Person
Johann Salvator von Österreich-Toskana
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
25.11.1852
Tod
12.07.1890

Bildnachweis
Erzherzog Johann Salvator von Österreich, 1878
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zvab
Bildquelle: File:Erzherzog Johann Salvator von Österreich, 1878.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Johann Salvator von Österreich-Toskana, auch Erzherzog Johann Salvator und nach seinem Ausscheiden aus dem Haus Habsburg Johann Orth genannt, wurde am 25. November 1852 im Schloss Poggio Imperiale in Florenz geboren. Er entstammte der toskanischen Linie des Hauses Habsburg-Lothringen. Sein Vater war Leopold II., der letzte regierende Großherzog der Toskana, seine Mutter dessen zweite Ehefrau Maria Antonia von Bourbon-Sizilien. Johann Salvator war das jüngste von zehn Kindern aus dieser Ehe. Zu seinen Geschwistern gehörten Ferdinand Salvator, der später als Ferdinand IV. nominell letzter Großherzog der Toskana wurde, der Naturforscher Ludwig Salvator sowie mehrere Schwestern, die in europäische Fürstenhäuser einheirateten. Aus der ersten Ehe seines Vaters hatte er außerdem drei Halbgeschwister.
Seine Kindheit war von einem politischen Umbruch geprägt. 1859, als Johann sieben Jahre alt war, brach in Florenz kurz vor dem Sardinischen Krieg ein auf Österreich gerichteter Aufstand aus. Leopold II. musste abdanken und floh mit seiner Familie. Die Familie ließ sich in Österreich nieder und lebte in Salzburg. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1870 wurde Erzherzog Albrecht, ein erfahrener und konservativer Feldherr, zu Johanns gesetzlichem Vertreter und Vormund bestimmt. Zwischen dem nüchternen Militär und dem fantasievollen, kunstbegeisterten Jugendlichen bestand ein deutlicher Gegensatz.
Johann Salvator begann 1865 als Leutnant seine Laufbahn in der kaiserlich-königlichen Armee. Bereits 1867 wurde er Hauptmann, 1872 Major und 1874 Oberstleutnant. Von 1876 bis 1878 war er als Oberst in Komárom stationiert. 1879 nahm er im Alter von 27 Jahren als Kommandant einer Infanteriebrigade am Feldzug in Bosnien teil. Noch im selben Jahr wurde er zum Feldmarschallleutnant befördert.
Neben seiner militärischen Karriere zeigte Johann früh vielseitige kulturelle Interessen. Er komponierte bereits als junger Mann einen Walzer, der öffentlich von Johann Strauss dem Jüngeren aufgeführt wurde. Dabei trat Johann Salvator unter dem Pseudonym Johann Traunwart auf, während seine wahre Identität geheim gehalten wurde. Für das Ballett „Die Assassinen“ verfasste er den Text und gestaltete selbst eine Szene, in der er gemeinsam mit dem Kronprinzen Rudolf im Wiener Burgtheater den Betrug eines Spiritisten namens Bastian enthüllte.
Mit Rudolf, dem österreichisch-ungarischen Thronfolger, verband ihn eine enge und vertrauliche Freundschaft. Johann Salvator soll Rudolf zu der umfangreichen Buchreihe „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“ angeregt haben. Das reich illustrierte Werk, das zwischen 1887 und 1902 erschien und später als Kronprinzenwerk bekannt wurde, stellte die Länder, Landschaften und Bevölkerungen der Monarchie vor. Johann wirkte daran nicht nur als Anreger, sondern auch als Autor und Redakteur mit.
Er lebte nahe Gmunden in Oberösterreich im Schloss Ort. Wie andere Mitglieder der toskanischen Habsburgerlinie vertrat er progressive, liberale und antiklerikale Ansichten. Diese Haltung brachte ihn zunehmend in Konflikt mit dem Wiener Hof und der kaiserlichen Regierung. 1886 wurde ihm nach dem Tod des bulgarischen Fürsten Alexander die bulgarische Krone angeboten, doch Johann lehnte ab. Im folgenden Jahr schied er aus der kaiserlich-königlichen Armee aus.
Die Selbsttötung Rudolfs im Januar 1889 und der anschließende Versuch des Hofes, die Hintergründe der Tragödie zu verschleiern, erschütterten Johann tief. Er erklärte, freiwillig auf seinen militärischen Rang, seinen Erzherzogstitel, seinen Platz in der Thronfolge und sämtliche damit verbundenen Vorrechte und finanziellen Leistungen verzichten zu wollen. Damit schied er endgültig aus der kaiserlichen Familie aus und nahm den bürgerlichen Namen Johann Orth an. Noch im selben Jahr reiste er mit seiner langjährigen Geliebten Ludmilla, genannt Milli, Stubel nach England. Sie war eine aus einfachen Verhältnissen stammende Balletttänzerin an der Wiener Oper. Dort heirateten sie. Nach den strengen Familienbestimmungen des Hauses Habsburg-Lothringen galt Johann nun als ausgestoßen und durfte nicht mehr in das Gebiet der Österreichisch-Ungarischen Monarchie zurückkehren.
Anschließend wandte er sich der Seefahrt zu. In Hamburg, nach einer anderen Überlieferung in Fiume, erwarb er das Kapitänspatent und kaufte den Handelsschoner beziehungsweise das Handelsschiff „Santa Margherita“. Gemeinsam mit seiner Frau brach er zu einer Weltreise auf. Die erste Etappe führte zur Mündung des Río de la Plata zwischen Uruguay und Argentinien. Danach setzte das Schiff seine Fahrt in Richtung Chile fort. Dort verlor sich die letzte Spur von Johann Orth und seiner Frau.
Die „Santa Margherita“ erreichte ihr Ziel nicht; auch von ihrem Wrack wurde nichts gefunden. Nach den damaligen Untersuchungen war es wahrscheinlich, dass das Schiff am 12. Juli 1890 während eines Wintersturms in der Gegend um Kap Hoorn, möglicherweise nahe Cabo Tres Puntas in Ostpatagonien, unterging. Johann Orth, seine Frau und die gesamte Besatzung dürften dabei ums Leben gekommen sein. Seine Mutter Maria Antonia glaubte jedoch zeitlebens nicht an den Tod ihres Lieblingssohnes und trug keine Trauer um ihn. Erst 1911 wurde Johann Orth offiziell für tot erklärt. Sein Nachlass wurde 1912 und 1913 in Berlin versteigert. Die genauen Umstände seines Verschwindens blieben ungeklärt.
Das rätselhafte Schicksal des ehemaligen Erzherzogs regte zahlreiche Schriftsteller an. Jules Verne gestaltete in der Figur des Sándor Mátyás eine Gestalt, die Ähnlichkeiten mit Johann Salvator und dessen Bruder Ludwig Salvator aufweist. Auch Mór Jókai griff Johanns Geschichte in seinem Roman „Wo das Geld nicht Gott ist“ auf. In András Dékánys Roman „Die verlorene Insel“ wird das Rätsel fiktional gelöst: Dort wird das Schiff von einem österreichischen Kriegsschiff beschossen und versenkt.
2007 sorgten Berichte über ein angebliches norwegisches Gerichtsurteil erneut für Aufsehen. Danach soll Johann Orth unter dem Namen Alexander Hugo Köhler in Norwegen weitergelebt, eine Familie gegründet und erst 1945 dort den Tod gefunden haben. Zwei selbsternannte Nachkommen erhoben daraufhin Ansprüche auf sein Erbe, insbesondere auf Schloss Ort. Sie erklärten sich zunächst zu genetischen Untersuchungen bereit, setzten ihre Forderungen jedoch aus, als sie sich über die erwarteten Kosten einer Exhumierung und DNA-Analyse informierten. Ein gesicherter Nachweis für diese Behauptung wurde nicht erbracht.
Quelle: Habsburg–Toscanai János Szalvátor főherceg (hu, 28540782). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
Eltern
Kinder
Keine geprüften Kinderbeziehungen vorhanden.