Biografie
Mathilde von Habsburg, auch Mathilde von Österreich genannt, wurde 1253 in Rheinfelden geboren und starb am 23. Dezember 1304 in München. Durch ihre Ehe mit Herzog Ludwig II. wurde sie Herzogin von Bayern. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm sie von 1294 bis 1301 die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn Ludwig, den späteren Kaiser Ludwig IV.
Mathilde war das älteste Kind des deutschen Königs Rudolf I. von Habsburg und dessen erster Ehefrau Gertrud von Hohenberg. Zu ihren Großeltern väterlicherseits gehörten Albrecht IV. von Habsburg und Eduwig von Kyburg, mütterlicherseits Burkhard V. von Hohenberg und Mathilde von Tübingen. Sie hatte zehn jüngere Geschwister. Unter ihnen waren Albrecht I., der später ihrem Vater als deutscher König nachfolgte, Katharina, die Herzog Otto III. von Bayern und späteren ungarischen König Béla V. heiratete, sowie Rudolf II. von Österreich und Judith, die mit dem böhmischen König Wenzel II. verheiratet war. Aus der zweiten Ehe ihres Vaters mit Elisabeth von Burgund gingen keine Halbgeschwister Mathildes hervor.
Am 24. Oktober 1273 heiratete die etwa zwanzigjährige Mathilde in Aachen den vierundvierzigjährigen Herzog Ludwig II. von Bayern, den Sohn Herzog Ottos II. und Agnes’ von der Pfalz. Für Ludwig war sie die dritte Ehefrau. Seine erste Frau, Maria von Brabant, war 1256 nach einem Ehebruchvorwurf hingerichtet worden; seine zweite Frau Anna von Glogau, mit der er drei Kinder gehabt hatte, war 1271 gestorben. Die Hochzeit Mathildes und Ludwigs war politisch motiviert. Sie sollte die Unterstützung des bayerischen Herzogs für die Wahl ihres Vaters zum deutschen König sichern. Am selben Tag wurden Rudolf und Gertrud in Aachen zum König und zur Königin gekrönt, und auch Mathildes Schwester Agnes heiratete dort Herzog Albrecht II. von Sachsen.
Als Mitgift versprach Rudolf seinem Schwiegersohn zunächst mehrere Burgen und Städte, darunter Nürnberg, Ravensburg, Altdorf, Memmingen und Kaufbeuren. Statt der ursprünglich vorgesehenen 10.000 Mark zahlte er schließlich 15.000 Mark Silber. Ludwig überließ Mathilde die Burgen Wolfsburg und Winzigen sowie die Stadt Neustadt; 1274 schenkte Rudolf dem Ehepaar außerdem die Burg Wachenheim. Mathilde und Ludwig hatten fünf gemeinsame Kinder, drei Töchter und zwei Söhne.
Am pfälzischen Hof verfügte Mathilde über eine eigene Hofhaltung mit Haushofmeister, Richter, Notar und eigener Kanzlei. Sie förderte das Dominikanerinnenkloster Altenhohenau. Da ihr Ehemann und ihr Vater politisch eng zusammenarbeiteten und Ludwig häufig am königlichen Hof erschien, reiste Mathilde oft mit ihm. Dadurch konnte sie den Kontakt zu ihrer Mutter und ihren Schwestern aufrechterhalten.
Nach dem Tod Rudolfs im Jahr 1291 wurde Adolf von Nassau zum deutschen König gewählt. Dies missfiel sowohl Mathildes Bruder Albrecht als auch ihrem Ehemann, der Albrecht unterstützte. Um die Verbindung zwischen dem Haus Nassau und Bayern zu stärken, vereinbarten Adolf und Ludwig die Heirat ihrer Kinder Rudolf I. von Bayern und Mathilde von Nassau. Im Zusammenhang mit dieser Vereinbarung musste Mathilde ihre Morgengabe, die in der Umgebung Heidelbergs und am Rhein lag, gegen Besitzungen in Oberbayern und der Oberpfalz eintauschen.
Herzog Ludwig II. starb im Februar 1294 im Alter von 64 Jahren. Danach wurde Mathilde zur Regentin ihres jüngeren Sohnes Ludwig. Das Herzogtum wurde zwischen den Brüdern aufgeteilt: Ludwig erhielt einen Teil, während der bereits erwachsene Erstgeborene Rudolf unter anderem Ingolstadt, Langenfeld und Rietberg bekam. Rudolf beanspruchte als ältester Sohn das Recht, Vormund und Regent seines jüngeren Bruders zu sein. Mathilde widersetzte sich diesem Anspruch und blieb in die Regierungsgeschäfte eingebunden. Mit Unterstützung seiner Mutter und seines Onkels, König Albrechts I., wurde Ludwig 1301 in Oberbayern neben Rudolf Mitregent.
Der Konflikt zwischen Mathilde und Rudolf dauerte jedoch an. 1302 ließ Rudolf seine Mutter festnehmen und nach München bringen. Dort musste sie eine Vereinbarung unterzeichnen, in der sie versprach, sich künftig nicht mehr in die Regierung einzumischen. Kaum hatte sie Bayern verlassen, erklärte Mathilde den Vertrag für ungültig. Sie fand Unterstützung bei ihrem Bruder Albrecht, bei ihrem Sohn Ludwig und bei weiteren Verbündeten. Obwohl sie dafür gesorgt hatte, dass Ludwig teilweise in Wien erzogen wurde und früh politische Verantwortung übernahm, geriet er später selbst in Auseinandersetzungen mit dem Haus Habsburg. Der Streit der Brüder über die Aufteilung ihrer Gebiete führte zu einem Bürgerkrieg, der 1313 durch einen Friedensschluss in München beendet wurde.
Ludwig setzte sich schließlich auch gegen seinen Vetter Friedrich den Schönen durch. Die beiden waren gemeinsam erzogen worden und zunächst miteinander befreundet. Zum Bruch kam es, als Friedrich die Vormundschaft über die jungen Herzöge von Niederbayern, Heinrich XIV., Otto IV. und Heinrich XV., übernahm. Am 9. November 1313 besiegte Ludwig Friedrich in der Schlacht bei Gammelsdorf und zwang ihn, auf die Vormundschaft zu verzichten. Im folgenden Jahr wurde Ludwig nach seinem Sieg über Friedrich bei Mühldorf zum Kaiser gewählt.
Mathilde starb 1304 in München im Alter von etwa 51 Jahren. Sie wurde neben ihrem Ehemann in der Abtei Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck beigesetzt. Ihre Kinder begründeten mehrere bedeutende dynastische Verbindungen. Der älteste Sohn Rudolf wurde Herzog von Oberbayern und Pfalzgraf bei Rhein. Die Töchter Mathilde und Agnes heirateten Herzöge beziehungsweise Fürsten aus den Häusern Braunschweig-Lüneburg, Hessen und Brandenburg. Eine Tochter namens Anna ist möglicherweise nur in späteren Überlieferungen belegt und soll Nonne in Ulm geworden sein. Ihr jüngerer Sohn Ludwig IV. wurde schließlich Herzog von Ober- und Niederbayern sowie Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
Quelle: Matilde de Habsburgo (pt, 69224017). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0