Person
Philippe I. de Bourbon, duc d’Orléans
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Tod
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Bildnachweis
Philippe de France, Duc d'Orléans (1640-1701)
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Bildquelle: File:Philippe de France, Duc d'Orléans (1640-1701).jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Philippe I. de Bourbon-Orléans, Herzog von Orléans, wurde am 21. September 1640 im Schloss Saint-Germain-en-Laye geboren. Er war der zweite Sohn des französischen Königs Ludwig XIII. und Anna von Österreich sowie der jüngere Bruder Ludwigs XIV., des späteren „Sonnenkönigs“. Bei seiner Geburt trug er den Titel Herzog von Anjou und stand unmittelbar hinter seinem Bruder in der Thronfolge. Nach dem Tod Ludwigs XIII. im Jahr 1643 wurde Anna Regentin für den noch minderjährigen Ludwig XIV.; Philippe wuchs damit in einer Zeit politischer Spannungen auf. Der Aufstand der Fronde zwang die königliche Familie zeitweise, Paris zu verlassen, bevor Anna und Kardinal Mazarin ihre Stellung nach mehreren Jahren des Konflikts wieder festigen konnten.
Philippe erhielt eine umfassende Ausbildung in Sprachen, Geschichte, Literatur, Mathematik, Zeichnen und Tanz. Zu seinen Lehrern gehörten François de La Mothe Le Vayer, der auch Ludwig XIV. unterrichtete, sowie der Abbé François-Timoléon de Choisy und der General César de Choiseul du Plessis-Praslin. Seine Mutter förderte bewusst eine auffällige, feminine Selbstdarstellung. Philippe trug schon als Kind weibliche Kleidung und erschien später bei Bällen und Festen mit Schminke und Schmuck. Diese Erscheinung erregte am Hof sowohl Neugier als auch Anstoß, entsprach jedoch einer Politik, die seine Eigenständigkeit sichtbar machen, zugleich aber mögliche Rivalität mit seinem Bruder begrenzen sollte.
Im Herbst 1647 erkrankte Philippe an den Pocken, genas jedoch wieder. Bei der Krönung Ludwigs XIV. am 7. Juni 1654 nahm er eine herausgehobene Rolle ein und setzte seinem Bruder die Krone auf. Als Ludwig XIV. 1658 schwer erkrankte und zeitweise für fast tot erklärt wurde, rückte Philippe vorübergehend ins Zentrum der Aufmerksamkeit, da er im Fall des Todes seines Bruders König geworden wäre. Nach Ludwigs Genesung kehrte er jedoch wieder in die zweite Reihe zurück. 1658 kaufte Philippe das Schloss Saint-Cloud, das er später zu seiner bevorzugten Residenz ausbauen ließ.
Nach dem Tod seines Onkels Gaston d’Orléans im Jahr 1660 erhielt Philippe dessen Herzogtum. Ludwig XIV. verlieh ihm am 10. Mai 1661 offiziell den Titel Herzog von Orléans sowie die damit verbundenen Titel eines Herzogs von Valois und Chartres. Von da an wurde er am französischen Hof als „Monsieur“ bezeichnet, die traditionelle Anrede für den jüngeren Bruder des Königs. Seine Mutter und Mazarin hatten jedoch darauf hingewirkt, seine finanziellen Möglichkeiten einzuschränken, um politische Ambitionen und eine mögliche Konkurrenz zum König zu verhindern. Philippe versuchte später vergeblich, weitere bedeutende Ämter und Territorien zu erhalten.
Trotz seiner begrenzten politischen Rolle erwies sich Philippe als fähiger und mutiger Heerführer. Im Holländischen Krieg zeichnete er sich mehrfach aus. Sein größter Erfolg war der Sieg über Wilhelm III. von Oranien in der Schlacht bei Kassel am 11. April 1677. Philippe wurde für seine militärischen Fähigkeiten gefeiert und zum Generalleutnant befördert. Der Erfolg steigerte jedoch seine Popularität am Hof und beim Heer, was Ludwig XIV. beunruhigte. Der König entfernte ihn schließlich vom militärischen Kommando und hielt ihn fortan von wichtigen politischen Entscheidungen fern. Philippe widmete sich danach vor allem dem höfischen Leben, seinen Besitzungen, Kunstsammlungen und prachtvollen Festen.
Er war ein bedeutender Förderer von Künstlern, Musikern und Theaterleuten. Zu den von ihm unterstützten Künstlern gehörten Jean Nocret und Pierre Mignard, während Musiker wie Lully, Anglebert und Du Mont zu seinem Umfeld zählten. Auch Molière und seine Schauspieltruppe standen unter seinem Schutz. Philippe ließ Saint-Cloud und das Palais-Royal umfassend erneuern. Die Gärten von Saint-Cloud wurden von André Le Nôtre gestaltet; Architekten wie Mansart wirkten an den Umbauten mit. Seine Kunstsammlung bildete später eine Grundlage der berühmten Orleans-Sammlung. Außerdem erhielt er das Recht, den Canal d’Orléans bauen zu lassen, der die Loire mit Orléans verband und dem Warentransport nach Paris diente.
Philippe lebte offen homosexuell und führte zugleich Beziehungen zu Frauen. Zu seinen bekanntesten männlichen Favoriten gehörte der Chevalier de Lorraine, dessen Einfluss wiederholt Spannungen in Philippes Ehen auslöste. 1661 heiratete Philippe seine Cousine Henriette Anne, Prinzessin von England, die Tochter des hingerichteten englischen Königs Karl I. und Henriette Marias. Sie wurde am französischen Hof als „Madame“ bekannt und war wegen ihrer Persönlichkeit sehr beliebt. Die Ehe war jedoch von gegenseitiger Untreue, Eifersucht und Konflikten geprägt. Das Paar hatte vier Kinder, von denen Maria Luisa und Anna Maria das Erwachsenenalter erreichten. Maria Luisa wurde Königin von Spanien, Anna Maria Herzogin von Savoyen und später die erste Königin von Sardinien.
Henriette starb am 30. Juni 1670 im Schloss Saint-Cloud im Alter von 26 Jahren unter ungeklärten Umständen. Zeitgenossen vermuteten eine Vergiftung, während die Untersuchung eine Krankheit als Todesursache nannte. 1671 heiratete Philippe Elisabeth Charlotte von der Pfalz, die zum Katholizismus übertrat. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Alexander Ludwig, der jung starb, Philippe II. d’Orléans, der spätere Regent Frankreichs, und Elisabeth Charlotte, die Herzogin von Lothringen wurde. Nach 1676 lebten Philippe und seine zweite Frau weitgehend getrennt, doch Elisabeth Charlotte blieb eine engagierte Mutter und stand weiterhin mit den Kindern aus Philippes erster Ehe in Verbindung.
In seinen letzten Jahren widmete sich Philippe vor allem seiner Familie. Seine Töchter wurden Königinnen, und seine Nachkommen verbanden das Haus Orléans mit zahlreichen europäischen Herrscherhäusern. Dadurch erhielt er später den Beinamen „Großvater Europas“. Philippe starb am 9. Juni 1701 in Saint-Cloud im Alter von 60 Jahren an einem Schlaganfall. Sein Bruder Ludwig XIV. soll über seinen Tod tief erschüttert gewesen sein. Philippe wurde in der Basilika Saint-Denis beigesetzt; sein Grab wurde während der Französischen Revolution zerstört. Durch seine kluge Verwaltung seines Vermögens stärkte er die Stellung des Hauses Orléans, dessen Begründer innerhalb des bourbonischen Nebenhauses er war.
Quelle: Filippo I di Borbone-Orléans (it, 151175781). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0