Person
Karl Pius von Österreich-Toskana
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
04.12.1909
Tod
24.12.1953

Bildnachweis
Carl Pietzner - Erzherzog Leopold Salvator mit Sohn Karl Pius, 1913
Carl Pietzner
Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv Austria, Inventarnr.
Bildquelle: File:Carl Pietzner - Erzherzog Leopold Salvator mit Sohn Karl Pius, 1913.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Carlo Pio von Habsburg-Lothringen, in Spanien als Carlos Pio de Habsburgo-Lorena y de Borbón bekannt, wurde am 4. Dezember 1909 in Wien geboren. Er gehörte dem toskanischen Zweig des Hauses Habsburg an und wurde später als carlistischer Thronprätendent unter dem Namen Karl VIII. bekannt. Carlo Pio war der jüngste Sohn des Erzherzogs Leopold Salvator von Österreich-Toskana und dessen Ehefrau Blanca von Bourbon-Spanien. Seine Mutter war die älteste Tochter von Karl, Herzog von Madrid, der selbst Anspruch auf den spanischen Thron im Namen der carlistischen Bewegung erhoben hatte.
Bei seiner Taufe erhielt Carlo Pio die umfangreichen Namen Karl Pius Maria Adelgonda Bianca Leopold Ignatius Raphael Michael Salvator Cyrillus Angelus Barbara. Zu seinen Taufpaten gehörten Papst Pius X. und Adelgonde von Braganza, Gräfin von Bardi. Seine Kindheit verbrachte er im Palais Toskana in der Argentinierstraße in Wien. Nach dem politischen Umbruch in Österreich wurden 1919 sämtliche Besitzungen der Habsburger von der republikanischen Regierung beschlagnahmt. Carlo Pio zog daraufhin mit seiner Familie in die Tenuta Reale, eine Villa der Familie seiner Mutter in der Nähe von Viareggio. Später lebte die Familie in Barcelona; 1926 erhielt Carlo Pio die spanische Staatsangehörigkeit.
Nach dem Abschluss seiner höheren Schulbildung begann er ein Studium an einer Schule für Wirtschaftsingenieurwesen. Anfang der 1930er Jahre kehrte er nach Österreich zurück und schloss sich der Heimwehr an, einer konservativen Miliz, die sich in Straßenkämpfen mit Kommunisten und Sozialisten auseinandersetzte. In dieser politisch polarisierten Zeit wurde zugleich seine dynastische Herkunft für einen Teil der carlistischen Bewegung zunehmend bedeutsam.
1932 richtete eine Gruppe innerhalb des Carlismus, die nach der Zeitschrift „El Cruzado Español“ als Cruzadistas bezeichnet wurde, ihre Hoffnungen auf die Söhne Blancas von Bourbon-Spanien. Der damals führende carlistische Thronprätendent Alfons Karl, Herzog von San Jaime und ein Großonkel Carlo Pios, war bereits über achtzig Jahre alt und hatte keine eigenen Kinder. Nach Auffassung der Cruzadistas waren König Alfons XIII. und seine Söhne wegen ihres Liberalismus von der Thronfolge ausgeschlossen. Auch andere männliche Angehörige des Hauses Bourbon galten ihnen aus politischen, dynastischen oder nationalen Gründen als nicht geeignet. Deshalb vertraten sie die Minderheitsposition, dass der carlistische Anspruch nach Alfons Karls Tod auf die Söhne seiner nächsten weiblichen Verwandten Blanca übergehen sollte. Alfons Karl selbst wies diese Auffassung zurück.
Während Alfons Karl noch lebte, zögerten Blanca und ihre Söhne, ihre Ansprüche offen geltend zu machen. Nach seinem Tod 1936 unterstützte Carlo Pio zunächst den von Alfons Karl eingesetzten Regenten der carlistischen Gemeinschaft, Prinz Xavier von Bourbon-Parma. Angesichts der unübersichtlichen Lage während des Spanischen Bürgerkriegs erhob er zunächst keinen eindeutigen eigenen Anspruch auf den Thron.
Am 29. Juni 1943 veröffentlichte Carlo Pio schließlich ein Manifest, in dem er sich selbst zum rechtmäßigen Nachfolger auf dem spanischen Thron erklärte. Zu diesem Zeitpunkt lebten noch drei ältere Brüder, von denen jedoch keiner die spanische Krone für sich beanspruchen wollte. 1947 verzichteten seine Brüder Leopold und Franz Joseph in New York formell auf ihre Erbansprüche. Sein Bruder Anton erklärte 1948 in Barcelona mündlich, ebenfalls auf seine Ansprüche zu verzichten. Nach Carlo Pios Tod erhoben Anton und Franz Joseph allerdings erneut eigene Ansprüche; später wurde Antons Sohn Dominik zum aktuellen Prätendenten dieser Linie.
Carlo Pios Anhänger erkannten ihn als Karl VIII. an, weshalb seine Bewegung als Carloctavismus bezeichnet wurde. Er führte den Titel Herzog von Madrid, den bereits sein Großvater mütterlicherseits getragen hatte. Unterstützung erhielt er von einigen besonders konservativen carlistischen Führern und in gewissem Umfang auch von Offizieren des Movimiento Nacional unter General Franco. Die Anhänger Xaviers von Bourbon-Parma sahen darin den Versuch der Franco-Anhänger, die Carlisten zu spalten und zu schwächen.
Carlo Pio lebte zeitweise in Andorra und kehrte anschließend nach Barcelona zurück. Zwischen 1944 und 1951 verlieh er vierzehn Adelstitel und ernannte Mitglieder für den Orden der Verbannten Legitimität sowie für den Orden von Santa Maria del Lilien von Navarra. Außerdem gründete er eine neue Verdienst-Auszeichnung zu Ehren des heiligen Karl Borromäus. 1952 verlieh er deren Halsband an General Franco und das Großkreuz an Kardinal Federico Tedeschini, den päpstlichen Legaten beim Internationalen Eucharistischen Kongress in Barcelona.
Am 8. Mai 1938 heiratete Carlo Pio im Wiener Stephansdom Christa Satzger de Bálványos, die Tochter von Geza Satzger de Bálványos und Maria Alexandrina Friedmann. Die Ehe war morganatisch, weshalb die daraus hervorgegangenen Kinder keine dynastischen Rechte besaßen. Das Paar hatte zwei Töchter: Alessandra Bianca, geboren am 20. Januar 1941, und Maria Immaculata Pia, geboren am 3. Juli 1945. Beide heirateten später und bekamen jeweils drei Kinder. 1990 verlieh Erzherzog Otto ihnen den Titel Gräfinnen von Habsburg. Christa trennte sich 1949 von Carlo Pio; im Dezember 1950 wurde die Ehe in Reno, Nevada, zivilrechtlich geschieden. Im Januar 1951 leitete Carlo Pio zusätzlich ein kirchenrechtliches Verfahren zur Feststellung der Nichtigkeit der Ehe ein, das bei seinem Tod noch nicht abgeschlossen war.
Carlo Pio starb am 24. Dezember 1953 in Barcelona an einer Hirnblutung. Zu seinem Gedenken wurden zahlreiche Trauergottesdienste abgehalten, darunter am 16. Januar 1954 eine Messe in Madrid, an der zahlreiche Regierungsbeamte und Mitglieder des diplomatischen Korps teilnahmen. Seine letzte Ruhestätte fand er im Kloster Santa Maria de Poblet.
Quelle: Carlo Pio d'Asburgo-Lorena (it, 134931209). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0