Biografie
George VI., geboren am 14. Dezember 1895 als Albert Frederick Arthur George in Sandringham, war von 1936 bis zu seinem Tod König des Vereinigten Königreichs und der Dominions des britischen Commonwealth. Zugleich war er der letzte Kaiser von Indien, der letzte König von Irland und der erste Vorsitzende des Commonwealth. Er starb am 6. Februar 1952 in Sandringham im Alter von 56 Jahren.
Albert war der zweitälteste Sohn von König George V. und Königin Mary. Da sein älterer Bruder David, der spätere Eduard VIII., zunächst für die Thronfolge vorgesehen war, wuchs Albert eher im Schatten seines Bruders auf. In der Familie wurde er „Bertie“ genannt. Seine Kindheit war von gesundheitlichen Problemen geprägt: Er hatte chronische Verdauungsbeschwerden, musste wegen einer Fehlstellung der Knie Schienen tragen und stotterte über viele Jahre. Außerdem war er von Natur aus Linkshänder, wurde aber gezwungen, mit der rechten Hand zu schreiben. Seine Eltern waren wegen der damaligen Erziehungstraditionen aristokratischer Familien nur wenig präsent, sodass Albert und David überwiegend von Kinderfrauen betreut wurden.
Nach dem Tod Königin Victorias im Jahr 1901 rückte Albert in der Thronfolge auf den dritten Platz. Er besuchte ab 1909 das Royal Naval College in Osborne und später in Dartmouth. 1913 begann er seinen Dienst bei der Royal Navy. Während des Ersten Weltkriegs diente er an Bord der HMS Collingwood und wurde für seinen Einsatz als Turmoffizier in der Seeschlacht am Skagerrak ausgezeichnet. Wegen eines Magengeschwürs konnte er jedoch nicht an weiteren Kämpfen teilnehmen. 1918 wechselte er zur neu gegründeten Royal Air Force, wurde Kommandeur des Ausbildungsstützpunkts in Cranwell und war das erste Mitglied der britischen Königsfamilie mit einem Pilotenschein. In den letzten Kriegswochen arbeitete er außerdem im Stab einer strategischen Bombereinheit in Nancy.
Nach dem Krieg studierte Albert ein Jahr lang Geschichte, Wirtschaft und Staatsbürgerkunde am Trinity College in Cambridge. 1920 erhielt er den Titel Herzog von York und übernahm zunehmend öffentliche Aufgaben im Namen seines Vaters. Bei Besuchen in Kohlebergwerken, Fabriken und Eisenbahndepots erwarb er sich den Beinamen „Industrieprinz“. Er interessierte sich besonders für Arbeitsbedingungen und leitete die Industrial Welfare Society, die unter anderem Sommercamps für Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen Schichten organisierte. Trotz seiner Schüchternheit war er sportlich und spielte gern Tennis.
1920 begegnete Albert Lady Elizabeth Bowes-Lyon, der jüngsten Tochter des Earl und der Countess of Strathmore and Kinghorne. Sie lehnte seine Heiratsanträge zunächst zweimal ab, weil sie die mit einem Eintritt in die Königsfamilie verbundenen Opfer scheute. Nach einer längeren Werbungszeit stimmte sie jedoch zu. Das Paar heiratete am 26. April 1923 in der Westminster Abbey. Die Verbindung mit einer Frau außerhalb eines regierenden Königshauses galt als Zeichen der Modernität. Von 1924 bis 1925 unternahmen der Herzog und die Herzogin eine Reise durch Kenia, Uganda und den Sudan. Später besuchten sie auch Australien, Neuseeland und weitere Teile des britischen Empire.
Sein Stottern erschwerte Albert öffentliche Auftritte erheblich. Nach einer besonders belastenden Rede bei der British Empire Exhibition 1925 begann er mit dem australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue zu arbeiten. Durch Atemübungen und regelmäßiges Training verbesserte sich seine Aussprache deutlich. 1927 konnte er während einer Reise das Parlament des australischen Canberra eröffnen. Albert und Elizabeth hatten zwei Töchter, Elisabeth und Margaret, und führten mit ihnen ein vergleichsweise abgeschirmtes, eng verbundenes Familienleben.
Als George V. im Januar 1936 starb, bestieg Alberts älterer Bruder als Eduard VIII. den Thron. Noch im selben Jahr geriet die Monarchie in eine schwere Verfassungskrise. Eduard wollte Wallis Simpson heiraten, eine Amerikanerin, die zweimal geschieden war und deren zweiter Scheidungsprozess noch lief. Premierminister Stanley Baldwin erklärte ihm, dass eine solche Ehe aus politischen und religiösen Gründen mit dem Königsamt nicht vereinbar sei. Eduard entschied sich daraufhin zur Abdankung. Da er kinderlos war, wurde Albert zum neuen König. Obwohl er das Amt nur widerwillig übernahm und weiterhin mit Selbstzweifeln kämpfte, nahm er den Namen George VI. an, um die Verbindung zu seinem Vater zu betonen und das Vertrauen in die Monarchie wiederherzustellen. Seine Krönung fand am 12. Mai 1937 statt.
Zu Beginn seiner Herrschaft bestimmten die Spannungen in Europa die Politik. George VI. unterstützte verfassungsgemäß die Appeasement-Politik Neville Chamberlains und trat 1938 gemeinsam mit ihm auf dem Balkon des Buckingham-Palastes auf. 1939 reisten der König und die Königin nach Kanada und in die Vereinigten Staaten. Die Reise sollte die eigenständige Stellung Kanadas innerhalb des Commonwealth verdeutlichen und zugleich die Unterstützung Nordamerikas für Großbritannien im Falle eines Krieges stärken. Dabei entwickelte das Paar eine enge Beziehung zu Präsident Franklin D. Roosevelt.
Im September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. George VI. und Elizabeth blieben trotz der deutschen Bombenangriffe in Großbritannien und teilten die Gefahren und Entbehrungen der Bevölkerung. Sie hielten sich nachts meist in Windsor auf, besuchten bombardierte Städte, Fabriken und Truppen an verschiedenen Fronten. 1940 wurde Winston Churchill Premierminister. Zwischen ihm und dem König entstand eine besonders enge Arbeitsbeziehung; sie trafen sich während des Krieges regelmäßig zu vertraulichen Gesprächen. Die Standhaftigkeit des Königspaares machte es zu einem Symbol des nationalen Widerstands. Nach dem Sieg 1945 erschien Churchill gemeinsam mit dem König auf dem Balkon des Buckingham-Palastes.
Während George VI. regierte, zerfiel das britische Empire zunehmend und wandelte sich zum Commonwealth souveräner Staaten. 1947 wurden Indien und Pakistan unabhängig. George VI. blieb zunächst König beider Länder, gab jedoch den Titel des Kaisers von Indien auf. Indien wurde 1950 eine Republik, während er bis zu seinem Tod König von Pakistan blieb. Irland wurde 1949 offiziell eine Republik und verließ das Commonwealth. Großbritannien siegte zwar im Weltkrieg, verlor aber seine Stellung als führende Weltmacht an die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion.
Die Kriegsjahre hatten die Gesundheit des Königs schwer belastet. Sein starkes Rauchen führte zu Lungenkrebs, außerdem litt er an Arteriosklerose und weiteren Beschwerden. Zunehmend übernahm seine älteste Tochter Elisabeth öffentliche Aufgaben für ihn. Nach einer Operation an einem Bein und einer späteren Entfernung eines Lungenflügels verschlechterte sich sein Zustand weiter. Am 31. Januar 1952 verabschiedete er seine Tochter und deren Ehemann vor ihrer Reise nach Australien; es war sein letzter öffentlicher Auftritt. Wenige Tage später starb er im Schlaf an einer koronaren Thrombose.
Elisabeth erfuhr während ihres Aufenthalts in Kenia vom Tod ihres Vaters und bestieg als Elisabeth II. den Thron. George VI. wurde zunächst in der St.-Georgs-Kapelle von Windsor beigesetzt und 1969 in das dortige George-VI.-Memorial überführt. Später fanden auch seine Ehefrau, seine Tochter Margaret und 2022 Elisabeth II. dort ihre letzte Ruhestätte. George VI. hinterließ das Bild eines pflichtbewussten, mutigen Familienvaters, der in einer Zeit des Krieges und des imperialen Niedergangs die britische Monarchie stabilisierte und ihre Popularität neu begründete.
Quelle: George VI (fr, 237202306). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0