Person
Johann Wilhelm
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
1658
19.04.1658
Tod
1716
08.06.1716
1718

Bildnachweis
Portrait of Prince Elector Johann Wilhelm von der Pfalz (1658-1716) label QS:Len,"Portrait of Prince Elector Johann Wilhelm von der Pfalz (1658-1716)" label QS:Lde,"Porträt des Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz (1658-1716)"
Jan Frans van Douven
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Bildquelle: File:Jan Frans van Douven 003.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Johann Wilhelm Joseph Janaz von der Pfalz, weithin unter dem Namen Jan Wellem bekannt, wurde am 19. April 1658 in Düsseldorf geboren und starb dort am 8. Juni 1716. Er entstammte der jüngeren Neuburger Linie des Hauses Wittelsbach. Seine Eltern waren der pfälzische Kurfürst Philipp Wilhelm und Elisabeth Amalia von Hessen-Darmstadt. Über seine Familie war Johann Wilhelm eng mit mehreren europäischen Herrscherhäusern verbunden: Die späteren habsburgischen Kaiser Joseph I. und Karl VI. waren seine Neffen, während zwei seiner Schwestern Königinnen von Spanien und Portugal wurden. Seine Ausbildung übernahmen Jesuiten. 1686 wurde er in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen.
Bereits 1679 überließ ihm sein Vater die Regentschaft über die Herzogtümer Jülich und Berg. Johann Wilhelm führte dabei den Titel Johann Wilhelm II. und machte Düsseldorf zu seinem wichtigsten Aufenthaltsort. Am 2. September 1690 folgte er seinem Vater als Kurfürst von der Pfalz. Wegen der Zerstörungen Heidelbergs im Pfälzischen Erbfolgekrieg residierte er nicht dort, sondern im Düsseldorfer Schloss, das zugleich die Residenz der Herzogtümer Jülich und Berg und das politische Zentrum seines weit verzweigten Herrschaftsverbands war.
Der Pfälzische Erbfolgekrieg prägte seine Regierung. Im Frieden von Rijswijk 1697 erreichte Johann Wilhelm die Rückgabe der von Frankreich besetzten pfälzischen Gebiete. Dafür musste er jedoch hinnehmen, dass die während der französischen Besetzung eingeleitete Rekatholisierung der Pfalz nicht rückgängig gemacht wurde. Als überzeugter Katholik fiel ihm dieses Zugeständnis offenbar leichter als vielen protestantischen Untertanen. In der Pfalz und bei den Protestanten blieb er deshalb weniger beliebt als in Jülich und Berg, wo er durch Bauvorhaben, ein aufwendiges Hofleben und die Förderung von Künstlern und Handwerkern wirtschaftliche und kulturelle Impulse gab.
Besonders stark prägte Johann Wilhelm Düsseldorf. Er ließ das Düsseldorfer Schloss ausbauen und machte die Stadt zu einer bedeutenden barocken Residenz. Das Schloss Schwetzingen diente ihm als Sommerresidenz, während das Jagdschloss Bensberg ebenfalls mit seiner Herrschaft verbunden war. Seine wichtigste kulturelle Leistung war die Gründung der Düsseldorfer Gemäldegalerie. Die Sammlung umfasste vor allem Werke von Peter Paul Rubens und legte den Grundstein für Düsseldorfs spätere Entwicklung zu einer Kunstmetropole. Teile der Bestände aus Düsseldorf und Bensberg gehören heute zum Kernbestand der Alten Pinakothek in München. Zu seinen Hofkünstlern zählten der Maler Jan Frans van Douven und ab 1708 die niederländische Stilllebenmalerin Rachel Ruysch.
Auch die Musik spielte an seinem Hof eine wichtige Rolle. 1696 wurde in Düsseldorf ein bedeutendes barockes Opernhaus eröffnet. Georg Friedrich Händel gastierte mehrfach am kurfürstlichen Hof, und Arcangelo Corelli widmete dem Fürstenpaar seine Concerti grossi op. 6. Johann Wilhelm förderte außerdem die Gründung der Jülich-Bergischen Staatsbank mit Sitz in Köln, die am 2. März 1705 ins Leben gerufen wurde. 1708 erneuerte er den Hubertusorden und übernahm dessen Großmeisterschaft. Die hohen Ausgaben für Hofhaltung, Bauten und Kunst belasteten jedoch seine Finanzen. Zur Finanzierung verpfändete er das Amt Boxberg für 300.000 Gulden an das Hochstift Würzburg.
Im Spanischen Erbfolgekrieg, der 1701 begann, stellte sich Johann Wilhelm früh auf die Seite des Kaisers und schloss sich als erster Reichsfürst der Haager Allianz des Kaisers und der Seemächte gegen Ludwig XIV. an. Für seine Unterstützung erhielt er vorübergehend die vierte Kurwürde, die zuvor Bayern besessen hatte, sowie die Oberpfalz. Von 1707 bis 1714 gelangte außerdem die Oberpfalz mit der Grafschaft Cham wieder in den Besitz der Kurpfalz. Johann Wilhelm pflegte enge Beziehungen zu England und verständigte sich mit dem König von Preußen, indem er auf die Durchsetzung jener Bestimmungen verzichtete, die eine Beseitigung der Rechte der Protestanten in der Pfalz verlangt hätten.
Zu seinem politischen Einfluss kam 1711 eine besondere Reichsfunktion hinzu. Nach dem Tod Kaiser Josephs I. am 17. April nahm Johann Wilhelm gemeinsam mit dem sächsischen Kurfürsten Friedrich August I., dem späteren August dem Starken, bis zur Kaiserkrönung Karls VI. am 22. Dezember in Frankfurt am Main das Amt des Reichsvikars wahr. Er betrachtete es als besondere Ehre, das Reich während der Thronvakanz zu vertreten. Im Frieden von Utrecht 1713 fiel das Gebiet von Erkelenz an sein Herzogtum Jülich. Der Rastatter Frieden von 1714 enttäuschte ihn jedoch, weil seine militärischen und politischen Dienste für Kaiser und Reich sowie seine Vermittlungsbemühungen kaum belohnt wurden. Im Wesentlichen wurde der Vorkriegszustand wiederhergestellt. Die Kurpfalz erhielt wenig und verlor zusätzlich die Erzschatzmeisterwürde, da der neue Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg sie nicht zurückgeben wollte.
Johann Wilhelm war zweimal verheiratet. 1678 heiratete er in Wiener Neustadt Erzherzogin Maria Anna Josepha, eine Tochter Kaiser Ferdinands III. und Eleonora Gonzagas. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, die beide am Tag ihrer Geburt starben, 1683 in Düsseldorf beziehungsweise 1686 in Wien. Seine zweite Ehe schloss Johann Wilhelm 1691 durch Stellvertretung mit Anna Maria Luisa de’ Medici, der Tochter des Großherzogs der Toskana. Diese Verbindung blieb kinderlos. Da er keinen Erben hinterließ, folgte ihm sein jüngerer Bruder Karl III. Philipp, der später nicht mehr am Niederrhein, sondern in Mannheim residierte.
Nach seinem Tod wurde Johann Wilhelm in Düsseldorf beigesetzt. Sein Leichnam kam zunächst in einen prächtigen Sarkophag, den sein Hofbildhauer Gabriel Grupello entworfen und 1717 gegossen hatte. Das Mausoleum des Hauses Pfalz-Neuburg an der heutigen Dominikanerkirche St. Andreas wurde 1716/17 errichtet; später wurden dorthin auch die Särge weiterer Familienmitglieder überführt. Sein Andenken blieb in Düsseldorf und Umgebung lebendig. Auf dem Marktplatz steht ein 1711 von Grupello geschaffenes Reiterstandbild, um das sich zahlreiche Legenden ranken. Straßen, Plätze, Vereine und Veranstaltungen tragen bis heute seinen Namen, darunter der Jan-Wellem-Platz in Düsseldorf und der Jan-Wellem-Pokal beim jährlichen Oldtimer-Festival am Nürburgring.
Quelle: Johann Wilhelm (Pfalz) (de, 266151623). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0