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Charles I (Chronica Hungarorum)
János Thuróczy
Chronica Hungarorum
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Biografie
Karl I. von Ungarn, meist Karl Robert genannt, wurde 1288 in Neapel als Caroberto geboren und starb am 16. Juli 1342 in Visegrád. Er stammte aus dem Haus Anjou und war der erstgeborene Sohn Karls Martell von Anjou und der Habsburgerin Klemencia. Über seine Großmutter Maria von Neapel war er mit dem ungarischen Arpadenhaus verbunden; König Stephan V. von Ungarn war sein Urgroßvater. Diese Abstammung begründete seinen Anspruch auf den ungarischen Thron.
Nach dem Tod König Andreas’ III. im Jahr 1301 wurde Karl zum Anwärter auf die Krone. Er landete bereits im August 1300 in Spalato und gewann zunächst die Unterstützung mehrerer südungarischer Adelsfamilien, darunter der Šubić, Babonić und Frangepán, sowie des mächtigen Ugrin Csák. Auch Papst Bonifatius VIII. und die Habsburger standen hinter ihm. Karls erste Krönung in Esztergom im Frühjahr 1301 erfolgte jedoch mit einer eigens hergestellten Krone und wurde von der Mehrheit der ungarischen Stände nicht anerkannt. Stattdessen wählten viele Adlige den böhmischen Prinzen Wenzel, der im August desselben Jahres mit der Heiligen Krone gekrönt wurde.
Damit begann ein jahrelanger Kampf um die Herrschaft. Karl verfügte anfangs nur über geringe militärische Mittel und musste sich in den Süden des Landes zurückziehen. Sein wichtigster Gegenspieler war der mächtige Magnat Matthäus Csák, der seine eigene territoriale Herrschaft aufbaute und seine Unterstützung wechselte, sobald es seinen Interessen entsprach. Weitere einflussreiche Fürsten wie die Kőszegi, Kán László und die Aba übten in großen Teilen des Landes nahezu unabhängige Macht aus. Karl richtete 1303 in Temesvár seinen Hof ein und stützte sich zunehmend auf ungarische Adlige, die unter der Willkür der Territorialherren litten. Zu seinen späteren militärischen und politischen Helfern gehörten unter anderem Demeter Nekcsei, Dózsa von Debrecen, Tamás Szécsényi und Philipp Drugeth.
Die päpstliche Unterstützung blieb für Karls Aufstieg entscheidend. Kardinal Gentilis kam 1308 als päpstlicher Legat nach Ungarn und versuchte, die rivalisierenden Magnaten zu einer Anerkennung Karls zu bewegen. Ein vorübergehendes Abkommen mit Matthäus Csák führte dazu, dass Karl im November 1308 auf einer Reichsversammlung als König anerkannt wurde. Im Juni 1309 folgte eine zweite Krönung in Buda, doch auch sie entsprach nicht allen traditionellen rechtlichen Voraussetzungen. Erst nachdem der siebenbürgische Woiwode Kán László die Heilige Krone herausgegeben und Karl als rechtmäßigen Herrscher anerkannt hatte, wurde Karl am 27. August 1310 in Székesfehérvár zum dritten Mal gekrönt. Diese Krönung erfüllte nun alle herkömmlichen Bedingungen.
Danach begann Karl, die Macht der Territorialherren systematisch zu brechen. 1312 besiegte er die mit den Abas verbündeten Gegner in der Schlacht bei Rozgony. In den folgenden Jahren unterwarf er die Gebiete der Aba, Borsa und Ákos und schwächte auch die Kőszegi. Matthäus Csák blieb zunächst der stärkste Gegner. Karl konnte ihm mehrere Burgen entreißen, doch große Teile des nordungarischen Gebiets gerieten erst nach Csáks Tod 1321 unter königliche Kontrolle. Bis 1323 war die königliche Herrschaft im Land weitgehend wiederhergestellt. In diesem Jahr verlegte Karl seine Residenz von Temesvár nach Visegrád, das zu seinem wichtigsten politischen Zentrum wurde.
Karl baute die königliche Macht auf neue Weise auf. Anstelle großer, erblich verliehener Landgüter vergab er sogenannte Honorämter. Ihre Inhaber verwalteten Burgen und königliche Einnahmen, konnten diese Würden jedoch nicht vererben und jederzeit abgesetzt werden. Dadurch blieb die politische Macht vom König abhängig. Zugleich entstand eine neue Aristokratie aus treuen ungarischen und aus Neapel stammenden Gefolgsleuten. Familien wie die Szécsényi, Lackfi, Drugeth, Báthori und Nekcsei gewannen in dieser Zeit an Bedeutung.
Besonders erfolgreich war Karls Wirtschafts- und Finanzpolitik. Gemeinsam mit seinem Schatzmeister Demeter Nekcsei stärkte er die königlichen Einkünfte aus Bergbau, Münzwesen, Zöllen und Steuern. 1325 ließ er nach florentinischem Vorbild Goldgulden prägen. Später führte er ein kombiniertes Gold-Silber-Währungssystem ein und stabilisierte den Silberdenar. Die Förderung von Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Salz und Blei nahm zu. Ein großer Teil der Edelmetallproduktion Europas stammte aus dem Königreich Ungarn. Durch eine neue Außenhandelsabgabe, den Dreißigstzoll, und durch Handelsabkommen mit Böhmen und Polen förderte Karl den Fernhandel. 1335 organisierte er in Visegrád ein Treffen mit dem böhmischen König Johann und dem polnischen König Kasimir, bei dem politische Konflikte beigelegt und neue Handelswege vereinbart wurden.
Auch außenpolitisch bemühte sich Karl um ein Bündnissystem gegen die Habsburger und die Vorherrschaft des Heiligen Römischen Reiches. Zeitweise arbeitete er mit den österreichischen Herzögen zusammen, später geriet er mit ihnen in Konflikt. Er unterstützte den polnischen König Władysław Łokietek gegen den Deutschen Orden und schloss 1339 mit dessen Sohn Kasimir einen Erbvertrag. Dieser bildete später die Grundlage dafür, dass Karls Sohn Ludwig auch den polnischen Thron übernehmen konnte. Auf dem Balkan kämpfte Karl gegen Serbien und die Walachei. 1330 erlitt er in der Schlacht von Posada seine schwerste militärische Niederlage, entkam jedoch verkleidet und nur knapp dem Tod.
Karl war viermal verheiratet. Seine erste Ehe mit Maria von Halicz blieb ohne gesicherten Thronerben. Seine zweite Frau Maria von Beuthen starb 1318, ebenso seine dritte Frau Beatrix von Luxemburg, die 1319 bei der Geburt ihres Kindes starb. 1320 heiratete Karl Elisabeth, die Tochter des polnischen Königs Władysław Łokietek. Aus dieser Ehe gingen mehrere Kinder hervor, darunter Ludwig, der 1342 als Ludwig der Große König von Ungarn wurde, sowie Andreas, der als Erbe des Königreichs Neapel vorgesehen war. Einen unehelichen Sohn, Kálmán, ließ Karl später zum Bischof von Raab ernennen.
Karl förderte außerdem die gotische Baukunst, die schriftliche Verwaltung und die Schulen. In seiner Regierungszeit entstanden oder wurden erweitert unter anderem der königliche Palast in Visegrád, das Franziskanerkloster in Sopron und die Burg von Diósgyőr. 1326 gründete er den Sankt-Georgs-Ritterorden. Obwohl er seine Herrschaft ursprünglich mit Hilfe des Papstes errungen hatte, begrenzte er später den Einfluss der Bischöfe und beanspruchte weitgehende Kontrolle über kirchliche Ämter und Besitzungen.
Karl I. starb 1342 in Visegrád. Nach mehrtägigen Trauerfeiern wurde er in der Krönungsbasilika von Székesfehérvár beigesetzt. Er hinterließ seinem Sohn Ludwig ein politisch geeintes, wirtschaftlich gestärktes und militärisch bedeutendes Königreich. Damit gilt seine Regierungszeit als entscheidende Grundlage für die Blüte der ungarischen Monarchie im 14. Jahrhundert.
Quelle: I. Károly magyar király (hu, 29216639). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0