Person

Charlotte von Belgien

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Geburt

  1. 07.06.1840

  2. 1840

Tod

  1. 19.01.1927

  2. 1927

Porträt von Charlotte von Belgien
Bildnachweis

Portrait of Charlotte of Belgium

Albert Graefle

[1]

Bildquelle: File:Carlota Amalia de Bélgica.jpg · Lizenz: Public domain

Für die Darstellung in der Größe angepasst.

Biografie

Charlotte von Belgien wurde am 7. Juni 1840 im Palast von Laeken als jüngstes und einziges Mädchen des belgischen Königspaares Leopold I. und Louise von Orléans geboren. Über ihre Mutter war sie eine Enkelin des französischen Königs Louis Philippe I. und dessen Gemahlin Maria Amalia, über ihren Vater mit Königin Victoria von Großbritannien verwandt. Nach der Revolution von 1848, die ihre Großeltern entthronte und ins Exil zwang, verbrachte Charlotte regelmäßig Zeit bei ihrer Familie in England. Der Tod ihrer Mutter im Jahr 1850 prägte sie tief. Aus einem lebhaften Kind wurde eine nachdenkliche, zurückhaltende Jugendliche, die großen Wert auf Bildung, Religion und moralische Pflichterfüllung legte. Sie sprach Französisch, Englisch und Deutsch und entwickelte früh den Anspruch, dass Herrscher Gott und den Menschen gegenüber besonders verantwortlich seien. Als Tochter des belgischen Königs und wegen ihrer Schönheit galt Charlotte als begehrte Heiratskandidatin. Einen Antrag des portugiesischen Königs Pedro V. lehnte sie trotz der Aussicht auf einen Thron ab, da sie in der Krone eher eine schwere Last als ein erstrebenswertes Ziel sah. Im Mai 1856 lernte sie den acht Jahre älteren österreichischen Erzherzog Maximilian kennen. Sie war sofort überzeugt, ihn heiraten zu wollen. Die Verlobung wurde im Dezember desselben Jahres gefeiert, am 27. Juli 1857 fand die Hochzeit im königlichen Palast von Brüssel statt. Durch die Verbindung mit dem Haus Habsburg-Lothringen gewann die junge belgische Dynastie zusätzliches Ansehen. Das Verhältnis zu Maximilians Familie blieb jedoch schwierig. In Wien geriet Charlotte in Spannung zu Kaiserin Elisabeth, der Ehefrau ihres Schwagers Franz Joseph I. Charlotte störte besonders die enge Vertrautheit zwischen Elisabeth und Maximilian. Als Maximilian 1857 zum Vizekönig von Lombardo-Venetien ernannt wurde, zog das Paar nach Mailand und verbrachte viel Zeit in Venedig und auf Schloss Miramare bei Triest. Charlotte nahm an repräsentativen Aufgaben teil, besuchte Schulen und wohltätige Einrichtungen und widmete sich dem Reiten, Malen und Schwimmen. Außerdem beteiligte sie sich an der Gestaltung der Gärten von Miramare. Zugleich entfernte sich Maximilian zunehmend von ihr, und Charlotte klagte über Einsamkeit und Langeweile. Maximilian musste sein Amt 1859 auf Druck des Wiener Hofes aufgeben, weil seine als zu liberal geltende Politik, seine Nachsicht gegenüber italienischen Aufständischen und seine hohen Ausgaben missbilligt wurden. Das Paar zog sich nach Miramare zurück. Dort wurde Charlotte mit einem politischen Plan konfrontiert, der ihr Leben bestimmen sollte: Napoleon III. von Frankreich wollte in Mexiko ein von Frankreich abhängiges, katholisches Kaiserreich errichten und suchte dafür einen geeigneten Herrscher. Mexikanische konservative Emigranten boten Maximilian die Krone an. Obwohl er zögerte und seine Unterstützung im Land überschätzt wurde, überzeugte Charlotte ihn, die Aufgabe als historische Mission zur Wiederherstellung von Ordnung und Zivilisation unter habsburgischer Führung anzunehmen. Am 10. April 1864 wurden Maximilian und Charlotte in Miramare zu Kaiser und Kaiserin von Mexiko ausgerufen. Nach einer Reise über Rom und den Atlantik erreichten sie am 28. Mai Veracruz und zogen am 12. Juni in Mexiko-Stadt ein. Sie machten Schloss Chapultepec zu ihrer Hauptresidenz und begannen trotz der angespannten Finanzlage mit kostspieligen Verbesserungen. Charlotte spielte eine wichtige Rolle bei Festen, Paraden und offiziellen Veranstaltungen und stand an der Spitze des neu geschaffenen Ordens von San Carlos. Wenn Maximilian abwesend war, ernannte er sie zur Regentin. Sie leitete dann den Ministerrat und empfing sonntags die Öffentlichkeit; deshalb gilt sie als erste Frau, die in den Amerikas selbstständig regierte. Die Herrschaft des Kaiserpaares blieb von Anfang an unsicher. Frankreich, Belgien und Österreich unterstützten Maximilian militärisch, doch im Land tobte ein Bürgerkrieg zwischen Republikanern und Anhängern des Kaiserreichs. Maximilian versuchte, liberale und konservative Kräfte zu versöhnen. Seine Säkularisierungspolitik entfremdete ihn jedoch den Konservativen und dem Klerus, während die Republikaner unter Benito Juárez ihren Widerstand fortsetzten. Unter dem Druck der französischen Armee erließ Maximilian 1865 ein Gesetz, das bewaffnete Gegner ohne reguläres Verfahren zum Tode verurteilen ließ. Hunderte Aufständische und politische Gegner wurden daraufhin hingerichtet. Charlotte unternahm Ende 1865 eine Reise nach Yucatán, wo sie vergleichsweise freundlich empfangen wurde und die Ruinen von Uxmal besichtigte. Als Napoleon III. Anfang 1866 den Abzug der französischen Truppen beschloss, war das mexikanische Kaiserreich militärisch kaum noch zu halten. Charlotte reiste im Juli 1866 nach Europa, um Napoleon persönlich um eine Fortsetzung der Unterstützung zu bitten. Ihre Gespräche in Frankreich scheiterten jedoch. Auch Papst Pius IX., den sie anschließend in Rom aufsuchte, wollte sich nicht weiter für das mexikanische Unternehmen einsetzen. Die wiederholten Zurückweisungen stürzten Charlotte in eine schwere psychische Krise. Sie entwickelte Verfolgungs- und Vergiftungsängste, verweigerte zeitweise Nahrung und Wasser und bat den Papst sogar, sie in den Vatikan aufzunehmen. Ärzte diagnostizierten später eine schwere psychische Erkrankung, deren genaue Ursache bis heute unterschiedlich gedeutet wird. Während Charlotte in Europa festgehalten und schließlich nach Belgien zurückgebracht wurde, wurde Maximilian in Mexiko gefangen genommen und am 19. Juni 1867 unter Benito Juárez erschossen. Ihre Familie verschwieg ihr seinen Tod zunächst. Erst im Januar 1868 erfuhr Charlotte davon und war zutiefst erschüttert. Sie lebte zunächst im Pavillon von Tervuren und im Palast von Laeken, ab 1879 dauerhaft auf Schloss Bouchout in Meise. Dort blieb sie 48 Jahre lang weitgehend von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Ihre geistige Verfassung schwankte zwischen langen Phasen der Stille, verwirrten Gesprächen und heftigen Wutausbrüchen. Sie bewahrte die Erinnerung an Maximilian, beschäftigte sich mit Spaziergängen, Handarbeiten, Kartenspielen und Musik und erhielt nur gelegentlich Besuch von Verwandten. Auch während des Ersten Weltkriegs blieb ihr Leben auf Bouchout weitgehend unverändert. Ihr Status als österreichische Erzherzogin bewahrte das Anwesen vor Eingriffen der deutschen Besatzungsmacht. Charlotte starb am 19. Januar 1927 im Alter von 86 Jahren an einer durch Influenza ausgelösten Lungenentzündung. Sie wurde in der königlichen Krypta der Liebfrauenkirche von Laeken beigesetzt. Ihr bewegtes Leben als belgische Prinzessin, österreichische Erzherzogin und Kaiserin von Mexiko blieb eng mit dem Scheitern des mexikanischen Kaiserreichs, dem Verlust ihres Ehemanns und ihrer jahrzehntelangen psychischen Isolation verbunden.

Quelle: Charlotte of Belgium (en, 1374323663). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0

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