Biografie
Hartmann von Habsburg wurde vermutlich um 1263 in Rheinfelden geboren und starb am 21. Dezember 1281 im Rhein zwischen Breisach und Oppenheim. Er war der zweitälteste legitime Sohn des römisch-deutschen Königs Rudolf I. von Habsburg und dessen erster Ehefrau Anna von Hohenberg, die vor ihrer Krönung 1273 Gertrud hieß. Hartmann führte die Titel Graf von Habsburg und Kyburg sowie Landgraf des Elsass.
Obwohl nach dem Prinzip der Primogenitur eigentlich sein älterer Bruder Albrecht als erster für die Nachfolge in Betracht kam, plante Rudolf, Hartmann zum künftigen römisch-deutschen König zu machen. Falls sich diese Nachfolge nicht durchsetzen ließ, sollte Hartmann möglicherweise mit dem arelatischen Königreich, also Burgund, belehnt werden. Damit war er schon früh in die politischen Ziele seines Vaters eingebunden. Rudolf soll ihn besonders bevorzugt haben und übertrug ihm bereits in jungen Jahren politische und militärische Aufgaben.
Die geplante Thronfolge wurde auch durch eine internationale Heiratsverbindung abgesichert. 1277 begannen Verhandlungen zwischen Rudolf und dem englischen König Eduard I., um die Häuser Habsburg und Plantagenet miteinander zu verbinden. Im folgenden Jahr verlobte sich Hartmann mit Eduards Tochter Johanna. Die Ehe sollte nicht nur die Beziehungen zwischen den beiden Königshäusern stärken, sondern vermutlich auch Hartmanns Stellung als designierter Nachfolger seines Vaters unterstützen.
Hartmann nahm 1281 an militärischen Unternehmungen gegen Graf Philipp I. von Savoyen teil. Hintergrund war ein Konflikt um Reichsgut, das Savoyen weiterhin in Besitz hielt. Rudolf führte damals eine umfassende Landfriedenspolitik, mit der er nach dem Ende der staufischen Herrschaft die im Reich verbreitete Gewalt und die Macht eigenmächtiger Adliger eindämmen wollte. Hartmann soll im November und Dezember 1281 an einem Feldzug zur Rückgewinnung von Besitzungen im arelatischen Raum beteiligt gewesen sein.
Nach diesen Kämpfen machte er sich auf den Weg zu seinem Vater, der sich bei Oppenheim aufhielt und dort zu Weihnachten einen Reichstag mit den Fürsten abhalten wollte. Hartmann reiste von Breisach aus mit dem Schiff rheinabwärts. Eine zeitgenössische Nachricht an Eduard I. berichtet, dass am Sonntag vor Weihnachten eine so starke Dunkelheit aufkam, dass die Schiffer die Orientierung verloren. Das Boot prallte gegen einen Baumstamm, worauf Hartmann und ein großer Teil seiner Begleitung ertranken. Nach dem heute allgemein akzeptierten Forschungsstand ereignete sich das Unglück am 21. Dezember 1281, dem Thomastag, und nicht, wie ältere Quellen teilweise behaupteten, in einem anderen Jahr.
Der genaue Unfallort war lange umstritten. Ältere Überlieferungen verlegten den Untergang in die Nähe des Klosters Rheinau am Hochrhein, möglicherweise an eine dortige „untere Rheinbrücke“. Die erhaltene zeitgenössische Nachricht deutet jedoch darauf hin, dass Hartmann stromabwärts von Breisach und damit auf dem Oberrhein ums Leben kam. Als mögliche Gegend gilt der Flussabschnitt zwischen dem heutigen elsässischen Rhinau und den angrenzenden Gebieten. Die Bezeichnung Rheinau könnte später zu Verwechslungen mit dem Kloster Rheinau in der Schweiz geführt haben; eindeutig belegt ist eine solche Verwechslung allerdings nicht.
Hartmanns Leichnam wurde im Basler Münster bestattet, wahrscheinlich gemeinsam mit seiner Mutter Anna und seinem jüngsten Bruder Karl. Karl war bereits wenige Monate nach seiner Geburt 1276 gestorben, Anna wiederum im Februar 1281, vermutlich infolge der Geburt ihres Sohnes. Die drei Angehörigen der habsburgischen Familie wurden in Basel beigesetzt; Anna hatte das Münster offenbar als Grablege bestimmt. Das dortige Grabmal wurde beim Erdbeben von 1356 vermutlich zerstört. Danach sollen Hartmanns Gebeine mit den Überresten seiner Mutter und seines Bruders in einer bis heute erhaltenen Kastentumba zusammengelegt worden sein.
In der romanischen Klosterkirche von Rheinau befand sich jedoch ebenfalls ein Grab oder Grabmal für Hartmann. Nach der Überlieferung waren dort seine Eingeweide oder möglicherweise sein Herz getrennt vom übrigen Körper bestattet worden. Eine solche Teilbestattung war im Mittelalter bei hochrangigen Personen nicht ungewöhnlich und konnte der schnelleren Überführung und Bewahrung der sterblichen Überreste dienen. Ob Hartmanns innere Organe tatsächlich in Rheinau beigesetzt wurden oder ob es sich bei dem Grab um ein Kenotaph, also ein Erinnerungsmal ohne Leichnam, handelte, lässt sich nicht sicher feststellen.
Die alte Rheinauer Klosterkirche wurde 1705 abgebrochen. Beim Neubau der barocken Kirche Mariä Himmelfahrt blieb Hartmanns Grabmal zumindest in Form eines Epitaphs erhalten. Das zwischen 1716 und 1717 geschaffene Denkmal befindet sich neben dem Marienaltar und ist von einer stuckierten Ädikula umrahmt. Seine Inschrift wurde 1770 teilweise überschrieben, um ältere Angaben zu korrigieren oder zu ergänzen. Sie nennt unter anderem Hartmanns Verlobung mit Johanna von England, seine angebliche Stellung als Thronfolger und seinen Tod im Rhein.
Die Inschrift enthält jedoch mehrere historische Ungenauigkeiten. Hartmann wird dort als jüngster Sohn Rudolfs bezeichnet, obwohl er dessen zweitältester legitimer Sohn war. Außerdem wird Rudolf als Kaiser bezeichnet, obwohl er zwar zum römisch-deutschen König gewählt und gekrönt wurde, zu Lebzeiten aber nie die Kaiserwürde erlangte. Auch das Sterbedatum weicht in älteren Fassungen ab. Diese Widersprüche zeigen, wie sich die Erinnerung an Hartmanns Leben und Tod im Lauf der Jahrhunderte mit örtlichen Überlieferungen und späteren Deutungen verband.
Hartmanns früher Tod hatte erhebliche Folgen für die habsburgische Reichspolitik. Mit ihm verlor Rudolf seinen mutmaßlich bevorzugten Sohn und vorgesehenen Nachfolger. Die geplante Verbindung mit dem englischen Königshaus kam nicht zustande, und die politische Zukunft der Habsburger entwickelte sich anschließend unter anderen Voraussetzungen, insbesondere durch Hartmanns älteren Bruder Albrecht. Hartmann blieb als vielversprechender junger Prinz in Erinnerung, dessen Leben durch einen Unfall auf dem Rhein beendet wurde, bevor er seine dynastische und politische Rolle ausfüllen konnte.
Quelle: Hartmann von Habsburg (de, 267601177). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
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