Person
Alexander Leopold von Österreich
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
14.08.1772
Tod
22.07.1795
12.07.1795

Bildnachweis
Archduke Alexander Leopold of Austria label QS:Len,"Archduke Alexander Leopold of Austria" label QS:Lde,"Erzherzog Leopold (1772-1795), Palatin von Ungarn, Sohn von Leopold II." label QS:Lhu,"Habsburg–Lotaringiai Sándor Lipót magyar nádor"
Carl von Sales
Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie
Bildquelle: File:Erzherzog Leopold, Palatin von Ungarn.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Erzherzog Alexander Leopold Johann Joseph von Österreich, ungarisch Habsburg–Lotharingiai Sándor Lipót, wurde am 14. August 1772 im Schloss Poggio Imperiale in Florenz geboren. Er war ein Mitglied des Hauses Habsburg-Lothringen, österreichischer Erzherzog, königlicher Prinz von Ungarn und Böhmen sowie Prinz von Toskana. Von 1790 bis zu seinem Tod bekleidete er das Amt des Palatins von Ungarn, das ihn zum höchsten Vertreter des Königs im Königreich machte.
Alexander Leopold war das sechste von insgesamt sechzehn Kindern des toskanischen Großherzogs Leopold und der spanischen Infantin Maria Ludovika von Bourbon. Sein Vater wurde später als Leopold II. römisch-deutscher Kaiser sowie ungarischer und böhmischer König. Zu seinen Geschwistern gehörten mehrere Persönlichkeiten, die in der europäischen Politik, im Militär und in der Kirche bedeutende Rollen übernahmen. Sein ältester Bruder Franz Joseph Karl wurde später als Franz II. römisch-deutscher Kaiser und als Franz I. österreichischer Kaiser. Sein Bruder Ferdinand folgte als Großherzog von Toskana, während Erzherzog Karl eine herausragende militärische Laufbahn einschlug und in den Napoleonischen Kriegen unter anderem den französischen Truppen bei Aspern eine schwere Niederlage zufügte. Auch Alexander Leopolds jüngerer Bruder Joseph Anton wurde später Palatin von Ungarn und trat damit seine unmittelbare Nachfolge an.
Alexander Leopold verbrachte seine Jugend am Hof seines Vaters in Florenz. Nach Erreichen der Volljährigkeit wurde er in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen. Im Jahr 1790 kehrte Leopold nach Wien zurück, um die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Joseph II. anzutreten. In diesem Zusammenhang erhielt Alexander Leopold als damals achtzehnjähriger Erzherzog die Aufgabe, den König in Ungarn zu vertreten. Am 12. November 1790 wählte ihn der ungarische Ständetag zum Palatin.
Während der Regierungszeit seines Vaters orientierte sich Alexander Leopold an dessen politischen Leitlinien. Er vertrat zunächst gemäßigte und ungar freundlich gesinnte Positionen und bemühte sich wiederholt, zwischen den ungarischen Ständen und dem Wiener Hof zu vermitteln. Leopold II. verband seine Herrschaft mit Reformabsichten, die auf Widerstand innerhalb des ungarischen Adels stießen. 1791 beauftragte der Kaiser den Geistlichen und Geheimagenten Ignác Martinovics, die Leibeigenen heimlich gegen den ungarischen Grundbesitzadel aufzuwiegeln, um den Widerstand des Adels gegen die kaiserlichen Reformen zu schwächen. Dieser Plan kam wegen Leopolds unerwartetem Tod am 1. März 1792 nicht zur Umsetzung.
Nach dem Tod seines Vaters bestieg Alexander Leopolds ältester Bruder Franz den Thron. Angesichts der zunehmenden Radikalisierung der Französischen Revolution verfolgte Franz eine deutlich härtere Politik. Er setzte auf eine stärkere Zentralisierung des Reiches, eine strengere polizeiliche Überwachung und die entschlossene Unterdrückung revolutionärer Ideen. Martinovics verlor seine staatliche Unterstützung und seine Bezüge. Aus Verbitterung begann er im Frühjahr 1794, eine patriotisch-revolutionäre Organisation aufzubauen. Die Bewegung wurde 1795 aufgedeckt. Tatsächlich beteiligte sich nur eine kleine Gruppe gebildeter Idealisten und humanistisch gesinnter Patrioten, doch Martinovics belastete in seinen Aussagen zahlreiche ungarische Amtsträger als Teilnehmer oder Sympathisanten.
Der kaum zweiundzwanzigjährige und politisch unerfahrene Palatin war von der scheinbaren Größe der Verschwörung tief erschüttert. Er gewann den Eindruck, der ungarische Adel habe sein Vertrauen missbraucht. Daraufhin entließ er gemäßigt gesinnte ungarische Würdenträger und ersetzte sie durch unbedingt kaisertreue, reformfeindliche Beamte. Zudem legte er seinem Bruder Franz ein äußerst reaktionäres Programm vor. Danach sollten Ordnung und Ruhe in Ungarn durch strenge Pressezensur, polizeiliche Gewalt und harte Strafen gegen oppositionelle Äußerungen gesichert werden. Der Kaiser übernahm diese Vorstellungen. In der Folge führte der Wiener Hof im gesamten Habsburgerreich ein besonders strenges System polizeilicher Unterdrückung ein.
Martinovics und vier führende Mitglieder der sogenannten Direktoren wurden von einem königlichen Gericht zum Tod verurteilt. Am 20. Mai 1795 wurden sie auf der Generalswiese unterhalb der Budaer Burg, dem heutigen Vérmező, enthauptet. Zahlreiche weitere Menschen erhielten lange Haftstrafen oder wurden mit Vermögensbeschlagnahmungen bestraft. Alexander Leopold hatte damit innerhalb weniger Jahre einen deutlichen politischen Wandel vollzogen: Aus einem zunächst vermittelnden und gemäßigten Vertreter der ungarischen Interessen war ein entschiedener Befürworter autoritärer und gegen die Opposition gerichteter Maßnahmen geworden.
Sein eigenes Leben endete nur kurze Zeit später auf tragische Weise. Alexander Leopold beschäftigte sich als Amateur mit Chemie und bereitete im Schloss Laxenburg ein Feuerwerk für den Empfang seiner Schwägerin Maria Theresia, einer Prinzessin von Neapel und Sizilien, vor. Während der Arbeit kam es zu einer Explosion. Der Erzherzog erlitt schwere Verbrennungen und erholte sich nicht mehr von seinen Verletzungen. Nach mehreren Tagen großer Schmerzen starb er am 12. Juli 1795 in Laxenburg im Alter von zweiundzwanzig Jahren. Als Mitglied der kaiserlichen Familie wurde er in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt.
Am 20. September 1795 bestimmte Kaiser Franz seinen neunzehnjährigen Bruder Joseph Anton zum neuen Palatin von Ungarn. Dieser war aufgeklärter und arbeitete wesentlich besser mit den Ungarn zusammen. Seine jahrzehntelange Tätigkeit trug insbesondere zur Entwicklung des Landes sowie der Städte Buda und Pest bei. Alexander Leopolds Andenken wurde unter anderem durch ein 1795 in Buda veröffentlichtes Trauergedicht bewahrt. Außerdem trug eine Straße im heutigen VIII. Budapester Bezirk zeitweise seinen Namen.
Quelle: Habsburg–Lotaringiai Sándor Lipót magyar nádor (hu, 28959890). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
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