
Bildnachweis
Editha, Hilda, Gabrielle, Irmingard and Sophie with Paula von Bellegarde
Unknown author Unknown author
RTL Today: Royal sisters during WWII – from exile to the concentration camps .
Bildquelle: File:Editha, Hilda, Gabrielle, Irmingard and Sophie with Paula von Bellegarde.jpg · Lizenz: Public domain
Für die Darstellung in der Größe angepasst.
Biografie
Irmingard Marie Josepha Prinzessin von Bayern wurde am 29. Mai 1923 in Berchtesgaden als zweites von sechs Kindern des letzten bayerischen Kronprinzen Rupprecht von Bayern und dessen zweiter Ehefrau, Antonia von Luxemburg, geboren. Getauft wurde sie in der Berchtesgadener Stiftskirche; zu ihren Taufpaten gehörte der spätere Papst Pius XII. Ihre Kindheit und Jugend waren eng mit dem Haus Wittelsbach verbunden, der früheren Herrscherfamilie des Königreichs Bayern.
Gemeinsam mit ihren Schwestern Hilda und Gabriele kam Irmingard in der Sommerresidenz der Familie in Berchtesgaden zur Welt. Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers änderte die Familie jedoch ihre Gewohnheiten. Da Hitler ebenfalls in Berchtesgaden den Berghof bezog und Rupprecht eine Begegnung mit ihm vermeiden wollte, verbrachten die Wittelsbacher ihre Sommer fortan im Schloss Hohenschwangau. Zugleich geriet die Familie zunehmend unter den Druck des nationalsozialistischen Regimes. Der Staat begann, das Vermögen der Wittelsbacher schrittweise zu beschlagnahmen. Das Wittelsbacher Palais in München wurde bereits zu Beginn der NS-Diktatur konfisziert und anschließend als Gestapo-Hauptquartier sowie als Gefängnis genutzt. Mit Beginn des Krieges wurde auch Schloss Leutstetten beschlagnahmt; dort brachte man deutsche Flüchtlinge aus dem Frontgebiet an der Saar unter.
Ab 1936 besuchte die damals dreizehnjährige Irmingard gemeinsam mit ihrer Schwester Editha mehr als zwei Jahre lang ein Internat des Konvents vom Heiligen Herzen im englischen Roehampton. Im folgenden Jahr kamen auch Hilda und Gabriele nach England. Ihr Bruder Henry folgte 1938 und studierte bereits im Alter von sechzehn Jahren an der Universität Oxford. Irmingard besuchte später außerdem Schulen in Belgien und im italienischen Padua.
Den größten Teil des Zweiten Weltkriegs verbrachte sie im italienischen Exil. Der italienische König Vittorio Emanuele ließ seinen privaten Salonwagen nach München schicken, um der Familie die Ausreise zu ermöglichen. Da die Wittelsbacher in Deutschland keinen Zugriff mehr auf ihr Vermögen hatten, waren sie in Italien auf die Unterstützung von Freunden und Verwandten angewiesen. Irmingards Vater Rupprecht konnte sich über Jahre in Florenz vor den Nationalsozialisten verstecken. Er lebte dort in einem Apartment im Palazzo Pecori-Giraldi, das ihm der bayerische Baron Theodor von Fraunberg und dessen italienische Ehefrau zur Verfügung stellten.
Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 nahm das Regime auch Irmingard und zahlreiche andere Angehörige der Wittelsbacher in Sippenhaft. Sie wurden als sogenannte Ehrenhäftlinge in Konzentrationslager verschleppt. Am 27. Juli 1944 setzte die SS Irmingards Mutter gemeinsam mit den Geschwistern fest. Die gerade neunzehnjährige Irmingard hatte zuvor versucht, allein über die Alpen in die neutrale Schweiz zu fliehen. Sie erkrankte jedoch an Typhus und wurde im September 1944 am Gardasee von der Gestapo verhaftet.
Durch die Krankheit und eine Infektion infolge einer fehlerhaften Bluttransfusion war sie stark geschwächt. Unter Bewachung musste sie mehrere Krankenhausaufenthalte durchstehen und erlebte im Krankenhaus in Innsbruck die alliierten Luftangriffe auf die Stadt. Nach Verhören in der Gestapo-Zentrale in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße 8 wurde sie im Januar 1945 in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo sich ihre Familie bereits befand. Ende Februar erfolgte die Verlegung nach Flossenbürg, während die Rote Armee Berlin bereits weitgehend eingeschlossen hatte. Irmingard rechnete beim Abtransport mit ihrer Hinrichtung. In Flossenbürg wurden die Wittelsbacher in einer Baracke untergebracht, von der aus sie das Krematorium sehen konnten. Am 8. April wurden sie in das Konzentrationslager Dachau überführt und kurz darauf in das Hotel Ammerwald bei Reutte in Tirol gebracht, das als Außenstelle des KZ Dachau diente. Dort befreite die amerikanische Armee Irmingard und ihre Familie am Ende des Krieges.
Die Erfahrungen der Verfolgung, der Lagerhaft und der ständigen Todesangst prägten Irmingards weiteres Leben. Sie verarbeitete ihre Erinnerungen in ihrer künstlerischen Arbeit als Malerin und in ihrer Autobiografie „Jugend-Erinnerungen 1923–1950“. Besonders die Erlebnisse in Flossenbürg hinterließen tiefe Spuren. In ihren Bildern, darunter „Todesangst“ und „Zug der Häftlinge“, setzte sie sich mit dem Erlebten auseinander. Ihre Werke wurden unter anderem in Deutschland und Italien ausgestellt. Bis ins hohe Alter engagierte sie sich außerdem als Kuratoriumsmitglied des Kulturvereins „Brücke 7“ für die Erinnerung an den Holocaust. Für dieses Engagement erhielt sie 2008 den Weltfriedenstag-Gedenkpreis.
Am 19. Juli 1950 heiratete Irmingard ihren Cousin Ludwig Karl Maria Prinz von Bayern. Aus der Ehe ging 1951 der Sohn Luitpold hervor, das einzige überlebende Kind des Paares. 1955 erwarb Irmingard die Schlossbrauerei Kaltenberg und führte sie als Schloßbrauerei Kaltenberg Irmingard Prinzessin von Bayern GmbH weiter. Das Unternehmen wurde später umfirmiert, blieb jedoch im Besitz ihrer Familie. 1976 übernahm ihr Sohn Luitpold die Leitung der Brauerei. Zwei weitere Kinder, Maria und Philippa, wurden 1953 beziehungsweise 1954 geboren, starben jedoch jeweils am Tag ihrer Geburt.
Irmingard von Bayern starb am 23. Oktober 2010 im Alter von 87 Jahren auf Schloss Leutstetten. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Familienfriedhof der Wittelsbacher im Kloster Andechs.
Quelle: Irmingard von Bayern (de, 270333063). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0