Person

Johann von Österreich

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Geburt

  1. 20.01.1782

Tod

  1. 10.05.1859

  2. 11.05.1859

Porträt von Johann von Österreich
Bildnachweis

German: Erzherzog Johann von Österreich label QS:Lde,"Erzherzog Johann von Österreich"

Franz Russ the Elder

https://www.museum-joanneum.at/neue-galerie-graz/ausstellungen/ausstellungen/rundgang-wer-bist-du/raum-02/erzherzog-johann

Bildquelle: File:Franz Russ der Ältere - Erzherzog Johann von Österreich.jpg · Lizenz: Public domain

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Biografie

Erzherzog Johann Baptist Josef Fabian Sebastian von Österreich wurde am 20. Jänner 1782 in Florenz als dreizehntes Kind des Großherzogs Leopold von Toskana, des späteren Kaisers Leopold II., und Maria Ludovica von Spanien geboren. Seinen ungewöhnlichen Namen Johann erhielt er nach Johannes dem Täufer, dem Schutzpatron von Florenz. Anders als viele Habsburger wurde er zunächst auf Italienisch erzogen, später lernte er Französisch, Deutsch und Latein. Schon früh interessierte er sich für die Alpenländer, Geschichte, soziale Fragen, Naturwissenschaften und Technik. Zeit seines Lebens war er zugleich Soldat, Alpinist, Jäger, Landwirt, Weinbauer, Industrieller und Förderer von Wissenschaft und Kultur. Für die militärische Laufbahn bestimmt, wurde Johann bereits 1795 Generalmajor und Inhaber eines Dragonerregiments. Im Zweiten Koalitionskrieg übernahm er 1800 den Oberbefehl über das kaiserliche Heer in Süddeutschland. Nach einem Erfolg bei Ampfing erlitt er bei Hohenlinden eine schwere Niederlage, konnte aber kurz darauf am Walserfeld einen Teilsieg erringen. Nach dem Frieden von Lunéville wurde er Generaldirektor des Genie- und Festungswesens und leitete außerdem die Wiener Ingenieurakademie sowie die Militärakademie in Wiener Neustadt. Im Krieg von 1805 sollte Johann zunächst die Tiroler Landmiliz organisieren, übernahm dann aber die in Italien eingesetzte Armee. 1808 bereitete er in Tirol und Innerösterreich die Landwehr vor und unterstützte 1809 den Tiroler Aufstand unter Andreas Hofer gegen die bayerische und französische Herrschaft. Im April 1809 besiegte seine Südarmee die Truppen des französischen Vizekönigs Eugène de Beauharnais bei Sacile. Nach den Niederlagen der österreichischen Hauptarmee musste er sich jedoch zurückziehen. Bei Raab wurde sein Korps schwer geschlagen, sodass er nicht rechtzeitig an der Schlacht bei Wagram teilnehmen konnte. Sein aktives Feldkommando verlor er, erhielt aber das Großkreuz des Maria-Theresien-Ordens. Nach dem Wiener Kongress leitete er 1815 noch die Belagerung der Festung Hüningen im Elsass. Seine Tagebücher zeigen dabei nicht nur militärische Pflichterfüllung, sondern auch Kriegsmüdigkeit und Mitgefühl mit dem besiegten Gegner. 1836 wurde er ehrenhalber zum Feldmarschall ernannt. Eine besonders enge Beziehung entwickelte Johann zu Tirol. Dort lernte er Josef von Hormayr kennen, mit dem er Pläne für einen Volksaufstand gegen Napoleon unterstützte. Als Österreich zeitweise mit Napoleon verbündet war, mussten diese Vorbereitungen geheim bleiben. Der sogenannte Alpenbund wurde jedoch verraten; Hormayr wurde verhaftet und Johann als angeblicher Anwärter auf ein eigenes Alpenreich denunziert. Sein Bruder Kaiser Franz I. verbot ihm daraufhin, Tirol zu betreten. Das Verbot wurde erst 1833 aufgehoben. Johann machte vor allem Metternich für seine politische Ausschaltung verantwortlich und blieb ihm lebenslang feindlich gesinnt. 1807 erwarb Johann Schloss und Herrschaft Thernberg in Niederösterreich. Dort betrieb er landwirtschaftliche Versuche, legte Obstgärten an und begann mit Sammlungen, die später den Grundstock des Grazer Joanneums bildeten. Thernberg diente ihm auch als Rückzugsort, um militärische und politische Niederlagen zu verarbeiten und Abstand von den Intrigen des Wiener Hofes zu gewinnen. 1828 verkaufte er den Besitz und konzentrierte sich zunehmend auf die Steiermark, die zu seinem wichtigsten Wirkungsfeld wurde. In der Steiermark wurde Johann als Modernisierer und volkstümliche Identifikationsfigur verehrt. Obwohl er sich selbst nicht als liberal bezeichnete, kritisierte er, dass Hof und adelige Grundherren die Sorgen der einfachen Menschen zu wenig beachteten. Seine Reformen betrieb er ausschließlich als Privatmann, doch seine Beziehungen und seine Überzeugungskraft ermöglichten zahlreiche nachhaltige Initiativen. 1811 legte er den Grundstein für das Joanneum in Graz. Außerdem regte er unter anderem die Landesbibliothek, das Landesarchiv, die Landwirtschaftsgesellschaft, die Sparkasse, die Berg- und Hüttenmännische Lehranstalt in Vordernberg, eine Brandschadenversicherung, eine Landesoberrealschule und den Historischen Verein für Steiermark an. Während der Hungersnot von 1816 und 1817 verteilte Johann persönlich Kartoffeln und ermutigte die Bevölkerung, sie anzubauen. Die 1819 gegründete Steiermärkische Landwirtschaftsgesellschaft förderte bessere Methoden in Viehzucht, Obstbau und Ackerbau sowie neue Sorten und rationellere Arbeitsweisen. Johann blieb bis zu seinem Tod ihr Präsident und besuchte nach Möglichkeit jährlich ihre zahlreichen regionalen Filialen. Auch Industrie und Bergbau modernisierte er. Nach einer Erbschaft baute er sein Gut Brandhof aus, erwarb Radwerke in Vordernberg und beteiligte sich an der Neuordnung des Eisenerzabbaus am Erzberg. Später kaufte er eine Blechfabrik und Kohlegruben. Sein Interesse an Technik führte ihn zum Eisenbahnbau. Nach Englandreisen 1815 und 1816, bei denen er die industrielle Entwicklung studierte und James Watt begegnete, setzte er sich für eine Verbindung von Budweis nach Triest ein. Besonders wichtig war sein Einfluss auf die Trassierung der Südbahn über den Semmering und durch die Mur-Mürz-Furche nach Graz. Auch die Graz-Köflacher Bahn ging auf seine Anregungen zurück. Daneben förderte er Weinbau und Landwirtschaft auf seinen Gütern in Brandhof, Stainz und der Untersteiermark. 1819 begegnete Johann am Toplitzsee der damals fünfzehnjährigen Anna Plochl, der Tochter eines Ausseer Postmeisters. Nach jahrelangem Warten auf die kaiserliche Zustimmung heiratete er sie am 18. Februar 1829 in einer privaten Kapelle auf dem Brandhof. Wegen dieser morganatischen Ehe wurde er von der Thronfolge ausgeschlossen. Anna erhielt später den Titel Freifrau von Brandhofen, ihr gemeinsamer Sohn Franz wurde 1839 geboren und 1845 zum Grafen von Meran erhoben. Graz wurde zum Mittelpunkt der Familie; dort entstand das Palais Meran. 1848 wählte die Frankfurter Nationalversammlung Johann zum Reichsverweser, dem provisorischen Oberhaupt der entstehenden deutschen Zentralgewalt. Er nahm das Amt an und zog im Juli unter großem Jubel in Frankfurt ein. Als Reichsverweser ernannte und entließ er Minister und unterzeichnete Reichsgesetze. Nach der Niederschlagung der Revolution übertrug er seine Befugnisse im Dezember 1849 der Bundeszentralkommission. Nach seiner Rückkehr wurde er 1850 zum ersten Bürgermeister von Stainz gewählt – als einziges Mitglied des österreichischen Kaiserhauses zum Bürgermeister einer kleinen Marktgemeinde. Dieses Amt übte er bis Ende 1858 aus. Johann starb am 11. Mai 1859 in Graz an einer Lungenentzündung. Zunächst wurde er dort bestattet, 1869 aber in das Mausoleum bei Schloss Schenna überführt, das sein Sohn errichten ließ. Sein Andenken lebt besonders in der Steiermark fort: durch den Grazer Erzherzog-Johann-Brunnen, zahlreiche Schulen und Straßen, das Joanneum, Lieder wie den Erzherzog-Johann-Jodler und viele Einrichtungen, die auf seine Bildungs-, Wirtschafts- und Kulturinitiativen zurückgehen.

Quelle: Johann von Österreich (de, 269325389). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0