Person

Maria Amalia von Neapel-Sizilien

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Geburt

  1. 26.04.1782

Tod

  1. 24.03.1866

Porträt von Maria Amalia von Neapel-Sizilien
Bildnachweis

SchefferMarieAmelie

Ary Scheffer

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Bildquelle: File:SchefferMarieAmelie.jpg · Lizenz: Public domain

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Biografie

Maria Amalia von Bourbon-Sizilien wurde am 26. April 1782 im Königspalast von Caserta als sechstes Kind und vierte Tochter Ferdinands I. von Neapel und Sizilien und seiner Frau Maria Karolina von Österreich geboren. Sie gehörte dem Haus Bourbon-Neapel an und war zugleich mit den Habsburg-Lothringern sowie den Bourbonen Frankreichs und Spaniens verbunden. Von ihren siebzehn Geschwistern erreichten nur sieben das Erwachsenenalter. Zu ihnen gehörten der spätere König Franz I. der beiden Sizilien, Maria Theresia, die letzte Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches und erste Kaiserin von Österreich, sowie Luise Maria Amalia, die Großherzogin der Toskana. Maria Amalia wuchs in der katholischen Tradition auf, die ihr Leben dauerhaft prägen sollte. Ihre Mutter bemühte sich trotz der täglichen Betreuung durch die Gouvernante Vincenza Rizzi um eine enge Beziehung zu ihr. Bereits in ihrer Kindheit wurde eine Ehe zwischen Maria Amalia und Ludwig Joseph, dem Sohn ihrer Tante Marie Antoinette und französischen Thronfolger, in Aussicht genommen. Dieser Plan scheiterte jedoch durch die Ereignisse der Französischen Revolution. Die Hinrichtung Marie Antoinettes und Ludwigs XVI. sowie die politischen Reaktionen ihrer Mutter überschatteten Maria Amalias Jugend. Ihre Eltern schlossen sich 1793 der Ersten Koalition gegen Frankreich an. Nach einer vorübergehenden Friedensphase flammte der Konflikt erneut auf, und die königliche Familie floh am 21. Dezember 1798 auf einem britischen Kriegsschiff aus Neapel nach Sizilien. Nach Napoleons Einmarsch in Neapel im Jahr 1806 blieb sie in Palermo, wo die Familie unter dem Schutz britischer Truppen lebte. Dort lernte Maria Amalia Ludwig Philipp von Orléans kennen, der ebenfalls aus Frankreich verbannt worden war. Sein Vater, Ludwig Philipp II., Herzog von Orléans, war während der Revolution hingerichtet worden, obwohl er die revolutionäre Bewegung zunächst unterstützt hatte. Maria Amalia und Ludwig Philipp heirateten am 25. November 1809 in Palermo. Die Verbindung galt als umstritten, da Maria Amalia die Nichte Marie Antoinettes war und Ludwig Philipp der Sohn jenes Herzogs, dem eine Mitverantwortung für die Hinrichtung der Königin zugeschrieben wurde. Ihre Mutter stand der Ehe zunächst skeptisch gegenüber, stimmte ihr aber zu, nachdem Ludwig Philipp versichert hatte, die politischen Fehlentscheidungen seines Vaters wiedergutmachen zu wollen. In den ersten Ehejahren lebte das Paar unter britischem Schutz im Palazzo d’Orléans in Palermo. Bis 1814 blieb die Familie dort, bevor Maria Amalia mit ihrem Mann nach Frankreich ging. Die kurze Rückkehr Napoleons zwang sie erneut zur Flucht. Wegen ihrer finanziellen Schwierigkeiten, da sie zunächst hauptsächlich von Zahlungen der britischen Krone abhängig waren, konnte die Familie erst 1817 dauerhaft nach Frankreich zurückkehren. Die Orléans bezogen das Palais-Royal, die frühere Residenz von Maria Amalias Schwiegervater, und ließen es mit erheblichem Aufwand wiederherstellen. Als Herzogin von Orléans machte Maria Amalia das Palais-Royal zu einem Mittelpunkt der Pariser Gesellschaft. Sie selbst galt als würdevoll, still und zurückhaltend; als eigentliche Gastgeberin wurde eher ihre Schwägerin Adelaide wahrgenommen. Maria Amalia pflegte weiterhin enge Beziehungen zu ihrer Familie. 1825 traf sie in Chambéry den König und die Königin von Sardinien, und 1830 empfing sie ihren Bruder Franz I. und dessen Frau im Palais-Royal. Nach der Julirevolution von 1830 wurde Ludwig Philipp König der Franzosen, und Maria Amalia erhielt den Titel einer Königin. Sie hatte die Annahme der Krone entschieden abgelehnt und sie als Katastrophe betrachtet. Während des Aufstands hielt sich die Familie auf dem Landgut in Neuilly auf. Adelaide überzeugte Ludwig Philipp jedoch, sich an die Spitze der Opposition gegen die absolutistische Herrschaft Karls X. zu stellen und eine konstitutionelle Monarchie zu vertreten. Als eine Delegation nach Neuilly kam, um ihm die Krone anzubieten, erklärte Maria Amalia, ihr Mann sei ein ehrlicher Mensch und könne sie daher nicht annehmen. Adelaide widersprach und befürwortete die Annahme. Schließlich akzeptierte Ludwig Philipp die Krone, wobei Adelaide offenbar maßgeblich zu seiner Entscheidung beitrug. Maria Amalia empfand den Thronwechsel weiterhin als persönliches Unglück. Sie wollte nicht in einer offenen Staatskutsche nach Paris fahren, weil dies wie ein Triumph gewirkt hätte, und wurde bei ihrer Ankunft mit verweinten Augen gesehen. Gemeinsam mit Adelaide besuchte sie während der Revolution Verletzte und unterstützte sie finanziell. Die Krone brachte ihrer Ansicht nach keinen persönlichen Vorteil, sondern bedrohte das ruhige Familienleben und die Sicherheit der Familie. Aus religiöser Pflicht nahm sie ihre neue Rolle dennoch an. Am 6. August 1830 war sie bei der feierlichen Ausrufung Ludwig Philipps zum König anwesend; eine eigene Krönungszeremonie erhielt sie nicht. Als Königin hielt sich Maria Amalia aus politischen Angelegenheiten weitgehend heraus. Staatsfragen besprach Ludwig Philipp eher mit Adelaide als mit seiner Frau. Maria Amalia wurde vor allem wegen ihres einfachen Lebensstils, ihrer Frömmigkeit und ihrer Wohltätigkeit geschätzt. Der Hof wurde unter Ludwig Philipp bewusst weniger prunkvoll gestaltet und an das Ideal einer wohlhabenden bürgerlichen Familie angelehnt. Maria Amalia widmete sich dem Familienleben, religiösen Übungen und karitativen Aufgaben. Sie beaufsichtigte die Erziehung ihrer Töchter und blieb später auch ihren Schwiegertöchtern eng verbunden. Einen großen Teil ihres persönlichen Einkommens soll sie für Bedürftige verwendet haben, unabhängig von deren politischer oder religiöser Zugehörigkeit. Sie unterstützte zudem die Missions- und Schulprojekte der französischen Ordensfrau Théodore Guérin in den Vereinigten Staaten. Nach einer Überlieferung ließ sie 1840 den ersten Weihnachtsbaum am französischen Hof schmücken. 1843 empfing sie Königin Victoria von Großbritannien im Château d’Eu. Während der Revolution von 1848 wollte Maria Amalia die Monarchie bis zuletzt verteidigen. Sie drängte Ludwig Philipp, selbst den Befehl über die Truppen zu übernehmen, die Nationalgarde zu mobilisieren und den Aufstand in Paris niederzuschlagen. Der König folgte ihrem Rat nicht, sondern dankte zugunsten seines Enkels, des Grafen von Paris, ab. Die Flucht aus den Tuilerien verlief chaotisch; Maria Amalia soll dabei ohnmächtig geworden sein. Sie verließ Frankreich mit Ludwig Philipp, ihrem jüngsten Sohn, mehreren Angehörigen und sechs Enkeln. Nach Aufenthalten in Saint-Cloud, Dreux und Honfleur gelangte das Paar heimlich von Le Havre nach Newhaven. In England fanden Maria Amalia und Ludwig Philipp bei Königin Victoria Aufnahme. Sie lebten bis zu ihrem Tod in Claremont House. Ludwig Philipp starb am 26. August 1850. Maria Amalia führte danach ein zurückgezogenes Leben, blieb religiös aktiv und stand der britischen Königsfamilie nahe. Sie verbrachte ihre letzten Jahre im Kreis vieler Kinder und Enkel. Wegen ihrer zahlreichen königlichen Nachkommen erhielt sie den Beinamen „Großmutter Europas“; zu ihren Enkeln zählten unter anderem Leopold II. von Belgien, die mexikanische Kaiserin Charlotte, Ferdinand I. von Bulgarien und die spanische Königin Mercedes. Maria Amalia hielt bis zuletzt an legitimistischen Überzeugungen fest und unterstützte die Versöhnung zwischen der Familie Orléans und Heinrich, dem Grafen von Chambord, dem Oberhaupt der älteren bourbonischen Linie. Auf ihrem Grab sollte nicht der Titel „Königin der Franzosen“, sondern „Herzogin von Orléans“ verwendet werden. Maria Amalia starb am 24. März 1866 im Alter von 83 Jahren in Claremont House. Sie war die letzte überlebende Enkelin Kaiserin Maria Theresias. Ihrem testamentarischen Wunsch entsprechend wurde sie in dem Kleid bestattet, das sie während der Flucht aus Frankreich im Jahr 1848 getragen hatte.

Quelle: Maria Amalia di Borbone-Due Sicilie (regina dei Francesi) (it, 151517636). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0