
Bildnachweis
Erzherzog Karl Ludwig von Österreich (cropped)
H Norden: Stadt Graben 19, Vienna
Royal Collection UK
Bildquelle: File:Erzherzog Karl Ludwig von Österreich (cropped).jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Karl Ludwig Franz Joseph von Österreich wurde am 30. Juli 1833 im Schloss Schönbrunn geboren. Er war der Sohn Erzherzog Franz Karls von Österreich-Toskana und Sophie von Bayern sowie der jüngere Bruder Kaiser Franz Josephs I. Obwohl er schon früh eine militärische Laufbahn einschlug, lagen seine eigentlichen Interessen vor allem in der Kunst und der Kultur. Am 25. Februar 1848 erhielt er den Rang eines Obersten und wurde Inhaber des 7. Ulanenregiments der kaiserlich-königlichen Armee. Im selben Jahr sollte er gemeinsam mit seinem Bruder Franz Joseph eine ausgedehnte Europareise unternehmen, insbesondere durch die österreichischen Gebiete des Königreichs Lombardo-Venetien. Der Ausbruch der Revolution von 1848 machte diese Pläne jedoch zunichte. Karl Ludwig kehrte mit seiner Familie zurück und fand bis 1849 Zuflucht in Olmütz.
Nach einer Reise in den Orient im Herbst 1850 und dem Abschluss seiner Studien übernahm Karl Ludwig eine wichtige politische Aufgabe. Am 30. Juli 1855 wurde er zum Generalgouverneur von Tirol ernannt; bereits am Vortag war er zum Generalmajor befördert worden. Sechs Jahre lang leitete er die Region mit großem Pflichtbewusstsein, obwohl er das Amt nicht aus eigener Neigung übernommen hatte. Besonders setzte er sich für die Reform des Schulwesens ein. Er förderte die Erweiterung und Verschönerung Innsbrucks, beschäftigte sich mit der Erhaltung der historischen Gebäude der Stadt und unterstützte die wirtschaftliche Entwicklung Tirols. Auf seine Initiative wurde dort außerdem die erste nationale Kunstausstellung veranstaltet. Zugleich übernahm er die Schirmherrschaft über mehrere Künstlervereinigungen.
In Franz Josephs persönlichem Leben spielte Karl Ludwig ebenfalls eine bedeutende Rolle. Er war seinem Bruder ein enger Verbündeter, stand jedoch zeitweise auch in einem romantischen Konkurrenzverhältnis zu ihm. Ursprünglich war Karl Ludwig Elisabeth, die später als „Sissi“ bekannt wurde, zur Ehe versprochen worden. Sie heiratete schließlich Franz Joseph und wurde Kaiserin von Österreich.
Am 11. April 1856 heiratete Karl Ludwig in Dresden Prinzessin Margarethe von Sachsen, eine Tochter König Johanns von Sachsen und Prinzessin Amalia Augustas von Bayern. Die Ehe blieb kinderlos. Margarethe starb bereits am 15. September 1858, nur zwei Jahre nach der Hochzeit. Ihr Tod erschütterte Karl Ludwig zutiefst. Er erwog sogar, in ein Kloster einzutreten und sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen. Eine Reise nach Rom und ein Treffen mit Papst Pius IX. halfen ihm jedoch, diese Krise zu überwinden. Danach kehrte er nach Innsbruck und zu seinen Aufgaben zurück.
Seine Rückkehr nach Tirol fiel in eine Zeit zunehmender militärischer Spannungen. Im Vorfeld des Krieges gegen Piemont und Frankreich wurde unter seiner Führung die örtliche Mobilisierung vorbereitet. Vorarlberg reagierte auf den Aufruf mit einem Kontingent von fast 50.000 Männern, darunter mehr als 8.000 Schützen.
1860 entstand in Tirol ein Streit über die religiöse Einheit der Region. Karl Ludwig stand einerseits unter dem Einfluss der katholischen Mehrheit im Landtag, war andererseits aber als Vertreter einer konstitutionellen Regierung überzeugt, die Religionsfreiheit ohne Einschränkungen gewährleisten zu müssen. Als er am 17. Juni 1861 eine Volksabstimmung über diese Frage anordnete, widersetzte sich Franz Joseph entschieden. Der Kaiser betonte die zentrale Bedeutung der katholischen Religion für die österreichische Kultur. Karl Ludwig hielt dennoch an seiner überparteilichen Haltung fest und trat am 11. Juli 1861 als Generalgouverneur von Tirol zurück. Im selben Jahr war er zum Feldmarschallleutnant ernannt worden.
Nach seinem Rücktritt widmete sich Karl Ludwig vor allem diplomatischen Aufgaben im Dienst des Kaiserreichs. Unter anderem trug er dazu bei, die nach dem Krimkrieg belasteten Beziehungen zwischen Österreich und Russland wiederherzustellen. 1884 wurde er zum General der Kavallerie befördert. Nach dem Tod Kronprinz Rudolfs, des einzigen Sohnes Franz Josephs, im Jahr 1889 wurde Karl Ludwig zum Thronfolger Österreich-Ungarns. Am Wiener Hof hielt er sich jedoch weiterhin eher im Hintergrund und trat nur wenig öffentlich hervor.
Seine zweite Ehe schloss Karl Ludwig 1862 mit Prinzessin Maria Annunziata von Bourbon-Sizilien, einer Tochter König Ferdinands II. und dessen zweiter Ehefrau Maria Theresia von Österreich-Teschen. Die Ehe wurde am 16. Oktober in Rom durch Stellvertretung geschlossen und am 21. Oktober in Venedig persönlich vollzogen. Aus ihr gingen vier Kinder hervor: Franz Ferdinand, Otto Franz, Ferdinand Karl und Margarethe Sophie. Franz Ferdinand heiratete Sophie Chotek von Chotkowa. Sein späteres Attentat wurde zum unmittelbaren Anlass für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Otto Franz heiratete Maria Josepha von Sachsen; zu seinen Kindern gehörte Karl I., der spätere Kaiser von Österreich. Ferdinand Karl heiratete Bertha Czuber, blieb jedoch kinderlos. Margarethe Sophie vermählte sich mit Herzog Albrecht von Württemberg und hatte sieben Kinder.
Nach dem Tod Maria Annunziatas heiratete Karl Ludwig am 23. Juli 1873 in Kleinheubach Maria Theresa von Braganza, eine Infantin von Portugal und Tochter des früheren portugiesischen Königs Michael. Das Paar hatte zwei Töchter. Maria Annunziata wurde später Fürstäbtissin des königlich-kaiserlichen Theresianischen Damenstifts auf dem Hradschin in Prag. Elisabeth Amalia heiratete Prinz Alois von Liechtenstein. Zu ihren acht Kindern gehörte Franz Joseph II., der später regierender Fürst von Liechtenstein wurde.
Karl Ludwig starb am 19. Mai 1896 im Schloss Schönbrunn. Die Krankheit, an der er im Alter von 62 Jahren starb, hatte er sich während einer Reise nach Kairo und Palästina im vorangegangenen Winter zugezogen. Mit seinem Tod endete das Leben eines Erzherzogs, der zwischen militärischen Pflichten, regionaler Verwaltung, Diplomatie und den dynastischen Aufgaben des Hauses Habsburg stand.
Quelle: Carlo Ludovico d'Asburgo-Lorena (it, 148581204). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0