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Ludwig der Bayer
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Biografie
Ludwig IV., genannt Ludwig der Bayer, wurde vermutlich 1282 oder 1286 in München geboren und starb am 11. Oktober 1347 in Puch bei Fürstenfeldbruck. Als Angehöriger des Hauses Wittelsbach war er ab 1314 römisch-deutscher König und wurde 1328 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Seine Regierungszeit war von einem langwierigen Thronstreit, dem tiefen Konflikt mit dem Papsttum und dem Ausbau der wittelsbachischen Macht geprägt.
Ludwig stammte aus einer Familie, die seit dem 12. Jahrhundert zu den Reichsfürsten gehörte und enge Beziehungen zu den Staufern und Habsburgern unterhielt. Sein Vater war Herzog Ludwig II. der Strenge, seine Mutter Mathilde, eine Tochter König Rudolfs von Habsburg. Am Wiener Hof wurde Ludwig gemeinsam mit den Söhnen Herzog Albrechts I. erzogen. Zu seinen Spielgefährten gehörte sein Vetter Friedrich der Schöne, der später sein bedeutendster Rivale werden sollte. Kurz nach dem 14. Oktober 1308 heiratete Ludwig Beatrix aus der schlesischen Linie von Schweidnitz.
Nach dem Tod seines Vaters kam es zwischen Ludwig und seinem älteren Bruder Rudolf zu einem Streit über das Erbe. 1313 einigten sich die Brüder vorübergehend auf eine gemeinsame Regierung in Oberbayern. Im selben Jahr besiegte Ludwig Friedrich den Schönen in der Schlacht bei Gammelsdorf. Dadurch sicherte er seinen Einfluss in Niederbayern, verdrängte die Habsburger aus dem Gebiet und gewann im Reich erhebliches Ansehen.
Nach dem Tod Kaiser Heinrichs VII. wurde Ludwig 1314 zum römisch-deutschen König gewählt, gleichzeitig erhoben die Anhänger der Habsburger Friedrich den Schönen zum Gegenkönig. Beide wurden am 25. November gekrönt, doch bei beiden Wahlen und Krönungen bestanden rechtliche und zeremonielle Zweifel. Der daraus entstandene Thronstreit dauerte mehrere Jahre. Eine entscheidende Wende brachte Ludwigs Sieg über Friedrich in der Schlacht bei Mühldorf am 28. September 1322. Friedrich geriet in Gefangenschaft und wurde auf der Burg Trausnitz festgehalten.
Der militärische Erfolg beseitigte Ludwigs Schwierigkeiten jedoch nicht. Papst Johannes XXII. erkannte seine Herrschaft nicht an und exkommunizierte ihn 1324, weil Ludwig ohne päpstliche Zustimmung den Königstitel führte und in Reichsitalien in politische und kirchliche Angelegenheiten eingriff. Ludwig blieb bis zu seinem Tod im Kirchenbann. Er berief sich in mehreren Appellationen auf seine Wahl durch die Kurfürsten und erklärte sich bereit, seine Sache vor einem Konzil zu rechtfertigen. Der Papst entzog ihm jedoch die königlichen Rechte und drohte auch seinen Anhängern mit Strafen.
Um den Widerstand der Habsburger zu überwinden, schloss Ludwig 1325 mit Friedrich die sogenannte Trausnitzer Sühne. Friedrich verzichtete auf die Krone und erkannte Ludwigs Herrschaft an; im Gegenzug wurde er freigelassen. Kurz darauf vereinbarten beide im Münchner Vertrag sogar ein bis dahin einzigartiges Doppelkönigtum. Sie wollten das Reich gemeinsam regieren und bezeichneten sich symbolisch als Brüder. Das Modell erwies sich jedoch als nicht dauerhaft. Ludwig beendete die Doppelherrschaft 1327, als er Johann von Böhmen anstelle Friedrichs zum Reichsvikar in Italien ernannte.
Von 1327 bis 1330 unternahm Ludwig einen Italienzug. In Mailand wurde er mit der Eisernen Krone zum König der Lombarden gekrönt. Anfang 1328 zog er in Rom ein und wurde dort von Vertretern des römischen Volkes und mehreren Bischöfen zum Kaiser gekrönt. Diese Krönung erfolgte gegen den Willen des Papstes und ohne dessen Beteiligung. Anschließend ließ Ludwig Johannes XXII. absetzen und unterstützte die Wahl des Franziskaners Nikolaus V. zum Gegenpapst. Dieser konnte sich jedoch nicht behaupten und unterwarf sich 1330 wieder Johannes XXII.
Der Konflikt zwischen Kaiser und Papst hatte weitreichende politische Folgen. Gelehrte wie Marsilius von Padua, Wilhelm von Ockham und Lupold von Bebenburg unterstützten Ludwig und stellten den päpstlichen Anspruch auf umfassende weltliche Macht infrage. In den 1330er Jahren entwickelte sich das Reichsverständnis zunehmend in eine säkulare Richtung. Der Kurverein von Rhens und die Frankfurter Gesetze von 1338 betonten, dass die Wahl durch die Kurfürsten zur Herrschaft berechtige und keine päpstliche Zustimmung erforderlich sei. Damit wurden Grundlagen geschaffen, die später in die Goldene Bulle Karls IV. einflossen.
Ludwig baute zugleich seine Haus- und Landesherrschaft aus. 1323 setzte er seinen minderjährigen Sohn Ludwig V. als Markgrafen von Brandenburg ein. Durch Heiraten band er die Wittelsbacher an verschiedene Fürstenhäuser, darunter die Herrscher von Holland-Hennegau, Meißen, Thüringen und Dänemark. 1329 regelte er im Hausvertrag von Pavia die Teilung der wittelsbachischen Besitzungen zwischen der bayerischen und der pfälzischen Linie. 1340 fiel Niederbayern an Oberbayern zurück, sodass Bayern erstmals seit dem 13. Jahrhundert wieder vereinigt war. In Tirol verdrängte Ludwig 1341/42 seinen luxemburgischen Gegner Johann Heinrich und setzte seinen Sohn Ludwig den Brandenburger mit Margarete von Tirol in Verbindung. Später kamen auch Holland, Hennegau, Seeland und Friesland unter seinen Einfluss.
Diese Erfolge verschärften jedoch die Spannungen mit den Fürsten. Ludwig entfernte sich zunehmend von der im 14. Jahrhundert wichtigen Konsensherrschaft und versuchte, seine Söhne stärker abzusichern. Auch seine Auseinandersetzungen mit den Luxemburgern und Habsburgern führten zu wachsendem Widerstand. 1346 wählten mehrere Kurfürsten Karl von Mähren, den späteren Kaiser Karl IV., zum Gegenkönig.
Ludwig starb im Herbst 1347 unerwartet während einer Jagd. Vermutlich erlitt er einen Schlaganfall und stürzte vom Pferd. Er wurde in der Münchner Marienkirche, dem Vorgängerbau der heutigen Frauenkirche, bestattet. Trotz seiner Exkommunikation blieb er in Bayern und bei Teilen der Bevölkerung als rechtmäßiger Herrscher in Erinnerung. Die moderne Forschung bewertet seine Herrschaft differenziert: Ludwig scheiterte zwar an einer dauerhaften Sicherung seiner dynastischen Macht, prägte aber die Entwicklung des Reiches, stärkte die Stellung der Kurfürsten gegenüber dem Papsttum und trieb den Ausbau der wittelsbachischen Herrschaft entscheidend voran.
Quelle: Ludwig IV. (HRR) (de, 266895792). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0