Person
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
18.07.1664
Tod
06.04.1732

Bildnachweis
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, Portrait
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Biografie
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg wurde am 24. Juli 1664 in Neuburg an der Donau als neuntes von siebzehn Kindern des späteren pfälzischen Kurfürsten Philipp Wilhelm und dessen Ehefrau Elisabeth Amalie Magdalena von Hessen-Darmstadt geboren. Er entstammte einer politisch einflussreichen Familie. Zu seinen Geschwistern gehörten die späteren pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm und Karl III. Philipp sowie Alexander Sigismund, der Fürstbischof von Augsburg wurde. Seine älteste Schwester Eleonore war mit Kaiser Leopold I. verheiratet und wurde zur Mutter der späteren Kaiser Joseph I. und Karl VI. Weitere Schwestern heirateten in europäische Fürstenhäuser: Marie Sophie wurde Königin von Portugal, Maria Anna Königin von Spanien und Dorothea Sophie Herzogin von Parma und Piacenza.
Franz Ludwig erhielt eine humanistische Ausbildung, die vor allem von den Barmherzigen Brüdern und den Jesuiten am Hof seines Vaters in Düsseldorf und Neuburg geprägt war. Bereits im Alter von vierzehn Jahren bekam er ein Kanonikat in Olmütz. Ein Jahr später folgten Kanonikate in Münster, Speyer und Straßburg. Obwohl er später mehrere bedeutende geistliche Ämter bekleidete, empfing er nie die Priesterweihe. Erst 1687 wurde er zum Subdiakon geweiht.
Seine kirchliche Laufbahn nahm 1683 eine entscheidende Wendung. Ursprünglich war sein Bruder Wolfgang Georg Friedrich für das Amt des Fürstbischofs von Breslau vorgesehen, doch dieser starb noch vor der Wahl. Mit Unterstützung des Wiener Hofes und damit auch unter dem Einfluss seiner Schwester Eleonore wurde Franz Ludwig zum Fürstbischof von Breslau gewählt. Das schlesische Bistum blieb fortan sein wichtigster Lebensmittelpunkt. 1685 ernannte ihn der Kaiser zudem zum Oberlandeshauptmann von Schlesien. Damit vereinigte Franz Ludwig über Jahrzehnte eine bedeutende geistliche und weltliche Machtstellung.
Als Fürstbischof setzte er zahlreiche Reformen und Bauvorhaben in Gang. 1694 ordnete er das Priesterseminar neu. 1702 gründete er die Universität Breslau, die den Namen „Leopoldina“ erhielt, und ließ im selben Jahr das kurfürstliche Waisenhaus „Orphanotropheum“ errichten. 1711 entstand ein Hospital der Barmherzigen Brüder. In Neisse, dessen Fürstentum er regierte, veranlasste er den Bau eines Kreuzherrenstifts und später den Neubau der bischöflichen Residenz. Auch in Ottmachau prägte seine Bautätigkeit das Stadtbild: Die baufällige Pfarrkirche St. Nikolaus wurde durch eine neue Barockkirche ersetzt, außerdem entstand dort 1706 und 1707 das Niederschloss.
Nach dem Tod seines Bruders Ludwig Anton im Jahr 1694 übernahm Franz Ludwig weitere wichtige Ämter. Er wurde Bischof von Worms, ein Amt, das er bis zu seinem Tod behielt. Dort ließ er unter anderem den Wormser Dom restaurieren und stiftete ein Waisenhaus. Ebenfalls 1694 folgte er seinem Bruder als Hochmeister des Deutschen Ordens. In dieser Funktion setzte er sich für eine Neuordnung des Ordens ein. Außerdem wandte er sich gegen die widerrechtliche Erhebung des Kurfürsten von Brandenburg zum König von Preußen, da Preußen als Lehen zum Deutschen Orden gehörte. Franz Ludwig gründete das kaiserliche Infanterieregiment „Pfalz-Neuburg-Teutschmeister“. Unter seiner Leitung wurden mehrere Ordensgebäude erneuert: 1710 wurde das rund vierhundert Jahre alte Deutschordenshaus in Weinheim als Barockbau neu errichtet, 1730 entstand in Mainz ein repräsentatives Barockpalais. Trotz seiner Stellung als Oberhaupt des Ordens legte Franz Ludwig niemals die Ordensprofess ab.
Im selben Jahr wurde er außerdem Fürstpropst von Ellwangen. Dort reformierte er die Justiz, erließ eine neue Wald- und Jagdordnung und erneuerte die Hofratsordnung. Zwischen 1702 und 1729 entstanden das Jesuitenkolleg und die Jesuitenkirche. Nach einem Brand durch Blitzschlag im Jahr 1709 ließ er zudem die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg wieder aufbauen; die Arbeiten dauerten bis 1729.
Von 1716 bis 1729 war Franz Ludwig Kurfürst und Erzbischof von Trier. In diesem Amt widmete er sich besonders der Neuordnung der Gerichtsbarkeit. Unter seiner Herrschaft wurde das zuvor zerstörte Trier wieder aufgebaut. Zu den bedeutenden Vorhaben gehörten die Errichtung der Moselbrücke und die Barockisierung des Trierer Doms.
Bereits 1710 war Franz Ludwig zum Koadjutor des Mainzer Erzkanzlerstifts bestimmt worden. 1729 folgte er Lothar Franz von Schönborn als Kurfürst und Erzbischof von Mainz nach. Damit wurde er zugleich Reichserzkanzler und nach dem Kaiser zum höchsten Würdenträger des Heiligen Römischen Reiches. Da die Vereinigung der Kurfürstenämter von Mainz und Trier in einer Hand gegen das Reichsrecht verstieß, musste er eines der beiden Ämter aufgeben. Franz Ludwig entschied sich für Mainz, das gegenüber Trier als prestigeträchtiger galt. Auch dort begann er mit administrativen und rechtlichen Reformen.
Franz Ludwig beteiligte sich 1724 an der Wittelsbacher Hausunion und unterstützte in seinen Herrschaftsgebieten die Anliegen der Kirche sowie gegenreformatorische Maßnahmen. Zugleich trat er als bedeutender Förderer von Kunst und Architektur hervor. Seine repräsentativen Wappen spiegelten den Umfang seiner territorialen Besitzungen und Ämter wider.
Nach einer Reise nach Wien starb Franz Ludwig am 18. April 1732 überraschend in Breslau. Bereits zwischen 1716 und 1724 hatte er nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach am Breslauer Dom eine Kurfürsten-Kapelle als Mausoleum errichten lassen. Dort wurde er bestattet. Obwohl er nie höhere Weihen empfing und gleichzeitig fünf geistliche Würden innehatte, zählt er zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Reichskirche im frühen 18. Jahrhundert. Sein Wirken war durch die Verbindung kirchlicher Aufgaben mit politischer Macht, umfassenden Reformen und einer ausgeprägten Bautätigkeit gekennzeichnet.
Quelle: Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (de, 267106668). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
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