
Bildnachweis
Portrait of Claudia de' Medici
Lorenzo Lippi
http://www.altesses.eu/princes206.php
Bildquelle: File:Claudia de' Medici wearing the coronet of an Archduchess of Austria by Lorenzo Lippi.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Claudia de’ Medici wurde 1604 in Florenz als neuntes Kind und jüngste Tochter des toskanischen Großherzogs Ferdinando I. und seiner Frau Christine von Lothringen geboren. Sie entstammte zwei bedeutenden europäischen Fürstenhäusern. Über ihren Vater war sie eine Enkelin Cosimos I. von Toskana und Eleonora Álvarez de Toledo; über ihre Mutter war sie mit dem Haus Lothringen, dem französischen Königshaus und der berühmten Medici-Königin Caterina de’ Medici verbunden.
Ihre Erziehung übernahmen die Nonnen des Klosters Murate in Florenz, wo Claudia bis zu ihrer Heirat lebte. Besonders interessierte sie sich für Malerei und Musik. Sie spielte Harfe und Mandola und entwickelte schon früh eine ausgeprägte Neigung zu Kunst und höfischer Repräsentation.
Bereits 1608 wurde eine Verbindung zwischen Claudia und Federico Ubaldo, dem Erbprinzen von Urbino, vereinbart. Die offizielle Verlobung fand 1609 statt; ihre Mitgift wurde auf 300.000 Scudi festgelegt. Obwohl der Vertrag später bestätigt wurde, geriet das Heiratsprojekt zeitweise in Gefahr. Großherzog Cosimo II. erwog, Claudia stattdessen mit Kaiser Ferdinand II. zu verheiraten. Der Plan scheiterte jedoch am Widerstand Spaniens und an den hohen Forderungen des Kaisers nach einer größeren Mitgift.
1621 heiratete Claudia schließlich Federico Ubaldo in der Kapelle der Villa Baroncelli. Nach der Zeremonie pilgerte das Paar zu einem als wundertätig verehrten Marienbild in Florenz. Im Mai desselben Jahres reiste Claudia, begleitet von ihrem Bruder, dem Kardinal Carlo de’ Medici, nach Urbino. Wenig später wurde ihr Schwiegervater Francesco Maria II. zugunsten seines Sohnes abgesetzt, wodurch Claudia zur Herzogin von Urbino wurde.
Das Eheleben verlief unglücklich. Federico Ubaldo galt als leichtsinnig und unausgeglichen und widmete sich lieber Vergnügungen als den Staatsgeschäften. Nach der Geburt ihrer einzigen Tochter Vittoria im Jahr 1622 verschlechterte sich die Beziehung weiter. Der Herzog wandte sich anderen Frauen zu, isolierte seine Frau bei Hof und lebte offen mit einer Schauspielerin zusammen. Claudia musste Urbino zeitweise verlassen und nach Pesaro ziehen. Am 28. Juni 1623 wurde Federico Ubaldo nach einer Theateraufführung tot in seinem Bett gefunden. Als Todesursache nannten die Ärzte einen Schlaganfall.
Claudias Mutter drängte auf die Rückkehr der verwitweten Herzogin nach Florenz. Claudia nahm ihre Tochter und die ihr verbliebene Mitgift mit und ließ sich im Kloster Santa Maria della Croce nieder, ohne auf ein gesellschaftliches Leben zu verzichten. Bereits im September 1623 wurde Vittoria mit ihrem Cousin, dem toskanischen Großherzog Ferdinando II., verlobt. Die Ehe wurde 1633 geschlossen.
1625 hielt Erzherzog Leopold V., Graf von Tirol, um Claudias Hand an. Bei ihrem ersten Treffen in Florenz erschien er ihr zwar wenig anziehend, doch sie schätzte seine gute Erziehung und Bildung. Wegen ihrer engen verwandtschaftlichen Beziehungen und Leopolds früherer geistlicher Laufbahn musste zunächst eine päpstliche Genehmigung eingeholt werden. Nach Abschluss des Ehevertrags reiste Claudia 1626 mit einem großen Gefolge nach Tirol. Vierzig Wagen transportierten wertvolle Kleidung und Wandteppiche; sogar ein Geburtsstuhl gehörte zur Ausstattung der Braut.
Die Hochzeit mit Leopold V. fand im April 1626 auf Schloss Ambras bei Innsbruck statt. Das Paar hatte fünf Kinder. Zwei Töchter starben jung beziehungsweise im Kindesalter, während Ferdinand Karl und Sigismund Franz später die Herrschaft in Tirol übernahmen. Die jüngste Tochter Maria Leopoldina heiratete 1648 Kaiser Ferdinand III. Claudia verband durch die Ehen ihrer Kinder den Innsbrucker Hof mit den Fürstenhäusern in Wien, Florenz und Mantua.
Mit Claudia kamen zahlreiche Toskaner nach Innsbruck: Adlige, Dichter, Musiker, Maler und Architekten. Sie veranstaltete Bälle und Theateraufführungen und förderte besonders die Musik. Viele österreichische Höflinge kritisierten ihren aufwendigen Lebensstil. Zugleich verwandelte sie das damals eher provinzielle Innsbruck in ein bedeutendes Zentrum barocker Kultur.
Nach Leopolds Tod im September 1632 übernahm Claudia die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn Ferdinand Karl. Sie stand einem fünfköpfigen Regentschaftsrat vor und regierte Tirol sowie Vorderösterreich bis 1646, zunächst unter Kaiser Ferdinand II. und anschließend unter Ferdinand III. Eine wichtige Rolle spielte der Jurist und Kanzler Wilhelm Biener, der zu ihren Vertrauten gehörte, während am Hof zugleich rivalisierende politische Gruppen um Einfluss kämpften.
Claudias Regierung fiel in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Sie unterstützte das Kaiserhaus und Spanien und versuchte, die Besitzungen der Tiroler Grafen zu vergrößern. Sie ließ die Festungen Ehrenberg, Kufstein und Scharnitz verstärken. Mehrfach wurden unter ihrer Führung Angriffe auf die Festung Hohentwiel unternommen, die jedoch erfolglos blieben. 1636 besetzte sie mehrere Gebiete des Herzogtums Württemberg, darunter Achalm, Göppingen und Blaubeuren, und begann dort mit der Wiederherstellung katholischer Strukturen. Nach dem Westfälischen Frieden mussten diese Gebiete zurückgegeben werden, doch Claudia hielt bis zu ihrem Tod an ihren Ansprüchen fest. Auch Forderungen in Oberschwaben und im Elsass scheiterten. In Bozen und Trient konnte sie dagegen die Stellung Tirols stärken.
Innenpolitisch strebte Claudia danach, die Macht des Tiroler Grafenhauses zu festigen und den Einfluss konkurrierender Hofparteien einzuschränken. Ihre Regierungszeit war allerdings von wiederkehrenden Finanzproblemen geprägt. Sie förderte Handel und Gewerbe, gründete 1635 in Bozen eine Messe und eine Handelskammer mit deutscher und italienischer Beteiligung und unterstützte Fischerei sowie Seidenraupenzucht. In Innsbruck ließ sie Straßen pflastern, die Stadtreinigung verbessern und Maßnahmen gegen Brände und Epidemien ergreifen. Prostitution war streng verboten; zugleich kam es zu Hexenprozessen.
Religiös war Claudia eine überzeugte Unterstützerin der Gegenreformation. Sie förderte Kapuziner und Jesuiten, verband ausgeprägte Frömmigkeit jedoch mit einer großen Vorliebe für Luxus und höfische Pracht. Ihre Toleranz gegenüber Juden und Protestanten blieb gering.
Auch nach dem Ende ihrer Regentschaft übte Claudia weiterhin erheblichen Einfluss auf die Politik Tirols aus. Sie starb im Dezember 1648 nach kurzer Krankheit in Innsbruck; als Todesursache wurde Wassersucht angegeben. Ihre letzte Ruhestätte fand sie in der Jesuitenkirche der Stadt. Mehrere zeitgenössische Porträts erinnern an sie. Außerdem wurde Claudia im 19. Jahrhundert als eine der Hauptfiguren in einem historischen Roman über die Tiroler Regentschaft dargestellt und erscheint in Karl Anrathers Gemälde „Kanzler Biener im Tiroler Landtag“.
Quelle: Клаудия Медичи (ru, 147214685). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0