Biografie
Hedwig von Sachsen wurde am 31. Oktober 1445 in Meißen als jüngstes Kind des sächsischen Kurfürsten Friedrich II. und seiner Frau Margarete geboren. Ihre Mutter war eine Tochter Herzog Ernsts von Österreich und eine Schwester Kaiser Friedrichs III., sodass Hedwig in ein weitverzweigtes Herrscherhaus eingebunden war. Ihre Brüder Albrecht und Ernst begründeten später die albertinische beziehungsweise die ernestinische Linie des sächsischen Hauses. Hedwigs Schwestern gingen ebenfalls bedeutende Verbindungen ein: Anna wurde 1470 Kurfürstin von Brandenburg, Amalia Herzogin von Bayern-Landshut.
Hedwigs geistliche Laufbahn begann früh. Im Jahr 1457 wurde sie Kanonissin im Reichsstift Quedlinburg. Bereits ein Jahr später wählte das Kapitel die damals Zwölfjährige zur Nachfolgerin der verstorbenen Äbtissin Anna I. Papst Calixt III. bestätigte die Wahl, machte jedoch zur Auflage, dass Hedwig bis zu ihrem 20. Lebensjahr unter der Vormundschaft ihres Vaters und einer Stiftsdame stehen sollte. 1465 erhielt sie von Kaiser Friedrich III. die Regalien, also die mit ihrem Amt verbundenen Herrschaftsrechte, und konnte Quedlinburg von da an selbstständig regieren.
Während ihrer Amtszeit geriet Hedwig zunehmend in Konflikt mit der Stadt Quedlinburg. Die Stadt war 1426 der Hanse beigetreten und strebte danach, den Status einer freien Reichsstadt zu erlangen und sich von der Oberhoheit des Reichsstifts zu lösen. Erste Auseinandersetzungen begannen 1460 wegen irrtümlich gefällten Holzes aus dem Wald des Stifts. Bald wurden auch andere Fragen strittig, darunter die Nutzung von Mühlen, das Münzrecht, der Schutz der jüdischen Bevölkerung und Fischereirechte. Eine Schlichtung durch Hedwigs Vater und den Bürgermeister von Halberstadt konnte den Konflikt zunächst beruhigen.
1474 brach der Streit erneut aus. Diesmal ging es vor allem um die Vogteirechte, die der Bischof von Halberstadt, Gebhard von Hoym, innehatte. Mit Unterstützung ihrer Brüder erreichte Hedwig 1475, dass Kaiser Friedrich III. ihre Ansprüche auf diese Rechte bestätigte. Der Bischof legte dagegen beim Papst Einspruch ein, während Quedlinburg ein Schutzbündnis mit den Herzögen von Braunschweig einging. Als ein Schlichtungstermin verstrichen war, bereitete sich die Bürgerschaft mit Unterstützung des Halberstädter Bischofs auf einen militärischen Vorstoß vor. Eine etwa 200 Mann starke Truppe versuchte, Hedwig gewaltsam aus ihrer Stellung zu vertreiben.
Am 24. Juli 1477 griffen daraufhin sächsische Truppen ein, die von Hedwigs Brüdern entsandt worden waren. 400 Reiter und 200 Fußsoldaten eroberten die Stadt. Quedlinburg unterwarf sich am 9. August 1477 der Äbtissin. Die Stadt musste jährlich Reparationszahlungen leisten und sich an den Kosten für den Wiederaufbau des Schlosses beteiligen. Sie verlor ihre politische Selbstständigkeit, musste den Roland stürzen, aus der Hanse und aus sämtlichen Schutzbündnissen austreten und Hedwig die Erbhuldigung leisten. Ohne ihre Zustimmung durfte Quedlinburg weder einen Rat noch einen Stadthauptmann wählen oder die Befestigungsanlagen instand setzen. Diese Niederlage bremste die Entwicklung der Stadt entscheidend; in den folgenden Jahrhunderten blieb Quedlinburg eine kleine Ackerbürgerstadt.
Im Frieden mit dem Bischof von Halberstadt wurden Hedwig außerdem die Vogtei und die Rechte an Groß-Ditfurt zugesprochen. Die Vogteirechte übertrug sie 1479 aus Dankbarkeit ihren Brüdern Albrecht und Ernst. In ihren letzten Amtsjahren musste sie sich erneut gegen Ansprüche aus ihrem familiären Umfeld behaupten. Ihr Neffe Ernst, der Erzbischof von Magdeburg war und zugleich als Administrator von Halberstadt wirkte, versuchte, die schutzherrschaftlichen Rechte seiner Vorgänger wieder durchzusetzen. Dabei gewann er Papst Julius II. als Verbündeten, der Hedwig sogar mit dem Kirchenbann drohte.
Hedwig wurde als streng und ernsthaft beschrieben, zugleich aber als fromm und wohltätig. Kaiser Friedrich III. nahm sie in den Kannenorden auf. Sie starb am 13. Juni 1511 in Quedlinburg und wurde in der dortigen Stiftskirche St. Servatius beigesetzt. Ihr Leben war eng mit der politischen Geschichte des Reichsstifts verbunden. Als Äbtissin behauptete sie die Herrschaft Quedlinburgs gegenüber der Stadt und ihren regionalen Gegnern und festigte damit für lange Zeit die Stellung des Stifts.
Quelle: Hedwig von Sachsen (1445–1511) (de, 266821137). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
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