Biografie
Judith von Habsburg, auch Guta genannt, wurde am 13. März 1271 in Rheinfelden geboren. Sie war die jüngste Tochter Rudolfs I. von Habsburg, des späteren Königs der Römer, und dessen Ehefrau Gertrud von Hohenberg. Ihre Kindheit war eng mit der politischen Strategie ihres Vaters verbunden. Als Rudolf 1276 in Wien mit seinem früheren Rivalen, dem böhmischen König Ottokar II., Frieden schloss, wurde vereinbart, dass Judith den Thronfolger Wenzel II. heiraten sollte. Die Einigung hielt jedoch nicht lange. Der Konflikt zwischen den beiden Herrschern brach erneut aus und endete 1278 mit Ottokars Niederlage und seinem Tod in der Schlacht auf dem Marchfeld.
Rudolf nutzte anschließend gezielt Heiratsverbindungen, um seine Herrschaft abzusichern. Auch Judiths ältere Schwestern wurden mit einflussreichen Fürsten und Mitgliedern königlicher Familien verheiratet. Judiths eigener Verlobter Wenzel war nach dem Tod seines Vaters noch minderjährig. Der brandenburgische Markgraf Otto V. übernahm seine Vormundschaft und die Regentschaft in Böhmen. Während der Auseinandersetzungen mit Wenzels Mutter Kunigunde von Halitsch wurde der junge Prinz zeitweise auf der Burg Bezděz und in Spandau festgehalten. Erst 1283 kehrte er nach Prag zurück.
Das Eheversprechen zwischen Judith und Wenzel wurde 1279 in Jihlava formell erneuert. Die beiden lernten sich allerdings erst bei ihrer Hochzeit im Januar 1285 in Cheb kennen. Judith erhielt als Mitgift Gebiete vom Herzogtum Österreich über die mährische Grenze bis zur Donau. Nach der feierlichen Hochzeit und der Hochzeitsnacht brachte ihr Vater sie jedoch wieder nach Deutschland zurück, da sie noch sehr jung war. Außerdem missbilligte Rudolf die morganatische Ehe von Wenzels Mutter Kunigunde mit dem böhmischen Adligen Záviš von Falkenstein.
Kunigunde starb noch im selben Jahr. Wenzel schwor Rudolf den Lehnseid, um sein böhmisches Erbe antreten zu können, doch seine Krönung musste verschoben werden, solange Judith nicht an seiner Seite war. Erst im Sommer 1287 verließ sie ihre Familie in Deutschland und zog an den Prager Hof. Ein Jahr später übernahm Wenzel die politische Macht. Judith teilte den Widerwillen ihres Vaters gegen Záviš, der zuvor als Regent großen Einfluss besessen hatte. Sie drängte ihren Ehemann, gegen ihn vorzugehen. Záviš wurde schließlich verhaftet und 1290 auf der Burg Hluboká hingerichtet.
Nach dem Tod Rudolfs I. im Jahr 1291 bemühte sich Judith, ihren Ehemann mit ihrem älteren Bruder Albrecht I. von Habsburg zu versöhnen. Albrecht kämpfte damals mit Adolf von Nassau um die Nachfolge auf dem deutschen Königsthron. Judith trug zudem deutsche Einflüsse an den Prager Hof. Sie förderte unter anderem das Auftreten von Rittern und machte Prag zu einem kulturellen Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches.
Judith unterstützte auch Wenzels Anspruch auf die polnische Königsherrschaft. Wenzel regierte seit 1291 die Herrschaftsregion um Krakau und konnte 1296 die Nachfolge des polnischen Königs Przemysł II. antreten. Judith und Wenzel wurden schließlich am 2. Juni 1297 zu Königen von Böhmen gekrönt. Zu diesem Zeitpunkt war Judith jedoch schwer geschwächt. Sie hatte kurz zuvor ihr zehntes Kind geboren und war während eines großen Teils ihrer zwölfjährigen Ehe schwanger gewesen. Wenige Wochen nach der Krönung starb sie am 21. Mai 1297 in Prag im Alter von 26 Jahren. Ihre gleichnamige jüngste Tochter wurde tot geboren.
Judith und Wenzel hatten zehn Kinder, von denen nur vier das Erwachsenenalter erreichten. Zu ihnen gehörten Wenzel III., der später König von Böhmen, Ungarn und Polen wurde, sowie Anna, Elisabeth und Margarete. Elisabeth heiratete 1310 Johann von Böhmen und wurde die Mutter Kaiser Karls IV. und Großmutter Sigismunds von Luxemburg. Über Elisabeth stammen alle habsburgischen Herrscher der böhmischen Kronländer seit 1526 von Judith ab. Judith war außerdem eine Vorfahrin Annas von Dänemark, der Ehefrau Jakobs I. von England und VI. von Schottland. Zeitgenössische Familienchroniken beschrieben sie als schön, adlig und tugendhaft.
Quelle: Judith de Habsburgo (es, 170436423). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0