Person

Leopold Wölfling

Verbindung zu einer anderen Person finden

Geburt

  1. 02.12.1868

Tod

  1. 04.07.1935

Porträt von Leopold Wölfling
Bildnachweis

Archduke Leopold Ferdinand of Austria

Unknown author Unknown author

royalty digest quarterly

Bildquelle: File:Archduke Leopold Ferdinand of Austria.jpg · Lizenz: Public domain

Für die Darstellung in der Größe angepasst.

Biografie

Leopold Wölfling, geboren als Leopold Ferdinand von Österreich-Toskana, kam am 2. Dezember 1868 in Salzburg zur Welt. Er war ein österreichischer Erzherzog, der später seinen Titel und seinen Familiennamen aufgab und ein wechselvolles Leben außerhalb des Kaiserhauses führte. Sein Vater war Ferdinand IV., der letzte Großherzog der Toskana, seine Mutter dessen zweite Ehefrau Alicia von Bourbon-Parma. Über seinen Vater stammte Leopold von Ferdinand III. von der Toskana ab und war damit ein Ururenkel Kaiser Leopolds II. aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Leopold wuchs in Salzburg auf, wohin sein Vater nach den politischen Umwälzungen und der absehbaren Einigung Italiens übersiedelt war. Ferdinand IV. konnte dort dank der Unterstützung Kaiser Franz Josephs I. weiterhin einen fürstlichen Haushalt führen und seinen Kindern eine anspruchsvolle Ausbildung ermöglichen. Bei Leopold wurde besonderer Wert auf Sprachen gelegt. Er zeigte dafür ebenso Interesse wie für Mathematik, zwei Gebiete, die ihn zeitlebens beschäftigten. Wie viele männliche Mitglieder seiner Familie begann Leopold seine berufliche Laufbahn bei der k.u.k. Kriegsmarine. 1890 wurde er zum Linienschiffsfähnrich befördert. Eine von ihm gewünschte Heirat mit Elvira Maria Teresa, der Tochter des spanischen Thronprätendenten Don Carlos VII., untersagte Kaiser Franz Joseph aus politischen Gründen. Österreich-Ungarn sollte nicht indirekt in die komplizierte spanische Innenpolitik hineingezogen werden. Eine entscheidende Wendung nahm Leopolds Leben während der Weltreise, die der spätere Thronfolger Franz Ferdinand von 1892 bis 1893 mit einem Wissenschaftlerteam auf dem Schiff Kaiserin Elisabeth unternahm. Leopold durfte seinen fünf Jahre älteren Verwandten begleiten, kam aber mit dessen Vorrang bei Hof und an Bord nicht zurecht. Zwischen den beiden kam es zu Spannungen und öffentlichen Auseinandersetzungen. Leopold soll Franz Ferdinand sogar als „Möchtegern-Kaiser“ bezeichnet haben. Nach einer Beschwerde beim Kaiser erhielt Leopold in Sydney den Befehl zur Heimreise. Anschließend wurde er als Hauptmann dem k.u.k. Infanterieregiment Nr. 8 in Brünn zugeteilt. Dorthin nahm er Wilhelmine Adamovic mit, in die er sich verliebt hatte. Sie arbeitete als Prostituierte und war die Tochter eines Postbeamten. Leopold wollte sie heiraten, was innerhalb des Kaiserhauses auf Ablehnung stieß. Nach einer weiteren Versetzung in das weit entfernte Przemyśl in Galizien nahm er Wilhelmine als Haushälterin mit. Zugleich bemühte er sich, ihr gesellschaftliche Umgangsformen sowie Lesen und Schreiben zu vermitteln. Als der Kaiser davon erfuhr, ließ er Leopold in eine Nervenheilanstalt nach Koblenz bringen. Leopolds späteres Einlenken und sein Gesuch um eine neue militärische Verwendung blieben erfolglos; Franz Joseph lehnte kategorisch ab. 1902 reiste Leopold mit Wilhelmine in die Schweiz. Am 14. Dezember desselben Jahres bat er den Kaiser schriftlich, seine Stellung und seinen Rang als Erzherzog ablegen und künftig den Namen Wölfling führen zu dürfen. Franz Joseph stimmte zu und regelte seine finanzielle Versorgung zunächst über den Familienversorgungsfonds des Hauses Habsburg-Lothringen. Als familieninterne Bedingung galt, dass Leopold dauerhaft im Ausland leben sollte. Eine förmliche Ausbürgerung oder Landesverweisung lag jedoch nicht vor. Die Schweiz gewährte Leopold und Wilhelmine, die seit 1903 verheiratet waren, eine Aufenthaltsbewilligung und später das Bürgerrecht. Die Ehe hielt nur vier Jahre. Wilhelmine schloss sich den Siedlern auf dem Monte Verità bei Ascona an. Zu ihnen gehörten die Brüder Karl und Gustav Gräser. Karl Gräser war einst einer von Leopolds Offizieren in Przemyśl gewesen und hatte ihn zeitweise für die Ideen der Lebensreform gewonnen. Kurz nach der Scheidung heiratete Leopold am 26. Oktober 1907 Maria Ritter, eine junge Frau aus dem Münchner Rotlichtmilieu. Das Paar zog nach Paris, doch Maria erkrankte an Nervenfieber, und auch diese Beziehung zerbrach. Leopold lebte danach weitgehend ohne feste Aufgabe. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wollte er wieder in der k.u.k. Armee dienen, wurde jedoch auf Entscheidung des Kaisers abgewiesen. Nach dem Ende des Krieges verschlechterte sich seine finanzielle Lage dramatisch. Mit dem Zusammenbruch der Monarchie entfielen die Zahlungen aus dem Familienfonds; außerdem verlor das Geld durch die Inflation rasch an Wert. Da seine Familie ihn nicht mehr unterstützte, fühlte sich Wölfling auch nicht länger an die Vereinbarung gebunden, im Ausland zu leben. 1922 adoptierte er Aloisia Starik, die später unter verschiedenen Familiennamen lebte. Er nannte sie Luise, und vielfach wurde angenommen, dass sie tatsächlich seine Tochter war. Wölfling fand keine dauerhafte Erwerbsarbeit. Zeitweise soll er als Eintänzer im Berliner Hotel Adlon gearbeitet haben. Außerdem galt er möglicherweise als Vorbild für den Schlager „Schöner Gigolo, armer Gigolo“. Ab Oktober 1926 führte er gemeinsam mit Luise in einem Wiener Gemeindebau in Kaisermühlen eine kleine Greißlerei. Der ehemalige Erzherzog verkaufte dort vor allem Wurst an Donaumatrosen und Kutscher. Nach der Aufgabe des Geschäfts blieben erhebliche Schulden zurück. Eine von der Republik erhoffte Gnadenpension wurde ihm verweigert. 1928 kündigte Wölfling an, seinen Lebensunterhalt als Fremdenführer bestreiten zu wollen, insbesondere in der Wiener Hofburg und in Schloss Schönbrunn. Daneben schrieb er für verschiedene Zeitungen persönliche Erinnerungen und Berichte. 1933 zog er nach Berlin. Dort lebte er mit seiner dritten und deutlich jüngeren Ehefrau Klara Hedwig Pawlowski unter schwierigen finanziellen Bedingungen von Gelegenheitsarbeiten. Trotz seiner prekären Lage blieb er ein begeisterter Anhänger der Nationalsozialisten und sah noch an seinem Sterbebett in den neuen Machthabern Garanten einer besseren Zukunft. Leopold Wölfling starb am 4. Juli 1935 im Alter von 66 Jahren in Berlin. Er wurde auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche in Berlin-Kreuzberg beigesetzt. Sein Grab ist durch ein ungewöhnliches, teilweise vergoldetes schmiedeeisernes Kreuz gekennzeichnet. Die Inschrift nennt sowohl seinen bürgerlichen Namen als auch den abgelegten Titel „Erzherzog von Österreich“. An seine dritte Ehefrau Klara erinnert eine zusätzliche Tafel am Grabfeld. Wölfling veröffentlichte mehrere autobiografische Schriften, darunter „Habsburger unter sich“, „My life story. From archduke to grocer“ und „Als ich Erzherzog war“. Ein bedeutender Teil seines Nachlasses gelangte 2011 in die Österreichische Nationalbibliothek. Die Dokumente beleuchten besonders seine Jahre 1929 bis 1933 und enthalten unter anderem private Unterlagen sowie das Schreiben, mit dem sein Antrag auf finanzielle Versorgung abgelehnt wurde.

Quelle: Leopold Wölfling (de, 263231538). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0

Eltern

Kinder

Keine geprüften Kinderbeziehungen vorhanden.

Partnerinnen und Partner