Biografie
Ferdinand Franz von Habsburg, bekannt als Ferdinand IV., wurde am 8. September 1633 in Wien geboren und starb dort am 9. Juli 1654 im Alter von zwanzig Jahren. Als ältester Sohn Kaiser Ferdinands III. und dessen erster Ehefrau Maria Anna von Österreich, einer spanischen Infantin, gehörte er zur habsburgischen Dynastie, die damals weite Teile Mitteleuropas, die Iberische Halbinsel und ein großes Kolonialreich beherrschte. Ferdinand galt früh als designierter Nachfolger seines Vaters im Heiligen Römischen Reich, erreichte den Kaiserthron jedoch nicht.
Seine väterliche Familie war eng mit den führenden katholischen Herrscherhäusern Europas verbunden. Ferdinand III. war ein Sohn Kaiser Ferdinands II. und Maria Annas von Bayern. Ferdinands Mutter wiederum war die jüngere Tochter König Philipps III. von Spanien und Margaretes von Österreich-Steiermark. Dadurch war sie auch die jüngere Schwester der französischen Königin Anna von Österreich. Ferdinand hatte eine ältere Schwester, die Erzherzogin Maria Anna, die später Königin von Spanien wurde, sowie einen jüngeren Bruder, den Erzherzog Leopold, der später selbst zum Kaiser gewählt werden sollte. Aus den späteren Ehen seines Vaters stammten weitere Halbgeschwister, darunter Karl Joseph, der Bischof von Olmütz wurde, sowie Eleonore und Maria Anna, die später in den polnischen, lothringischen beziehungsweise pfälzischen Hochadel einheirateten.
Sein Vater bezog Ferdinand schon in jungen Jahren in die Politik ein und bereitete ihn auf die künftige Herrschaft vor. Am 5. August 1646 wurde der damals zwölfjährige Erzherzog zum König von Böhmen gekrönt. Damit wurde er zugleich einer der sieben Kurfürsten des Reiches. Am 16. Juni 1647 folgte seine Krönung zum König von Ungarn und Kroatien. Wegen seines Alters übte Ferdinand diese Herrschaft zunächst nur dem Namen nach aus; die tatsächliche Regierungsgewalt teilte er mit seinem Vater.
Im Mai 1646 verlor Ferdinand seine Mutter. Sein Vater heiratete am 2. Juli 1648 in zweiter Ehe die österreichische Erzherzogin Maria Leopoldine von Tirol. Im selben Jahr endete mit den Verträgen von Westfalen sowie den Friedensschlüssen von Münster und Osnabrück der Dreißigjährige Krieg, der Europa schwer verwüstet hatte. Die Vereinbarungen bestätigten unter anderem die französische Kontrolle über Metz, Verdun und Toul sowie die Abtretung des Elsass an Frankreich. Außerdem erkannten sie eine weitgehende Eigenständigkeit der Reichsfürsten gegenüber dem Kaiser an. Ferdinands Vater verzichtete in diesem Zusammenhang darauf, seinen spanischen Vetter und Schwager im Krieg gegen Frankreich zu unterstützen.
Die dynastischen Beziehungen zwischen den österreichischen und spanischen Habsburgern blieben dennoch von großer Bedeutung. 1649 heiratete Ferdinands dreizehnjährige Schwester Maria Anna ihren Onkel, König Philipp IV. von Spanien. Ursprünglich war eine Ehe mit dem spanischen Thronfolger Balthasar Karl vorgesehen gewesen, doch dieser starb früh. Da das Bündnis mit Spanien als besonders wichtig galt, wurde die Ehe schließlich mit dessen Vater geschlossen. Maria Anna starb jedoch bereits im Alter von siebzehn Jahren bei ihrer ersten Geburt.
Ferdinands Vater ging 1651 eine dritte Ehe mit Eleonore Gonzaga ein, die ihm drei Töchter gebar. Für Ferdinand selbst wurde die Frage seiner Heirat zunehmend dringlicher, nachdem er zum künftigen Nachfolger im Reich bestimmt worden war. Am 31. Mai 1653 wählten ihn die Kurfürsten zum König der Römer. Damit war er offiziell als Nachfolger auf dem Kaiserthron vorgesehen. Die Krönung fand am 18. Juni in Regensburg statt.
Nach dieser Wahl gewann auch Ferdinands geplante Ehe große politische Bedeutung. Er war mit seiner Cousine Maria Theresia von Österreich verlobt, einer fünfzehnjährigen spanischen Infantin und Erbin der spanischen Krone. Das spanische Herrschaftsgebiet umfasste neben Spanien und seinem Kolonialreich auch Portugal, dessen Kolonialbesitz sowie die Königreiche Neapel und Sizilien. Die Verbindung sollte daher die traditionelle Allianz zwischen den beiden habsburgischen Linien festigen. Ferdinand schenkte dem Fürsten von Auersperg außerdem das Schloss Wels. Wie andere Mitglieder des Kaiserhauses wurde er vom Hofmaler Frans Luyckx porträtiert.
Zur Ehe kam es jedoch nicht mehr. Ferdinand erkrankte an den Pocken, einer damals häufigen Krankheit, und starb am 9. Juli 1654 in Wien. Er hatte weder den Kaiserthron bestiegen noch Kinder gezeugt. Sein Leichnam wurde traditionsgemäß in der Kapuzinergruft beigesetzt. Auf seinen Wunsch hin brachte man sein Herz jedoch in die Augustinerkirche und bestattete es in der der heiligen Maria von Loreto gewidmeten Kapelle, der Ferdinand besonders fromm verbunden war. Diese Form der getrennten Bestattung wurde später von weiteren Mitgliedern des österreichischen Kaiserhauses übernommen.
Nach seinem Tod fiel die Aufgabe, die habsburgische Nachfolge im Reich zu sichern, an seinen vierzehnjährigen Bruder Leopold. Dieser war ursprünglich für eine kirchliche Laufbahn vorgesehen gewesen, musste nun aber die schwere Verantwortung des künftigen Erben übernehmen. Ferdinands Verlobte Maria Theresia heiratete später seinen französischen Cousin König Ludwig XIV. Aufgrund dieser Ehe konnte Ludwig XIV. für sich und seine Nachkommen Ansprüche auf die spanische Krone geltend machen.
Quelle: Ferdinand IV de Habsbourg (fr, 238571184). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
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