Biografie
Leopold V. Ferdinand von Österreich wurde am 5. oder 9. Oktober 1586 in Graz geboren. Er war das zwölfte Kind und der fünfte Sohn des österreichischen Erzherzogs Karl II. und dessen Gemahlin Maria Anna von Bayern. Über seinen Vater stammte er von Kaiser Ferdinand I. und Anna Jagiellonica ab, der letzten Vertreterin des Hauses Jagiellonen in Böhmen und Ungarn. Mütterlicherseits war er ein Enkel des bayerischen Herzogs Albrecht V. und der habsburgischen Prinzessin Anna von Österreich. Als Leopold vier Jahre alt war, starb sein Vater. Seine Mutter bestimmte daraufhin früh für ihn eine geistliche Laufbahn.
Zwischen 1590 und 1594 wurde Leopold Kanoniker im Bistum Passau. 1596 erhielt er die Tonsur und mehrere niedere geistliche Weihen, darunter die des Akolythen, Exorzisten, Lektors und Türhüters. Im selben Jahr begann er an der von seinem Vater gegründeten und von Jesuiten geleiteten Universität zu studieren; später setzte er seine Ausbildung bei den Jesuiten in Judenburg und an der Grazer Universität fort. Unter ihrem Einfluss entwickelte er sich zu einem eifrigen und frommen Katholiken. Zugleich galt er als gesund, mutig und entschlossen. Kaiser Rudolf II., der ihm besonders zugetan war, unterstützte seine kirchliche Karriere.
Auf Empfehlung Rudolfs II. und mit Hilfe seiner Mutter und seines älteren Bruders wurde Leopold 1597, im Alter von zwölf Jahren, zum Koadjutor des Bistums Passau gewählt. Dabei setzte er sich gegen seinen Vetter Ferdinand von Bayern durch; ausschlaggebend war die Stimme Papst Clemens’ VIII. Ein Jahr später folgte seine Wahl zum Koadjutor des Bistums Straßburg, die am 18. August 1599 bestätigt wurde. Die eigentliche Ausübung seiner Aufgaben begann jedoch erst nach Erreichen der Volljährigkeit.
Am 25. Juli 1605 wurde Leopold, weiterhin ohne Priesterweihe, Nachfolger des Passauer Bischofs Urban von Trenbach. In Passau leitete er Reformen nach den Beschlüssen des Konzils von Trient ein und stieß dabei auf starken Widerstand der Protestanten. Er wandte sich auch gegen die Entscheidung Erzherzog Matthias’, der seinen protestantischen Untertanen in Österreich 1609 Religionsfreiheit gewährt hatte. Außerdem bekämpfte Leopold das seiner Ansicht nach unmoralische Leben von Geistlichen und bestand besonders streng auf der Einhaltung des Zölibats. 1607 wurde er auch in Straßburg Nachfolger des Kardinals Karl von Lothringen und begann dort ebenfalls mit umfassenden Reformen.
Bei der Durchsetzung der Gegenreformation stützte sich Leopold vor allem auf die Jesuiten, die er großzügig förderte. 1611 holte er sie nach Passau und half ihnen beim Aufbau eines Kollegs. Dort richtete er 1622 theologische Lehrveranstaltungen ein und verband sie mit dem Jesuitenkolleg, wodurch der Grundstein für eine örtliche Universität gelegt wurde. Auch in Molsheim unterstützte er die Jesuiten und ließ 1614 eine Kirche für ihr Kolleg errichten. 1617 erhielt dieses Kolleg mit päpstlicher Zustimmung den Rang einer katholischen Universität, die ein Gegengewicht zum lutherischen Gymnasium der Stadt bilden sollte. Später förderte Leopold auch den Bau einer Jesuitenkirche in Innsbruck. Von 1614 bis 1626 leitete er außerdem die Abteien Murbach und Lüders und reformierte sie 1623 nach dem Vorbild der Abtei Maur. Im Straßburger Bistum hob er sieben Benediktinerklöster auf und ordnete die verbliebenen Klöster einer Gemeinschaft unter seiner unmittelbaren Leitung zu.
Leopolds kirchliche Laufbahn war eng mit der Reichspolitik verbunden. Er lebte am Hof Rudolfs II., der ihn sogar als möglichen Nachfolger auf den böhmischen und deutschen Thronen fördern wollte. Nach dem Tod des letzten Herzogs von Jülich-Kleve-Berg 1609 kam es zu einem Streit um dessen Erbe. Im Auftrag Rudolfs II. besetzte Leopold mit Unterstützung der Katholischen Liga die Festung Jülich. Die protestantischen Erben schlossen sich daraufhin zur Evangelischen Union zusammen und eroberten die umstrittenen Gebiete zurück. Im September 1610 musste Leopold Jülich verlassen und sich von Straßburg nach Passau zurückziehen.
Auch während des sogenannten Bruderzwists zwischen Rudolf II. und Matthias stand Leopold auf der Seite des Kaisers. Die von ihm nach Böhmen entsandten Söldner erwiesen sich jedoch als Belastung: Wegen schlechter Bezahlung plünderten sie Prag und die Umgebung. Dadurch wandten sich breite gesellschaftliche Schichten endgültig gegen Rudolf II. und unterstützten Matthias, dessen Krönung zum böhmischen König der Kaiser im Mai 1611 schließlich hinnehmen musste.
Nach Rudolfs Tod wurde Matthias Kaiser. Leopold geriet zunächst in eine schwierige Lage, versöhnte sich aber bald mit seinem Bruder. 1613 wurde ihm sogar die russische Krone angeboten, nachdem russische Gesandte um Unterstützung im Krieg gegen die polnisch-litauische Adelsrepublik gebeten hatten. Leopold erklärte sich bereit, doch als die kaiserliche Gesandtschaft Moskau erreichte, war Michail Romanow bereits zum Zaren gewählt worden. Matthias bestimmte später Leopolds älteren Bruder Ferdinand zu seinem Erben; dieser wurde 1619 als Ferdinand II. Kaiser. Im selben Jahr starb auch Leopolds Vetter Maximilian III., der als Statthalter in Tirol gewirkt hatte.
Ferdinand II. ernannte Leopold 1619 zum Statthalter von Tirol und zum Erzherzog von Oberösterreich. Zusätzlich erhielt er das Amt des Statthalters von Wien. Während des Dreißigjährigen Krieges sorgte Leopold in Abwesenheit des Kaisers für die Sicherheit der Stadt, die von einem protestantischen Heer bedroht wurde. Zwischen 1621 und 1623 versuchte er, in Graubünden eine Gegenreformation durchzusetzen, musste diese Pläne jedoch unter dem Druck Frankreichs, Savoyens, Venedigs und der Schweizer Eidgenossenschaft aufgeben.
In den Jahren 1622 und 1623 verhandelte Leopold mit Ferdinand II. über ein eigenes erbliches Herrschaftsgebiet. Dafür gab er seine geistlichen Ämter auf und begründete eine habsburgische Nebenlinie. 1623 übertrug ihm der Kaiser zwei Drittel Ober- und Südwestösterreichs zur erblichen, ein weiteres Drittel zur lebenslangen Herrschaft. Im Gegenzug verzichtete Leopold auf ihm zustehende Einkünfte aus den Königreichen Ungarn und Böhmen sowie aus anderen österreichischen Gebieten und erkannte den Vorrang des Kaisers innerhalb des Hauses an. 1626 legte er die Fürstbistümer Passau und Straßburg zugunsten seines Vetters Leopold Wilhelm nieder.
Am 24. September 1630 vereinigte Leopold die Grafschaft Tirol und Südwestösterreich endgültig mit seinen Besitzungen und regierte diese Länder unter dem Namen Leopold V. Seine Politik zur Stärkung der Tiroler Verteidigung ermöglichte es, im Juli 1632 einen Angriff protestantischer Truppen auf die Festung Ehrenberg abzuwehren. Leopold starb am 13. September 1632 in Schwaz an Fieber und wurde in der Jesuitenkirche von Innsbruck beigesetzt.
Am 19. April 1626 hatte er Claudia de’ Medici geheiratet, eine Prinzessin aus dem Haus Medici und Witwe des Herzogs Federico Ubaldo von Urbino. Die Hochzeit auf Schloss Ambras in Innsbruck galt als eines der glanzvollsten Ereignisse ihrer Zeit. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: zwei Söhne und drei Töchter. Die älteste Tochter Maria Eleonora starb bereits als Kleinkind. Karl Ferdinand folgte Leopold 1632 als Graf von Tirol. Isabella Clara heiratete den Herzog Karl II. von Mantua und Montferrat, Sigismund Franz wurde später selbst geistlicher Fürst und Graf von Tirol, und Maria Leopoldina heiratete Kaiser Ferdinand III. Leopold war außerdem Stiefvater von Vittoria della Rovere, der Tochter seiner ersten Ehefrau, die später den Großherzog Ferdinand II. von Toskana heiratete. Die von Leopold begründete Tiroler Habsburgerlinie bestand bis 1665 fort.
Quelle: Լեոպոլդ V Ֆերդինանդ (hy, 9731259). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0