Biografie
Christiane, auch Christine von Lothringen genannt, wurde am 16. August 1565 in Bar-le-Duc geboren. Sie war die zweite Tochter des Herzogs Karl III. von Lothringen und seiner Frau Claudia von Valois, einer Tochter des französischen Königs Heinrich II. und Katharina de’ Medicis. Ihren ursprünglichen Vornamen „Chrestienne“ erhielt sie zu Ehren ihrer Patin und Großmutter Cristierna von Dänemark. Im Lauf ihres Lebens setzte sich jedoch zunehmend die lateinische Form „Christiana“ und später „Cristina“ durch. Diese Namensentwicklung spiegelte nicht nur ihre Anpassung an das italienische Umfeld wider, sondern auch ihre zunehmende Identifikation mit der heiligen Christina von Bolsena.
Als Christiane zehn Jahre alt war, starb ihre Mutter 1575 an den Folgen einer schweren Geburt. Daraufhin wurde sie am französischen Hof in Paris von ihrer Großmutter Katharina de’ Medici erzogen. Zwischen beiden entwickelte sich ein enges Vertrauensverhältnis, und Katharina prägte ihre Enkelin nachhaltig. Als Christiane ins heiratsfähige Alter kam, wurden verschiedene mögliche Ehemänner erwogen. Dazu gehörten François-Hercule de Valois, ein Sohn Katharinas, Vincenzo I. Gonzaga, Herzog von Mantua, und Karl Emanuel I. von Savoyen. Auch eine Verbindung mit dem schottischen König Jakob VI. wurde am französischen Hof diskutiert. König Heinrich III. wollte sie zudem mit seinem Günstling Jean Louis de Nogaret de La Valette, dem Herzog von Épernon, verheiraten, stieß damit jedoch auf den entschiedenen Widerstand Katharinas. Später wurde sogar behauptet, Katharina habe Heinrich von Navarra vorgeschlagen, seine Ehe mit ihrer Tochter Margarete annullieren zu lassen, um eine Heirat mit Christiane zu ermöglichen.
Nach langen Verhandlungen, die Katharina de’ Medici gemeinsam mit Orazio Rucellai führte, fiel die Entscheidung schließlich zugunsten Ferdinando I. de’ Medicis, des Großherzogs der Toskana. Der Ehevertrag wurde am 24. Oktober 1588 aufgesetzt und nach Katharinas Tod rückwirkend am 20. Februar 1589 unterzeichnet. Christiane erhielt eine außergewöhnlich hohe Mitgift von 200.000 Goldécu sowie sämtliche Florentiner Besitzungen ihrer Großmutter. Katharina hatte sie außerdem testamentarisch zur Haupterbin bestimmt. Dadurch gelangten bewegliche Güter und Kunstwerke im Wert von rund zwei Millionen Livres an Christiane, darunter die berühmten Valois-Tapisserien, die sie an den Hof der Medici nach Florenz brachte.
Die Hochzeit per Stellvertretung fand am 8. Dezember 1588 in der Kapelle Saint-Calais des Schlosses Blois statt. Ihre Reise nach Italien verzögerte sich wegen der Kämpfe während der Hugenottenkriege und wegen des Todes Katharinas im Januar 1589. Im März brach Christiane schließlich auf. Sie reiste von Blois über Lyon, Avignon und Aix-en-Provence nach Marseille, wo sie am 11. April ein florentinisches Schiff bestieg. Über Monaco und Genua gelangte sie nach Livorno. Nach einem kurzen Aufenthalt in Pisa traf sie am 28. April in Poggio a Caiano erstmals persönlich auf ihren Ehemann. Zwei Tage später zog sie unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Florenz ein. Vor den Stadttoren war sie in einer aufwendigen Zeremonie offiziell gekrönt worden.
Die Hochzeit wurde mit mehrwöchigen Festlichkeiten gefeiert. Auf dem Programm standen Bankette, Triumphzüge, Turniere, Volksbelustigungen und zahlreiche Theateraufführungen. Zu den aufgeführten Werken gehörten die Komödie „La Pellegrina“ von Girolamo Bargagli und das Stück „La pazzia di Isabella“ aus der Commedia dell’arte. Im Innenhof des Palazzo Pitti wurde sogar eine antike Seeschlacht inszeniert. Besonders bedeutend waren die musikalisch-szenischen Zwischenspiele zu „La Pellegrina“, die heute als wichtige Meilensteine der Theater- und Bühnentechnik gelten.
Als Großherzogin nahm Christiane zunächst nur begrenzt Einfluss auf die politischen Entscheidungen ihres Mannes. Mit der Zeit bezog Ferdinando I. sie jedoch immer stärker ein. Christiane unterstützte eine frankreichfreundliche Politik der Toskana. In diesem Zusammenhang stand auch die Ehe von Maria de’ Medici, einer Nichte Ferdinando I., mit dem französischen König Heinrich IV. Christiane begleitete Maria de’ Medici bis nach Marseille.
Nach dem Tod Ferdinando I. im Jahr 1609 gewann Christiane erheblichen Einfluss auf die Regierung. Ihr Sohn Cosimo II. bestieg den Thron, war jedoch wegen seiner angeschlagenen Gesundheit kaum in der Lage, selbst zu regieren. In dieser Zeit trat Christiane als wichtige politische Gestalt hervor. Cosimos früherer Lehrer Galileo Galilei widmete ihr 1615 einen seiner vier Kopernikanischen Briefe. Als Cosimo II. 1621 starb, wurde Christiane gemeinsam mit dessen Frau Maria Magdalena von Österreich zur Regentin für den noch unmündigen Enkel Ferdinando II. bestimmt. Beide Frauen führten das Großherzogtum bis 1628, als Ferdinando II. selbst die Herrschaft übernahm.
Christiane war stark religiös und förderte zahlreiche Klostergründungen und Stiftungen. Zu ihren wichtigen Gründungen gehörten das Monastero della Pace in Florenz und ein Konvent in Pisa. Für ihr religiöses Engagement erhielt sie zweimal die Goldene Rose, 1589 von Papst Sixtus V. und 1593 von Papst Clemens VIII. In ihrem 1630 verfassten Testament bestimmte sie außerdem, dass ihre Ersparnisse als Mitgiften für arme Mädchen verwendet werden sollten. Ihre Verehrung der heiligen Christina von Bolsena zeigte sich unter anderem in der Stiftung einer Statue für den Dom von Pisa und im Sammeln von Reliquien. Im letzten Jahrzehnt ihres Lebens wurde auch eine Florentiner Kirche zu ihren Ehren „Santi Agostino e Cristina“ genannt.
Lange Zeit wurde Christianes Regentschaft als unglücklich und wenig erfolgreich beurteilt. Ihr wurde eine Mitverantwortung für den späteren Niedergang des Großherzogtums zugeschrieben; Kritiker warfen ihr verschwenderischen Luxus und Misswirtschaft vor. Diese seit dem 18. Jahrhundert verbreitete, von einer misogynen Sichtweise geprägte Beurteilung wurde durch neuere Forschungen revidiert. Christiane starb am 19. Dezember 1636 im Alter von 71 Jahren in der Villa Medici in Castello bei Florenz. Aus ihrer Ehe mit Ferdinando I. gingen neun Kinder hervor, darunter Cosimo II., ihr späterer Nachfolger, der Kardinal Carlo sowie Claudia, die durch ihre Ehen mit dem Fürsten von Urbino und einem Erzherzog von Österreich europäische dynastische Verbindungen einging.
Quelle: Christine von Lothringen (de, 270141897). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0