische Ziele ein. Die Revolution von 1848 stellte die habsburgische Herrschaft vor eine existenzielle Krise. Metternich musste ins Exil gehen, in Ungarn erhob sich ein Aufstand, und die kaiserliche Familie floh zunächst nach Innsbruck, später nach Prag und Olmütz. Sophie erkannte, dass die Monarchie einen jungen Herrscher brauchte, der die revolutionären und nationalen Unruhen bewältigen konnte. Gemeinsam mit der Kaiserinwitwe Caroline Auguste und der Kaiserin Maria Anna setzte sie durch, dass ihr Ehemann auf seine Thronansprüche verzichtete und Kaiser Ferdinand abdankte. So konnte Sophies erst achtzehnjähriger Sohn Franz Joseph den Thron besteigen. Dieses Vorgehen wurde später als „Komplott der Damen“ bezeichnet. Sophie blieb auch danach eine zentrale politische Kraft. Sie unterstützte konservative Kreise, die Armee und die katholische Kirche und prägte die frühen Jahre der Herrschaft Franz Josephs. Sie befürwortete einen autoritären, zentralistischen und klerikal geprägten Staat und begrüßte insbesondere das Konkordat von 1855, das den Einfluss der Kirche stärkte. Als sich Österreich infolge militärischer Niederlagen, politischer Reformen und des Ausgleichs mit Ungarn zunehmend in eine andere Richtung entwickelte, verlor Sophie schrittweise ihren direkten Einfluss. Auch in Familienfragen wollte sie die Zukunft der Monarchie lenken. Für Franz Joseph bestimmte sie zunächst dessen Cousine Helene von Bayern zur Braut. Der Kaiser widersetzte sich jedoch erstmals offen dem Willen seiner Mutter und heiratete Helenes jüngere Schwester Elisabeth, die später als „Sisi“ bekannt wurde. Sophie bemühte sich, ihre Schwiegertochter zu akzeptieren, stellte jedoch hohe Anforderungen an sie. Die frei erzogene Elisabeth hatte große Schwierigkeiten mit dem strengen Hofzeremoniell und mit Sophies Verständnis von Pflicht und Staatsräson. Die Spannungen zwischen beiden Frauen prägten später ihr Bild in Romanen und Filmen. Sophies Leben wurde in ihren letzten Jahren von politischen und persönlichen Katastrophen überschattet. Österreichs Niederlagen gegen Sardinien und Preußen, das Ende des Neoabsolutismus, der österreichisch-ungarische Ausgleich und die Schwächung des kirchlichen Einflusses bedeuteten das Scheitern ihrer politischen Vorstellungen. Besonders schwer traf sie der Tod ihres Lieblingssohnes Maximilian, der 1867 als Kaiser von Mexiko in Querétaro erschossen wurde. Sophie machte Napoleon III. für dessen Schicksal verantwortlich und verweigerte ihm später ein Treffen in Wien. Auch die deutsche Einigung unter preußischer Führung empfand sie als politische Demütigung für Österreich und Bayern. In ihren letzten Jahren zog sie sich zunehmend zurück und widmete sich ihrer Familie und ihren Enkelkindern. Sie erlebte noch die Verlobung ihrer Enkelin Gisela mit dem bayerischen Prinzen Leopold, starb jedoch am 28. Mai 1872 in Wien im Alter von 67 Jahren an einer Lungenentzündung. Bis zu ihrem Tod wurde sie von ihrer Schwiegertochter Elisabeth begleitet. Das spätere Bild der „strengen“ Erzherzogin verkürzte ihre Persönlichkeit: Sophie war zweifellos autoritär und machtbewusst, handelte aber vor allem aus ihrer Überzeugung, die Größe Österreichs und die Zukunft ihrer Dynastie sichern zu müssen.

Quelle: Sophie de Bavière (fr, 239253139). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0