Biografie
Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel wurde am 28. August 1691 in Braunschweig geboren. Sie war die älteste Tochter von Herzog Ludwig Rudolf von Braunschweig-Lüneburg und dessen Ehefrau Christine Luise, einer Prinzessin von Oettingen-Oettingen. Durch ihre Heirat mit Karl VI. wurde sie später Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches sowie Königin von Deutschland, Böhmen, Ungarn, Sardinien, Sizilien und Neapel. Außerdem trug sie zahlreiche weitere habsburgische Titel. Bekannt war sie auch für ihre Schönheit und vor allem als Mutter Maria Theresias von Österreich.
Elisabeth Christine wuchs als Protestantin auf. Bereits im Alter von dreizehn Jahren wurde sie 1704 mit dem späteren Kaiser Karl VI. verlobt, der damals als Karl III. Anspruch auf den spanischen Thron erhob. Die Verbindung kam durch Verhandlungen ihres Großvaters Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, mit Wilhelmine Amalie von Braunschweig-Lüneburg zustande, der Schwägerin Karls und Ehefrau Kaiser Josephs I. Die Ehe verlangte von Elisabeth Christine jedoch den Übertritt zum katholischen Glauben. Die junge Prinzessin widersetzte sich zunächst entschieden und drohte sogar mit Selbstmord. Schließlich gab sie ihren Widerstand auf und konvertierte am 1. Mai 1707 in Bamberg zum Katholizismus.
In dieser Zeit tobte der Spanische Erbfolgekrieg. Karl III. herrschte tatsächlich über Katalonien, das sich ihm angeschlossen hatte, während er gegen Philipp V. von Spanien kämpfte. Karl hatte seinen Hof in Barcelona eingerichtet. Im April 1708 machte sich Elisabeth Christines Hochzeitszug auf den Weg. Nach einem Aufenthalt in Wien, wo sie dem Kaiserhof, der Kaiserinwitwe und der höfischen Gesellschaft vorgestellt wurde, reiste sie weiter nach Genua. Unter dem Schutz der englischen Marine gelangte sie auf dem Seeweg nach Barcelona, wo sie Ende Juli eintraf. Am 1. August 1708, kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag, heiratete sie den dreiundzwanzigjährigen Karl.
Karl kehrte unmittelbar nach der Hochzeit zum Heer zurück und übertrug seiner jungen Ehefrau die Regentschaft über seine Herrschaftsgebiete. Auch sein Gegner ließ seine Länder von einer jungen Frau regieren. Während die beiden Könige um Spanien kämpften, wurde das Land somit von zwei sehr jungen Regentinnen verwaltet. Das politische Schicksal des Paares änderte sich 1711. Eine Pockenepidemie raffte unter anderem Kaiser Joseph I., Karls älteren Bruder, sowie den französischen Dauphin und mehrere Kinder des Herzogs Leopold I. von Lothringen dahin. Da Joseph I. nur zwei minderjährige Töchter hinterließ, die nicht zur Kaiserwahl zugelassen waren, wurde Karl zum Kaiser gewählt. Er nahm nun den Namen Karl VI. an.
Die dadurch erneut entstandene Machtkonzentration des Hauses Habsburg beunruhigte Europa. Als die Unterstützung Englands unsicherer wurde, verzichtete Karl auf seine Ansprüche auf Spanien und verhandelte einen Kompromissfrieden. Noch im selben Jahr verließen Elisabeth Christine und Karl Barcelona und kehrten nach Wien zurück.
Die Ehe brachte Elisabeth Christine eine glänzende Stellung, blieb jedoch zunächst ohne männlichen Erben. Drei Jahre nach dem Tod des spanischen Anspruchs erhielten sie und Karl einen Sohn, der jedoch als Säugling starb. Insgesamt hatte das Paar vier Kinder. Das Erwachsenenalter erreichten Maria Theresia, geboren 1717, und Maria Anna, geboren 1718. Die jüngere Tochter Maria Amalia starb 1730 im Alter von sechs Jahren. Elisabeth Christine musste sich auf Anordnung ihrer Ärzte verschiedenen Behandlungen und Experimenten unterziehen, die ihre Fruchtbarkeit steigern sollten, empfing jedoch kein weiteres Kind. Einige Minister sollen sogar erwogen haben, ihr nach dem Leben zu trachten; Karl VI. duldete dies jedoch nicht.
Aus Sorge um die Nachfolge erließ Karl die Pragmatische Sanktion. Sie sollte festlegen, dass bei einem fehlenden männlichen Erben seine Töchter den Töchtern seines verstorbenen Bruders vorgehen sollten. Zugleich verheiratete er seine beiden Nichten vorteilhaft: Maria Josepha mit August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, und Maria Amalia mit dem Kurfürsten von Bayern, dem späteren Kaiser Karl VII. Diese Verbindungen stärkten zwar die dynastischen Beziehungen, konnten aber auch künftig Ansprüche der angeheirateten Familien auf das habsburgische Erbe begünstigen.
1723 kam der junge Franz Stephan von Lothringen an den Wiener Hof. Der Erbe der Herzogtümer Lothringen und Bar sollte dort seine Ausbildung beenden. Seine Familie hatte nach der französischen Besetzung ihrer Länder lange Zeit im Exil gelebt, war aber eng mit dem Kaiserhaus verbunden. Schon bald wurde über eine Verbindung zwischen Franz Stephan und Maria Theresia nachgedacht. Die Ehe wurde 1736 geschlossen und war für die damalige höfische Welt ungewöhnlicherweise auch eine Liebesheirat.
Als Karl VI. nach einem unglücklichen Krieg gegen die Türken starb, war Maria Theresia erst dreiundzwanzig Jahre alt, politisch unerfahren und mit ihrem ersten Sohn schwanger. Elisabeth Christine unterstützte ihre Tochter in dieser schwierigen Lage. Sie vererbte ihr nicht nur ihre Schönheit, sondern auch Energie und Mut. Kurz nach Beginn des Österreichischen Erbfolgekriegs wurde im März 1741 der lang erwartete männliche Erbe geboren. Das Kind erhielt aus Dankbarkeit den Namen Joseph. Maria Theresia bekam in den folgenden Jahren beinahe jedes Jahr ein weiteres Kind und sicherte damit den Fortbestand der Dynastie.
1744 heiratete Maria Annas Tochter? No, Maria Anna, Elisabeth Christines zweite Tochter, heiratete den Prinzen Karl Alexander von Lothringen, den Bruder Franz Stephans. Das junge Paar übernahm die Regentschaft in den Österreichischen Niederlanden und ging nach Brüssel. Dort wurde Maria Anna schwanger und starb kurz vor Weihnachten im Kindbett. Der Verlust traf Maria Theresia und ihre Mutter schwer; Elisabeth Christines Gesundheit blieb davon dauerhaft beeinträchtigt.
Franz Stephan wurde 1745 zum Kaiser gewählt, doch Maria Theresia selbst behielt die politische Führung. Durch geschickte Geldanlagen vergrößerte Franz Stephan das Vermögen der nun habsburgisch-lothringischen Dynastie. Der Frieden von 1748 bewahrte Maria Theresia den größten Teil ihrer Länder und das Ansehen ihres Hauses, auch wenn Schlesien an Preußen verloren ging. Elisabeth Christine erlebte damit noch die Sicherung der dynastischen Zukunft durch ihre Tochter und ihre zahlreichen Enkelkinder.
Elisabeth Christine starb am 21. Dezember 1750 in Wien. Sie wurde in der Kapuzinergruft beigesetzt, der traditionellen Ruhestätte der Mitglieder des österreichischen Kaiserhauses.
Quelle: Élisabeth-Christine de Brunswick-Wolfenbüttel (fr, 235413475). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0