Person
Friedrich I., Herzog von Württemberg
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
19.08.1557
Tod
29.01.1608
Biografie
Friedrich I. von Württemberg wurde am 19. August 1557 in Montbéliard geboren und starb am 29. Januar 1608 in Stuttgart. Seit 1558 war er Graf von Montbéliard, ab 1593 bis zu seinem Tod Herzog von Württemberg. Sein Vater Georg I. hatte im hohen Alter die erst 19-jährige Barbara, eine Tochter des hessischen Landgrafen Philipp, geheiratet. Der erste Sohn Ulrich starb noch im Säuglingsalter. Friedrich, ihr zweiter Sohn, kam 1557 zur Welt, doch sein Vater starb, bevor er ein Jahr alt war. Deshalb wuchs Friedrich unter der Obhut seiner Familie auf. 1580 erhielt er die Belehnung durch Kaiser Rudolf II.
Friedrich galt als schwieriger und despotischer Herrscher, hinterließ in seinen Gebieten jedoch deutliche Spuren. Während seiner rund vier Jahrzehnte dauernden Herrschaft festigte er das Luthertum, förderte die Bildung breiter Bevölkerungsschichten, ließ Montbéliard ausbauen und modernisieren und trieb Landwirtschaft sowie erste Formen einer gewerblichen Entwicklung voran. Er war zugleich ein gebildeter, kenntnisreicher Förderer von Kunst und Literatur.
Seit seiner Jugend war Friedrich ein überzeugter Anhänger des Luthertums. Er stärkte dessen Stellung in der Grafschaft Montbéliard und in den übrigen von ihm beherrschten Gebieten. Bei einem Religionsgespräch in Montbéliard, das vom 21. bis 29. März 1586 stattfand, vermittelte er zwischen Calvinisten und Lutheranern. Schließlich wurde das Luthertum zur staatlichen Religion erklärt. Friedrich übernahm damit als summus episcopus auch die Leitung der Kirche; seine Rechte und Pflichten entsprachen in vielem denen eines Bischofs.
Besondere Aufmerksamkeit widmete er dem Bildungswesen. Er überwachte die französische Schule von Montbéliard ebenso wie das akademische Kolleg der Stadt, das später als „altes Kolleg“ bezeichnet wurde. Begabte Schüler konnten anschließend mit Stipendien an der Universität Tübingen weiterstudieren. Außenpolitisch stand Friedrich den französischen Protestanten nahe. Als Freund Heinrichs von Navarra, des späteren Königs Heinrich IV., stellte er sich den Truppen des katholischen Herzogs von Guise entgegen und unterstützte die protestantische Seite in Frankreich.
Auch wirtschaftlich griff Friedrich aktiv ein. Er begünstigte die Zünfte und Handwerkerkorporationen und verlieh bestimmten Berufen besondere Privilegien. Dadurch nahm unter anderem die Zahl der Schafzuchtbetriebe deutlich zu. In seinen Herrschaften ließ er die Landwirtschaft ausweiten, förderte die Viehzucht und die Urbarmachung bisher ungenutzter Böden. Außerdem wurden Papier hergestellt und Erze abgebaut. Seine Söhne Johann Friedrich und später Ludwig Friedrich entwickelten den Bergbau weiter. Die dadurch geförderte Rohstoffgewinnung unterstützte den Aufschwung der Hüttenwerke in Audincourt und Chagey.
Friedrich war ein reisefreudiger Fürst und besuchte zahlreiche europäische Länder. Besonders folgenreich war seine Italienreise im Jahr 1599, die er gemeinsam mit seinem bevorzugten Architekten Heinrich Schickhardt unternahm. Sie gab den Anstoß zu umfangreichen Veränderungen in Montbéliard. Schickhardt ließ die Stadtbefestigungen erneuern, das Stadtgebiet um den Bezirk „Neustadt“ erweitern und mehrere öffentliche Brunnen anlegen. Im Schloss entstand ein zweiter Turm, der später Friedrichsturm genannt wurde. Hinzu kamen das Hôtel Bailly und ein neuer Flügel am Gebäude des landwirtschaftlichen Marktes. Friedrich ließ außerdem die Brücke im benachbarten Voujeaucourt erneuern und eine neue Brücke in Sochaux bauen. Als bedeutendstes Bauwerk seiner Herrschaft gilt jedoch die Martinskirche im Zentrum Montbéliards, die im spätrenaissancezeitlichen Stil errichtet wurde und als schönste protestantische Kirche des Landes angesehen wurde.
Eine Episode seiner internationalen Bekanntheit steht mit England und William Shakespeares Komödie „Die lustigen Weiber von Windsor“ in Verbindung. Friedrich, damals noch Graf von Montbéliard und bereits Erbe des Herzogtums Württemberg, reiste 1592 durch englische Städte. Er bemühte sich wiederholt bei Königin Elisabeth darum, in den Hosenbandorden aufgenommen zu werden. Erst nachdem er Herzog geworden und seine Leistungen größere Anerkennung gefunden hatten, stimmte die Königin zu. Allerdings wurde Friedrich absichtlich nicht rechtzeitig über seine Aufnahme informiert, sodass er im Frühjahr 1597 nicht an der Investitur teilnehmen konnte. Die auf diese Zeremonie bezogene Komödie enthielt Anspielungen auf seinen ersten Besuch und seine spätere Abwesenheit in Windsor. Diese Scherze gelangten aus einer frühen geschlossenen Aufführung in die erste Folioausgabe von Shakespeares Werken, wurden später jedoch aus öffentlichen Aufführungen entfernt.
Friedrichs aufwendiger Lebensstil belastete seine Finanzen. Die Versorgung seiner großen Familie, der luxuriöse Hof, prunkvolle Feste, glänzende Jagden, zahlreiche Auslandsreisen, kostspielige Erwerbungen und große Bauvorhaben zehrten ebenso an der Staatskasse wie hohe Darlehen an Heinrich IV. und an französische Protestanten. Zunächst nahm Friedrich Kredite auf; später förderte er sogar die Suche nach dem Stein der Weisen, eine damals verbreitete, letztlich jedoch erfolglose Idee, die seine finanzielle Lage weiter verschlechterte.
Nach dem Tod seines Vetters Ludwig III. wurde Friedrich 1593 regierender Herzog von Württemberg. 1599 ordnete er die Gründung der neuen Stadt Freudenstadt an. Sie sollte nach seinen Vorstellungen die Hauptstadt des Herzogtums werden und näher bei Montbéliard liegen als Stuttgart. Der Plan wurde jedoch durch seinen Tod nicht verwirklicht. Friedrich starb im Januar 1608 in Stuttgart an einer Durchblutungsstörung des Gehirns.
Seit 1581 war Friedrich mit Sibylle verheiratet, einer Tochter des Fürsten Joachim Ernst von Anhalt. Das Paar hatte fünfzehn Kinder. Der älteste überlebende Sohn, Johann Friedrich, wurde Herzog von Württemberg. Ludwig Friedrich wurde ebenfalls Herzog von Württemberg und Graf von Montbéliard, Julius Friedrich Herzog von Württemberg-Juliusburg und Friedrich Achilles Herzog von Württemberg-Neuenstadt. Weitere Söhne waren Georg Friedrich, Joachim Friedrich, Philipp Friedrich und Magnus, der 1622 in der Schlacht bei Wimpfen fiel. Zu den Töchtern gehörten Sibylle Elisabeth, die den sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. heiratete, Eva Christina, Agnes, Barbara, Augusta und Anna. Durch die Vereinbarung vom 7. Juni 1617 begründeten Friedrichs Söhne Johann Friedrich und Friedrich Achilles die jüngere württembergische Linie Württemberg-Neuenstadt.
Quelle: Фридрих I (герцог Вюртемберга) (ru, 150937055). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
Eltern
Kinder
- Agnes von Württemberg
- Anna Prinzessin von Württemberg
- August Prinz von Württemberg
- Barbara of Württemberg
- Elisabeth Prinzessin von Württemberg
- Eva Christina von Württemberg
- Friedrich Achilles
- Georg Friedrich Prinz von Württemberg
- Joachim Friedrich Prinz von Württemberg
- Johann Friedrich
- Julius Friedrich
- Ludwig Friedrich
- Magnus
- Philipp Friedrich Prinz Württemberg
- Sibylla Elisabeth von Württemberg