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Princess Stéphanie of Belgium
Othmar von Türk
Austrian National Library
Bildquelle: File:Princess Stéphanie of Belgium.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Prinzessin Stéphanie von Belgien wurde am 21. Mai 1864 im Palast von Laeken als dritte Tochter des späteren belgischen Königs Leopold II. und der aus dem österreichischen Kaiserhaus stammenden Marie Henriette geboren. Ihre Eltern führten eine unglückliche, aus politischen Gründen arrangierte Ehe. Leopold interessierte sich vor allem für Staatsgeschäfte und wirtschaftliche Projekte, während Marie Henriette religiös und naturverbunden war. Stéphanie hatte zwei ältere Geschwister, Louise und Leopold, sowie eine jüngere Schwester, Clémentine. Der frühe Tod ihres Bruders Leopold im Jahr 1869 prägte ihre Kindheit ebenso wie die emotionale Distanz ihrer Eltern. 1871 erkrankte Stéphanie schwer an Typhus, überlebte jedoch. Ihre Erziehung war streng und umfasste mehrere Sprachen, Geschichte, Religion, Musik, Malerei, Mathematik und Reiten, blieb nach ihren eigenen späteren Erinnerungen aber eher oberflächlich.
Schon als Jugendliche wurde Stéphanie in die europäischen Heiratspläne einbezogen. Leopold II. und Marie Henriette hofften, ihre Tochter mit einem regierenden Monarchen oder einem Thronfolger zu verheiraten. Während eines Besuchs der österreichischen Kaiserin Elisabeth in Brüssel kam Stéphanie mit dem österreichischen Kronprinzen Rudolf ins Gespräch. Rudolf, der einzige Sohn Kaiser Franz Josephs I., suchte unter dem Druck seiner Eltern nach einer katholischen Braut. Nach einem Besuch am belgischen Hof im März 1880 erklärte er, in Stéphanie gefunden zu haben, was er suchte. Die Verlobung wurde wenige Tage später bekannt gegeben, obwohl Stéphanie noch nicht sechzehn Jahre alt war.
Die Hochzeit fand schließlich am 10. Mai 1881 in der Augustinerkirche in Wien statt. Stéphanie wurde damit Kronprinzessin von Österreich, Ungarn, Böhmen und Kroatien. Die Feier war ein internationales dynastisches Ereignis, an dem zahlreiche europäische Fürsten teilnahmen. Zunächst beruhte die Ehe auf gegenseitigem Respekt und einer gewissen Verbundenheit. Stéphanie übernahm bald repräsentative Aufgaben am Wiener Hof und vertrat zunehmend die zurückgezogene Kaiserin Elisabeth bei Empfängen und offiziellen Anlässen. Das junge Paar bekam am 2. September 1883 eine Tochter, Elisabeth Marie, die innerhalb der Familie Erzsi genannt wurde. Rudolf hatte auf einen Sohn gehofft, nahm seine Rolle als Vater aber schließlich an.
Die Ehe zerbrach jedoch zunehmend. Rudolf war politisch unzufrieden, litt unter starken Stimmungsschwankungen und führte zahlreiche außereheliche Beziehungen. Anfang 1886 erkrankte er an einer sexuell übertragbaren Krankheit, die er Stéphanie übertrug. Die Behandlung und die Folgen der Erkrankung machten Stéphanie unfruchtbar, sodass weitere Kinder unmöglich wurden. Sie fühlte sich von ihrem Mann betrogen und zog sich immer stärker von ihm zurück. Später entwickelte sie selbst eine Beziehung zu dem polnischen Grafen Artur Potocki, der ihr während der schweren Jahre nach Rudolfs Tod nahestand. Potocki starb 1890 an Kehlkopfkrebs.
Stéphanie machte sich große Sorgen wegen Rudolfs Depressionen und seines zunehmend gewalttätigen und unberechenbaren Verhaltens. Im Herbst 1888 warnte sie Kaiser Franz Joseph, doch dieser hielt ihre Befürchtungen für übertrieben. Am 30. Januar 1889 wurden Rudolf und seine junge Geliebte Mary Vetsera im Jagdschloss Mayerling tot aufgefunden. Die Ereignisse wurden als gemeinsamer Selbstmord gedeutet und lösten eine der größten Tragödien des europäischen Hochadels aus. Stéphanie wurde im Alter von 24 Jahren Witwe. Rudolf hinterließ ihr einen Abschiedsbrief, in dem er sie aufforderte, für ihre gemeinsame Tochter zu sorgen.
Nach seinem Tod wollte Stéphanie Wien verlassen, musste jedoch auf Wunsch Kaiser Franz Josephs bei ihrer Tochter bleiben. Sie führte zunächst ein zurückgezogenes Leben, reiste viel und widmete sich unter anderem der Aquarellmalerei. Ihre Beziehung zu Elisabeth Marie blieb schwierig und kühlte im Laufe der Jahre weiter ab. Auch am Wiener Hof fühlte sich Stéphanie zunehmend isoliert. 1898 erschütterte sie der Tod Kaiserin Elisabeths, die sie nie wirklich akzeptiert hatte.
Nach elf Jahren Witwenschaft heiratete Stéphanie am 22. März 1900 den ungarischen Grafen Elemér Lónyay. Er war von niedrigerem Rang und ursprünglich Protestant, trat für die Ehe jedoch zum Katholizismus über. Die Heirat widersetzte sich den Erwartungen der belgischen und österreichischen Höfe. Stéphanie verlor dadurch ihre österreichischen Hoftitel und wurde aus dem Haus Habsburg ausgeschlossen. Ihr Vater Leopold II. war über die Verbindung so verärgert, dass er den Kontakt zu ihr abbrach und ihr sogar die Rückkehr nach Belgien verweigerte. Die zweite Ehe erwies sich dennoch als glücklich. 1917 wurde Elemér in den ungarischen Fürstenstand erhoben.
Stéphanie und ihr Mann lebten seit 1906 überwiegend auf Schloss Rusovce, einem weitläufigen Anwesen in der heutigen Slowakei. Sie ließen das Schloss renovieren, legten mehrere Gärten an und empfingen dort Künstler, Schriftsteller und Angehörige europäischer Herrscherhäuser. Während des Ersten Weltkriegs richtete Stéphanie in ihrem Haus eine provisorische Krankenstation ein und arbeitete als Pflegerin. Nach dem Ende der Habsburgermonarchie konnten sie und ihre Tochter in ihren Besitzungen bleiben, da beide durch ihre Ehen aus dem Haus Habsburg ausgeschieden waren.
1935 veröffentlichte Stéphanie ihre Erinnerungen unter dem Titel „Ich sollte Kaiserin werden“. Darin schilderte sie ihr Leben am Wiener Hof und stellte den Tod Rudolfs und Mary Vetseras als Selbstmordpakt dar. Das Buch erschien zunächst auf Deutsch und später auch auf Französisch, war in Österreich zeitweise jedoch verboten.
Im hohen Alter zog sich Stéphanie mit ihrem Mann immer stärker zurück und widmete sich religiösen Übungen. 1944 enterbte sie ihre Tochter, die nach der Scheidung mit dem sozialdemokratischen Politiker Leopold Petznek zusammenlebte. Ihr Vermögen vermachte sie weitgehend den Benediktinern. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Schloss Rusovce zunächst von deutschen Truppen besetzt. Im Frühjahr 1945 zwangen die Kämpfe Stéphanie und Elemér, in die ungarische Erzabtei Pannonhalma zu fliehen. Dort starb Stéphanie am 23. August 1945 im Alter von 81 Jahren an einem Schlaganfall. Sie wurde in der Krypta der Abtei beigesetzt; ihr Mann starb im folgenden Jahr und fand neben ihr seine letzte Ruhestätte.
Quelle: Princess Stéphanie of Belgium (en, 1365711964). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0