Person

Gaston d’Orléans, comte d’Eu

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Geburt

  1. 28.04.1842

Tod

  1. 28.08.1922

Porträt von Gaston d’Orléans, comte d’Eu
Bildnachweis

Gaston Count of Eu

Alberto Henschel

CD Família Imperial

Bildquelle: File:Gaston Count of Eu.jpg · Lizenz: Public domain

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Biografie

Gastão de Orléans, Graf d’Eu, wurde am 28. April 1842 im Schloss Neuilly bei Paris als Louis Philippe Marie Ferdinand Gaston d’Orléans geboren. Er war der älteste Sohn des Prinzen Louis, Herzogs von Nemours, und der Prinzessin Viktoria von Sachsen-Coburg-Koháry sowie ein Enkel des französischen Königs Louis-Philippe I. Damit gehörte er dem Haus Orléans an, einem jüngeren Zweig der Bourbonen. Nach dem Sturz seines Großvaters in der Revolution von 1848 musste die Familie Frankreich verlassen. Gastão war damals fünf Jahre alt und wuchs fortan im britischen Exil auf, vor allem im von Königin Viktoria zur Verfügung gestellten Claremont House bei London. Er erhielt eine sorgfältige Ausbildung bei privaten Lehrern und lernte neben Französisch auch Latein, Englisch, Deutsch und Portugiesisch. Im Alter von dreizehn Jahren begann er seine militärische Laufbahn. Auf Anregung seines Onkels, des Herzogs von Montpensier, ging er nach Spanien und besuchte dort die Militärakademie von Segovia. Seine Ausbildung schloss er mit dem Rang eines Hauptmanns ab. 1857 verlor er seine Mutter. Durch seine weit verzweigte Familie war Gastão mit zahlreichen europäischen Herrscherhäusern verbunden, unter anderem mit der britischen Königin Viktoria, dem portugiesischen König Ferdinand II. und dem belgischen König Leopold II. Seine erste Kriegserfahrung sammelte Gastão im Spanisch-Marokkanischen Krieg. Als junger Offizier nahm er an den Kämpfen gegen die marokkanischen Truppen teil und kehrte nach dem Ende des Konflikts 1860 mit militärischem Ansehen und mehreren Auszeichnungen nach Spanien zurück. Wenige Jahre später wurde ihm eine Ehe mit einer Tochter des brasilianischen Kaisers Pedro II. vorgeschlagen. Gastão erklärte sich bereit, nach Brasilien zu reisen, wollte seine mögliche Braut jedoch zunächst persönlich kennenlernen. Am 2. September 1864 traf er gemeinsam mit seinem Cousin, Prinz Ludwig August von Sachsen-Coburg und Gotha, in Rio de Janeiro ein. Zunächst war Gastão der Prinzessin Leopoldina versprochen, während sein Cousin die ältere Schwester Isabel heiraten sollte. Kaiser Pedro II. änderte jedoch nach dem Kennenlernen der beiden jungen Männer die Verbindung: Gastão, der älter und reifer wirkte, sollte Isabel heiraten. Die Hochzeit fand am 15. Oktober 1864 statt. Kurz nach seiner Ankunft war Gastão mit dem Großkreuz des Kaiserlichen Kreuzordens ausgezeichnet und zum Ehrenpräsidenten des Brasilianischen Historischen und Geografischen Instituts vorgeschlagen worden. Bald wurde der Krieg gegen Paraguay zum Mittelpunkt seines Lebens. Während Gastão und Isabel sich auf Europareise befanden, drangen paraguayische Truppen in brasilianische Gebiete ein. Pedro II. rief seinen Schwiegersohn 1865 nach Brasilien zurück und entsandte ihn nach Uruguaiana, wo brasilianische, argentinische und uruguayische Truppen eine paraguayische Besatzung eingeschlossen hatten. Am 19. November 1865 wurde Gastão zum Generalinspekteur der Artillerie und zum Vorsitzenden einer Kommission zur Verbesserung des Heeres ernannt. Zweimal bat er darum, unmittelbar an den Kämpfen teilnehmen zu dürfen, doch der Staatsrat lehnte dies zunächst ab. Man fürchtete, seine Anwesenheit könne im Ausland als Zeichen brasilianischer Eroberungsabsichten verstanden werden. Außerdem hielt man es für unpassend, den Ehemann der Thronerbin einem argentinischen Oberbefehlshaber unterzuordnen. Als der bisherige alliierte Oberbefehlshaber, der Herzog von Caxias, 1869 zurücktrat, wurde Gastão dennoch mit nur 27 Jahren zu dessen Nachfolger ernannt. Im Einsatz reorganisierte er die brasilianische Armee und entließ Offiziere, denen Plünderungen vorgeworfen wurden. Er setzte unterschiedliche taktische Methoden ein und nahm selbst an mehreren Schlachten teil, darunter an der blutigen Schlacht von Acosta Ñu. Zeitgenossen bescheinigten ihm strategisches Geschick, Geduld und persönliche Tapferkeit. Gastão befürwortete außerdem die endgültige Abschaffung der Sklaverei in Paraguay, die er mit Zustimmung des Kaisers am Ende des Krieges anordnete. Zugleich geriet er wegen der von Untergebenen angeordneten Hinrichtungen paraguayischer Gefangener in die Kritik. Als sich der Krieg trotz seiner Erschöpfung und der schlechten Versorgungslage weiter hinzog, verfiel er in eine schwere Niedergeschlagenheit und zog sich teilweise aus der Führung zurück. Der Konflikt endete am 1. März 1870 mit dem Tod des paraguayischen Diktators Francisco Solano López. Bei seiner Rückkehr nach Brasilien wurde Gastão als Held gefeiert und in den Staatsrat berufen. Mit Isabel entwickelte er im Laufe der Ehe eine enge und liebevolle Beziehung. Das Paar hatte zunächst Schwierigkeiten, Kinder zu bekommen, und verlor 1874 eine Tochter, Luísa Vitória, kurz nach deren Geburt. Danach wurden vier weitere Kinder geboren: Pedro de Alcântara 1875, Luís 1878 und Antônio 1881; die Familie nannte sie liebevoll „Baby“, „Luís“ und „Totó“. Gastão unterstützte Isabel besonders während ihrer Ängste und Depressionen nach dem Verlust der ersten Tochter. Gemeinsam legten die Eltern Wert auf eine einfache Erziehung. Ihre Söhne besuchten zunächst eine Schule in Petrópolis und später das Colégio Pedro II. Als Erzieher wählten die Eltern unter anderem Ramiz Galvão, einen republikanischen und positivistischen Gelehrten, was Gastãos Bereitschaft zeigte, Fähigkeiten über politische Überzeugungen zu stellen. Als Prinzgemahl wollte Gastão sich aktiv an der Entwicklung Brasiliens beteiligen. Kaiser Pedro II. ließ ihn und Isabel jedoch weitgehend von staatlichen Entscheidungen fernhalten. Diese Zurücksetzung führte zeitweise zu erheblichen Spannungen zwischen Gastão und seinem Schwiegervater. Schließlich widmete sich Gastão stärker militärischen Reformen, Bildungsfragen, Bibliotheken, Waisenhäusern und wohltätigen Einrichtungen. Gemeinsam mit Isabel unterstützte er Opern und Konzerte, deren Einnahmen sozialen Zwecken zugutekamen. Außerdem bereiste er weite Teile Brasiliens und besuchte Regionen im Süden, Norden, Nordosten und im Landesinneren. Seine große Reise durch den Norden und bis an die Grenze zu Peru im Jahr 1889 wurde als Zeichen dafür gesehen, dass die Monarchie dort weiterhin Unterstützung besaß. Trotz seines Einsatzes blieb Gastão in Brasilien äußerst unpopulär. Republikanische Politiker und Zeitungen machten ihn zum Sündenbock für viele Missstände. Sein französischer Akzent, seine zunehmende Schwerhörigkeit und seine europäische Herkunft verstärkten den Eindruck, er sei ein fremder Einfluss auf Isabel. Gegen ihn wurden auch haltlose Anschuldigungen erhoben. Er selbst beklagte, für alles verantwortlich gemacht zu werden, obwohl er kaum politische Entscheidungsbefugnis besaß. Sein Rückzug aus der Öffentlichkeit verbesserte sein Ansehen nicht. Selbst sein schlichtes Familienleben und seine Beschäftigung mit der Erziehung der Kinder wurden verspottet. Nach der Ausrufung der Republik 1889 ging Gastão mit Isabel und den Kindern ins Exil nach Portugal und blieb anschließend in Europa. 1909 bemühte er sich angesichts der bevorstehenden dynastischen Verzichtserklärung seines ältesten Sohnes um eine besondere Bezeichnung für seine Familie als Prinzen von Orléans und Braganza. 1921 kehrte er nach Brasilien zurück, um die sterblichen Überreste der ehemaligen Kaiser zurückzuführen. Gastão starb am 28. August 1922 aus natürlichen Ursachen an Bord des Schiffes Massilia während einer weiteren Reise nach Brasilien. Er wurde gemeinsam mit Prinzessin Isabel im Kaiserlichen Mausoleum der Kathedrale von Petrópolis beigesetzt.

Quelle: Gastão de Orléans, Conde d'Eu (pt, 72957163). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0