Person
Erzherzog von Österreich und Toskana Ludwig Salvador
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
04.08.1847
Tod
12.10.1915

Bildnachweis
Luis Salvador de Austria-Toscana
Moriz Ludwig Winter
Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv Austria, Inventarnr.
Bildquelle: File:Luis Salvador de Austria-Toscana.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Ludwig Salvator von Österreich-Toskana wurde am 4. August 1847 in Florenz als zweitjüngster Sohn des toskanischen Großherzogs Leopold II. und dessen Ehefrau Maria Antonia von Neapel-Sizilien geboren. Er gehörte dem toskanischen Zweig des Hauses Habsburg-Lothringen an und führte die Titel eines Erzherzogs von Österreich und eines Prinzen von Toskana. Seine Erziehung war vergleichsweise liberal. Schon als Kind interessierte er sich stärker für die Natur, Sprachen und Tiere als für höfische Umgangsformen. Zu seinen ungewöhnlichen Gefährten gehörte ein Schimpanse namens „Gorilla“.
Die politischen Umwälzungen des Risorgimento prägten seine Jugend. 1859 musste die inzwischen unpopulär gewordene großherzogliche Familie Florenz verlassen, nachdem Österreich bei Solferino besiegt worden war. Im folgenden Jahr wurde die Toskana von Sardinien-Piemont annektiert. Ludwig Salvator lebte nun mit seinen Eltern auf Schloss Brandeis bei Prag. Früh erkannte er, dass weder eine Laufbahn im Staatsdienst noch eine militärische Karriere seinen Neigungen entsprach. Stattdessen wollte er forschen und reisen. Im Spätherbst 1876 erwarb er bei Muggia südlich von Triest ein Landhaus in Zindis, das bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs sein Sommersitz blieb.
Seine eigentliche Leidenschaft galt dem Meer und den südlichen Ländern. 1867 reiste er unter dem Pseudonym „Ludwig Graf Neudorf“ zu naturwissenschaftlichen Studien auf die Balearen. Besonders Mallorca beeindruckte ihn so sehr, dass er drei Jahre später auf die Insel übersiedelte. Für seine Reisen nutzte er die Dampfsegelyacht Nixe, die 1872 vom Stapel lief und 1873 eingeweiht wurde. Sie wurde für ihn zu einem schwimmenden Zuhause. Jahrzehntelang bereiste er mit ihr das Mittelmeer, meist begleitet von rund zwanzig Menschen und einer Vielzahl von Tieren. Wegen dieser ungewöhnlichen Reisegesellschaft bezeichneten Zeitgenossen das Schiff spöttisch als „Arche Noah“.
Ludwig Salvator war jedoch weit mehr als ein abenteuerlustiger Aristokrat. Er wollte wenig bekannte Landschaften und ihre Bewohner systematisch erforschen. Dafür entwickelte er einen etwa hundert Seiten umfassenden Fragebogen, die Tabulae Ludovicinae. In den von ihm besuchten Orten ließ er Bürgermeister, Ärzte, Lehrer, Richter, Pfarrer und andere Einwohner möglichst genaue Angaben zu ihrem jeweiligen Wissensgebiet zusammentragen. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern wertete er diese Informationen aus. Außerdem unternahm er mit seinem mallorquinischen Sekretär Don Antoni Vives und ortskundigen Führern ausgedehnte Wanderungen. Er beschrieb Landschaften, Pflanzen, Tiere, Wetter, Geschichte, Architektur, Bräuche und die Lebensweise der Bevölkerung. Seine Beobachtungen ergänzte er durch zahlreiche eigene Zeichnungen, die er mit Feder und Tusche anfertigte.
Aus diesem Material entstanden umfangreiche, sorgfältig gestaltete Bücher, die Ludwig Salvator auf eigene Kosten beim Prager Verleger Mercy drucken ließ. Viele erschienen in kleinen Auflagen und wurden an Freunde, Mitarbeiter, wissenschaftliche Einrichtungen und andere Interessierte verschenkt. Durch den Reiseverleger Leo Woerl gelangten einige Werke auch in den Buchhandel. Seine Forschung fand bald internationale Anerkennung; Akademien und wissenschaftliche Institutionen verliehen ihm Diplome und Ehrenmitgliedschaften. Sein Freund Jules Verne ließ sich von ihm zu der Gestalt des Helden in seinem Roman „Mathias Sandorf“ anregen und übernahm weitere Anregungen und Schauplätze aus seinen Schriften.
Ludwig Salvators wichtigstes Werk war „Die Balearen. In Wort und Bild geschildert“. Die zwischen 1869 und 1891 erschienene Darstellung umfasste sieben Bände in neun großformatigen Teilen und etwa 6000 Seiten. Sie behandelte die Natur und Geschichte der Inseln ebenso wie Volkskunde, Architektur, Meteorologie, Lieder, Gedichte und die Lebensverhältnisse der Bewohner. Die ersten beiden Bände wurden auf der Pariser Weltausstellung 1878 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Neben Mallorca widmete er sich unter anderem Menorca, Ibiza, Formentera, den Ionischen Inseln, den Liparischen Inseln sowie kleineren Inseln wie Giglio, Ustica und Alborán. Sein besonderes Interesse galt Regionen, die damals kaum bereist und in der Öffentlichkeit wenig bekannt waren.
Er setzte sich außerdem für internationale Verständigung ein. Als überzeugter Pazifist besuchte er 1881 die Weltausstellung in Melbourne, weil er in solchen Großereignissen eine Möglichkeit sah, Vorurteile zwischen den Völkern abzubauen. Er war überzeugt, dass Menschen einander weniger feindselig begegnen würden, wenn sie andere Länder und Kulturen besser kennenlernten. Auch praktische Fragen beschäftigten ihn: So forderte er unter anderem eine behindertengerechte Gestaltung von Ausstellungsgeländen.
Auf Mallorca erwarb Ludwig Salvator innerhalb von etwa drei Jahrzehnten einen 16 Kilometer langen und bis zu zehn Kilometer tiefen Küstenstreifen zwischen Valldemossa und Deià. Dort sollte die Natur möglichst unberührt bleiben; Bäume durften nicht gefällt und keine neuen Häuser errichtet werden. Sein Hauptwohnsitz war Son Marroig, weitere größere Güter waren Son Moraques und Son Miramar. Für Reisende ließ er ein Gästehaus einrichten, in dem sie drei Tage kostenlos wohnen konnten, sofern sie ihre Verpflegung selbst mitbrachten. Außerdem ließ er ein rund zwölf Kilometer langes Wegenetz in die Berge der Sierra del Teix anlegen und an besonders schönen Aussichtspunkten kleine Miradores errichten.
Der als „Archiduque“ bekannte Erzherzog mied auf Mallorca die Förmlichkeiten des Hofes. Er trug abgenutzte Anzüge oder einfache Kleidung, band seine Manschetten mit Paketschnur zusammen und wurde gelegentlich für einen Bauern, Matrosen oder Landarbeiter gehalten. Er suchte bewusst die Gesellschaft einfacher Menschen, von denen er nach eigener Auffassung oft mehr lernen konnte als von Gelehrten. Am Wiener Hof galt er deshalb als gelehrter Sonderling. Unverheiratet, hatte er zahlreiche Beziehungen zu Frauen und Männern; seine unehelichen Kinder soll er versorgt haben.
Eine besondere Rolle spielte Catalina Homar, die Tochter eines Tischlers. Unter Ludwig Salvators Förderung erlernte sie mehrere Sprachen und wurde Verwalterin seiner Weingüter. In dem von ihm entworfenen Landhaus S’Estaca baute sie Malvasiertrauben an. Die von ihr und den Winzern erzeugten Weine erhielten bei internationalen Ausstellungen zahlreiche Preise. Homar starb 1905 an Lepra, die sie sich angeblich auf einer Reise nach Jerusalem zugezogen hatte.
Ludwig Salvator war mit Kaiserin Elisabeth eng befreundet. „Sisi“ schätzte ihn sehr und besuchte ihn zweimal mit ihrer Yacht auf Mallorca. Ihre Abwesenheit am Heiligen Abend 1892, den sie gemeinsam mit dem Erzherzog verbrachte, sorgte am Wiener Hof für Gerede.
Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs musste Ludwig Salvator 1914 auf Befehl seines Cousins, Kaiser Franz Joseph I., Zindis verlassen und nach Brandeis zurückkehren. Bereits schwer krank und an Elephantiasis leidend, veröffentlichte er dort noch sein letztes Werk über Zärtlichkeitsausdrücke und Koseworte in der friulanischen Sprache. Am 12. Oktober 1915 starb er auf Schloss Brandeis. Entgegen seinem Wunsch wurde er nicht auf Mallorca, sondern in einer Nische der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt. Sein Andenken blieb vor allem mit seiner umfassenden Erforschung des Mittelmeerraums und mit Mallorca verbunden, wo er bis heute als ungekrönter „König der Balearen“ gilt.
Quelle: Ludwig Salvator von Österreich-Toskana (de, 265706278). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
Eltern
Kinder
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Partnerinnen und Partner
Keine geprüften Partnerschaften vorhanden.