Person
Barbara von Rottal
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
29.06.1500
22.07.1500
31.03.1501
Tod
31.03.1550
Biografie
Barbara von Rottal, Freiin von Thalberg, wurde am 22. Juli 1500 oder am 31. März 1501 geboren und starb 1550 vermutlich auf der Herrschaft Fulnek in Mähren. Sie war eine österreichische Adelige und wurde durch ihre erste Ehe zur Stammmutter des später gräflichen und fürstlichen Hauses Dietrichstein. Über ihre Nachkommen war sie mit zahlreichen bedeutenden Adelsfamilien der österreichischen Erblande, Böhmens, Deutschlands, Ungarns sowie Spaniens, Portugals und Italiens verbunden.
Ihre Herkunft ist bis heute von Widersprüchen geprägt. Offiziell galt Barbara als Tochter des österreichischen Freiherrn Georg von Rottal zu Thalberg, der oberster Landhofmeister der niederösterreichischen Lande war, und dessen Ehefrau Margarethe von Rappach. Zugleich gibt es starke Hinweise darauf, dass Kaiser Maximilian I. ihr leiblicher Vater gewesen sein könnte. Historiker und Genealogen untersuchten diese Frage wiederholt, kamen jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Auch die Identität ihrer Mutter wurde diskutiert. Während einzelne Forscher Margarethe von Rappach als Mutter bezweifelten, sprechen zeitgenössische Darstellungen der Hochzeitsfeierlichkeiten von 1515 dafür, dass sie bei Barbaras Vermählung ausdrücklich als Brautmutter auftrat. Margarethe stammte aus dem steirischen Adelsgeschlecht von Rappach und starb 1522.
Für eine uneheliche Abstammung von Kaiser Maximilian werden vor allem dessen ungewöhnliches persönliches Interesse an Barbaras Zukunft und die außergewöhnlichen Umstände ihrer Heirat angeführt. Bereits 1508, als Barbara erst etwa acht Jahre alt war, verpflichtete Maximilian den 25-jährigen Siegmund von Dietrichstein vertraglich, sich nicht ohne kaiserliche Zustimmung zu vermählen. Der Kaiser unterstützte Dietrichstein zugleich durch die Übertragung und den Verkauf bedeutender Besitzungen. 1513 wandte sich Georg von Rottal in einer auffälligen Vereinbarung an Maximilian mit der Bitte, dieser möge Barbara mit Dietrichstein verheiraten. Später setzte der Kaiser den Bräutigam weiter unter Druck und verband die geplante Ehe mit politischen und finanziellen Verpflichtungen.
Maximilian förderte Dietrichsteins Aufstieg auch unmittelbar vor der Hochzeit. Er verkaufte ihm mehrere Herrschaften und erhob ihn 1514 mit seinen ehelichen Nachkommen in den Freiherrenstand des Heiligen Römischen Reiches. Georg von Rottal vermachte Barbara 1514 in seinem Testament umfangreiche Güter, darunter Thalberg, ein Haus in der Wiener Herrengasse sowie weitere Besitzungen in Österreich, Ungarn und der Steiermark. Für den Fall, dass Barbara kinderlos sterben sollte, sollte ihr künftiger Ehemann Dietrichstein erben. 1515 ernannte Maximilian Dietrichstein zum Landeshauptmann der Steiermark und übertrug ihm weitere Herrschaften.
Die Hochzeit Barbaras und Siegmunds von Dietrichstein fand am 23. Juli 1515 in Wien statt. Sie war kein gewöhnliches Adelsfest, sondern wurde in den Rahmen des Wiener Fürstentages gestellt, bei dem am Vortag durch eine habsburgisch-jagiellonische Doppelhochzeit wichtige Grundlagen für den späteren Erwerb Böhmens und Ungarns durch die Habsburger geschaffen worden waren. Barbaras Vermählung wurde von einem Ritterturnier begleitet. Am Abend fand in der Wiener Hofburg ein aufwendiges Festmahl mit zahlreichen europäischen Fürsten, Königen, Kardinälen und Bischöfen statt. Besonders bemerkenswert war Barbaras Ehrenplatz: Sie saß zur Rechten Kaiser Maximilians und zur Linken König Vladislavs II. von Böhmen und Ungarn und wurde damit sogar höher eingestuft als königliche Prinzessinnen. Ihre Mutter Margarethe war als Brautmutter anwesend, während Georg von Rottal auffällig fehlte. Diese ungewöhnliche Behandlung gilt als eines der stärksten Indizien für eine besondere, möglicherweise väterliche Beziehung Maximilians zu Barbara.
Barbara wuchs im Haushalt ihrer Mutter und ihres nominellen Vaters in deren Wiener Haus auf. Dieses Gebäude fiel später durch ihre Ehe an die Familie Dietrichstein und wurde zunächst Palais Dietrichstein, später Palais Modena genannt. Heute befindet es sich im Besitz des österreichischen Staates. Nach der Hochzeit war Barbaras Leben eng mit der Laufbahn ihres Ehemannes verbunden. Siegmund von Dietrichstein bekleidete hohe politische Ämter, war Landeshauptmann der Steiermark und Statthalter von Innerösterreich und übernahm militärische Aufgaben. 1516 schlug er bei Pettau einen großen Aufstand slowenischer Bauern nieder, die gegen steigende Türkensteuern protestierten. 1525 scheiterte dagegen sein Versuch, den in der Festung Hohenwerfen belagerten Salzburger Erzbischof Matthäus Lang zu befreien; wegen einer Meuterei seiner eigenen, nicht bezahlten Truppen geriet er vorübergehend in Gefangenschaft.
Der Tod Kaiser Maximilians im Jahr 1519 bedeutete für Barbara einen wichtigen Einschnitt. Dennoch blieb ihre Familie dem habsburgischen Hof eng verbunden. Dietrichstein wirkte 1520 als Stellvertreter Kaiser Ferdinands I. bei dessen Trauung mit Anna von Böhmen und Ungarn mit und nahm 1521 in Linz als Obersthofmeister an der Feier des Brautlagers teil. Siegmund starb am 19. Mai 1533 auf Burg Finkenstein und wurde in Villach bestattet.
Kurz nach seinem Tod regelte Barbara in ihrem Testament den Besitz, den sie aus dem Erbe ihres Vaters erhalten hatte. Dazu gehörten unter anderem Schloss und Herrschaft Thalberg, das Wiener Haus sowie die Herrschaften Hollenburg und Finkenstein. Danach zog sie sich aus dem Wiener Hofleben zurück. 1534 oder 1535 heiratete sie in zweiter Ehe den schlesischen Adligen Ulrich von Czettritz von Kinsberg. Mit ihm lebte sie auf seinen Besitzungen, insbesondere in Fulnek in Mähren. Nach seinem Tod blieb sie dort und heiratete 1544 in dritter Ehe Balthasar von Schweinitz auf Pilmsdorf. An den Feierlichkeiten nahmen die Söhne Kaiser Ferdinands I., Maximilian und Ferdinand, teil.
Aus ihrer ersten Ehe gingen sechs Kinder hervor, darunter Siegmund Georg und Adam von Dietrichstein. Adam wurde zum Stammvater der Nikolsburger beziehungsweise fürstlichen Linie. Zu seinen Nachkommen gehörte Kardinal Franz Seraph von Dietrichstein, der Fürstbischof von Olmütz wurde. Auch aus Barbaras zweiter und dritter Ehe gingen jeweils Töchter hervor. Barbara starb vermutlich am 31. Mai 1550 auf Schloss Fulnek; in der einleitenden Überlieferung wird teils auch der 31. März genannt. Beigesetzt wurde sie in der Wiener Minoritenkirche in der Gruft ihrer mütterlichen Familie, wo bereits Angehörige der Familien von Rottal und Rappach bestattet worden waren. Anlässlich ihrer Hochzeit mit Siegmund von Dietrichstein wurden zudem Medaillen geprägt, die das Paar in namentlicher Darstellung zeigen.
Quelle: Barbara von Rottal (de, 266207506). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0