Person
Gian Carlo de' Medici
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
04.07.1611
24.07.1611
Tod
23.01.1663
22.01.1663

Bildnachweis
Portrait of cardinal Giovan Carlo de' Medici
Baldassare Franceschini
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Bildquelle: File:Giovan Carlo de' Medici, il volterrano (palatine gallery).jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Giovan Carlo de’ Medici, auch Giovanni Carlo oder Gian Carlo genannt, wurde am 3. Juni oder am 24. Juli 1611 in Florenz geboren und starb am 22. Januar 1663 in der Villa di Castello bei Florenz. Er entstammte dem Haus Medici, war Prinz des Großherzogtums Toskana und später Kardinaldiakon. Neben seinen politischen, militärischen und kirchlichen Aufgaben machte er sich vor allem als Kenner, Sammler und Förderer von Kunst, Literatur, Musik und Theater einen Namen.
Er war der zweite Sohn des Großherzogs Cosimo II. de’ Medici und dessen Ehefrau Maria Magdalena von Österreich, einer Tochter des Erzherzogs Karl II. Zu seinen Geschwistern gehörten der spätere Großherzog Ferdinando II., die spätere Herzogin von Parma und Piacenza Margherita, der Militär und Statthalter von Siena Mattias, der ebenfalls militärisch tätige Francesco sowie Anna und Leopoldo. Leopoldo wurde später ebenfalls Kardinal. Giovan Carlo erhielt eine sorgfältige Erziehung am Hof. Er sprach Französisch und Deutsch, besaß gute musikalische Kenntnisse und wurde unter anderem von dem Mathematiker Famiano Michelini unterrichtet.
1628 begleitete er seinen älteren Bruder Ferdinando auf einer Reise in das Heilige Römische Reich. In Prag wurden die beiden Prinzen Kaiser Ferdinand II. vorgestellt. Ein Jahr später begannen Verhandlungen über eine mögliche Ehe mit Anna Carafa di Stigliano, der Tochter des Herzogs von Mondragone. Die Gespräche zogen sich bis 1633 hin, doch Anna wurde schließlich auf politischen Druck hin mit dem Sohn des spanischen Ministerpräsidenten Olivares verheiratet, der später Vizekönig von Neapel wurde.
Giovan Carlo erwog zunächst eine militärische Laufbahn. Schon als Kind war er zum Ritter des Malteserordens aufgenommen worden, und seit 1621 bekleidete er das Amt des Großpriors von Pisa. Er übernahm den Oberbefehl über die Flotte des Großherzogtums Toskana und wurde 1638 zum Befehlshaber der spanischen Mittelmeerflotte ernannt. Seine militärische Laufbahn verlief jedoch nicht ohne Rückschläge. Nach seiner erfolglosen Teilnahme an der Belagerung Barcelonas während des katalanischen Aufstands trat er 1642 zurück. 1643 nahm er zum letzten Mal an einem Feldzug teil, als er im Krieg um das Fürstentum Castro das toskanische Heer führte.
Eine entscheidende Wendung nahm sein Leben 1644. Papst Innozenz X. erhob ihn, auch als Zeichen guter Beziehungen zur Familie Medici und zu seinem Bruder Ferdinando II., zum Kardinal. Im März 1645 erhielt er den Rang eines Kardinaldiakons von Santa Maria Nuova, dessen Titel später in San Giorgio in Velabro geändert wurde. Damit musste er seine militärische Laufbahn aufgeben. An seiner Lebensweise änderte sich jedoch zunächst wenig. Bereits im Juni 1645 kehrte er nach Florenz zurück und blieb dort über Jahre, bevor er 1655 nach Rom reiste, um am Konklave zur Wahl Fabio Chigis teilzunehmen, der als Alexander VII. Papst wurde. Bei diesem Konklave arbeitete er eng mit seinem jüngeren Bruder Leopoldo zusammen.
Alexander VII. beauftragte Giovan Carlo damit, Christina von Schweden zu empfangen, die vom Protestantismus zum Katholizismus übergetreten war. Als die persönliche Nähe zwischen dem Kardinal und der Königin bekannt wurde, schickte der Papst Giovan Carlo nach Florenz zurück. Er begründete dies damit, dass der Kardinal zu jung und zu attraktiv sei, um der geistliche Begleiter der Königin zu sein. Giovan Carlo kehrte danach nie wieder nach Rom zurück.
Seine größte nachhaltige Bedeutung liegt in seinem Wirken als Kunstsammler und Mäzen. Bereits 1629 erwarb er die Villa Mezzomonte, in der er eine Sammlung von etwa 250 Gemälden aufbewahrte, darunter vor allem Stillleben und Porträts von Familienmitgliedern. 1640 schenkte ihm der Großherzog ein Anwesen in der Via della Scala in Florenz. Beide Residenzen ließ Giovan Carlo mit Fresken bedeutender Künstler wie Angelo Michele Colonna, Agostino Mitelli und Pietro da Cortona ausschmücken. Auch der Verkauf der Villa Mezzomonte im Jahr 1644 brachte ihm Mittel für weitere Ankäufe.
Nach dem Erbe der Medici-Villa in Castello im Jahr 1648 ließ er dort Stillleben und Landschaften zeitgenössischer florentinischer Maler aufstellen. Teile seiner Sammlung gelangten in private Räume des Palazzo Pitti. Insgesamt umfasste sie mehr als 560 Gemälde, darunter Werke von Raffael, Correggio, Parmigianino, Rubens, Piero di Cosimo, Veronese, Nicolas Poussin und Guido Reni. Giovan Carlo interessierte sich außerdem für Wissenschaft und Botanik und gehörte zu den bedeutendsten italienischen Kunstsammlern und Förderern seiner Zeit.
Schon seit seiner Jugend liebte er das Theater. 1637 leitete er die Festveranstaltungen zur Hochzeit seines Bruders Ferdinando II. mit Vittoria della Rovere. Nach dem Tod Lorenzo de’ Medicis wurde er 1648 Förderer der Theatergesellschaft Accademia dei Concordi, die sich später Imobili nannte. Für sie ließ er durch den Architekten und Bildhauer Ferdinando Tacca das Teatro della Pergola errichten, das 1657 eröffnet wurde. Daneben unterstützte er weitere Akademien und Künstler, darunter die von Salvator Rosa geleiteten Gesellschaften.
In Florenz führte Giovan Carlo ein weltliches Leben und hatte zahlreiche Geliebte. 1637 wurde sein unehelicher Sohn Alberto geboren, dessen Mutter Margherita Salveti war. Sein Bruder Ferdinando II. übertrug ihm außerdem die Verwaltung der Finanzen des Großherzogtums. Mit der Zeit kühlte das Verhältnis zwischen den Brüdern jedoch ab.
Giovan Carlo starb im Alter von 51 Jahren an einem Schlaganfall. Er wurde in der Medici-Kapelle der Basilika San Lorenzo beigesetzt. Statt eines Vermächtnisses hinterließ er Schulden in Höhe von 135.000 Kronen. Wenige Tage nach seinem Tod ließ Ferdinando II. den gesamten Besitz versteigern, um die Verbindlichkeiten zu begleichen. Dadurch wurde seine umfangreiche Sammlung innerhalb weniger Wochen zerstreut; neben den Gemälden gingen auch Möbel, Bücher, Skulpturen und venezianisches Glas verloren.
Quelle: Джовани Карло де Медичи (bg, 12421973). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
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