Biografie
Ana von Österreich wurde je nach Überlieferung 1275, 1278 oder 1280 in Wien oder Graz geboren. Sie war die älteste Tochter König Albrechts I. von Deutschland und seiner Ehefrau Elisabeth von Görz-Tirol. Über ihren Vater stammte sie aus der frühen habsburgischen Königsdynastie: Ihre Großeltern väterlicherseits waren König Rudolf I., der erste römisch-deutsche König aus dem Haus Habsburg, und dessen erste Ehefrau Gertrud von Hohenberg. Mütterlicherseits waren Meinard II., Herzog von Kärnten, und Elisabeth von Bayern ihre Großeltern. Ana wuchs in einer weitverzweigten fürstlichen Familie auf. Zu ihren jüngeren Geschwistern gehörten unter anderem Agnes, die als Ehefrau König Andreas’ III. Königin von Ungarn wurde, König Rudolf I. von Böhmen, Elisabeth, Herzogin von Lothringen, sowie die österreichischen Herzöge Leopold I., Albrecht II. und Otto I. Auch Katharina, die später den Herzog von Kalabrien heiratete, gehörte zu ihren Geschwistern.
Im September oder Oktober 1295 heiratete Ana in Graz Hermann von Brandenburg-Salzwedel. Er war ein Sohn Ottos V. von Brandenburg-Salzwedel und dessen Ehefrau Jutta von Henneberg-Coburg. Durch Hermanns Aufstieg im Jahr 1298 wurde Ana Markgräfin von Brandenburg-Salzwedel. In dieser Stellung folgte sie ihrer väterlichen Tante Edwig, die zuvor Markgräfin gewesen war. Anas erste Ehe dauerte bis zu Hermanns Tod, der zu Beginn des Jahres 1308 eintrat. Aus der Verbindung gingen vier Kinder hervor: drei Töchter und ein Sohn.
Die Ehe verband Ana mit einem bedeutenden brandenburgischen Fürstenhaus und machte sie zur Mutter mehrerer Erbinnen, deren spätere Ehen und Besitzansprüche die dynastischen Beziehungen ihrer Zeit weiterführten. Ihre älteste Tochter Agnes wurde Erbin der Altmark, eines Gebietes, das heute zum deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt gehört. Sie heiratete zunächst Waldemar von Brandenburg-Stendal und später Herzog Otto von Braunschweig-Lüneburg. Mathilde wurde die Ehefrau Herzog Heinrichs IV. von Sagan und hatte mit ihm fünf Kinder. Judith erbte Coburg und heiratete Graf Heinrich VI. von Henneberg; aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Der einzige Sohn, Johann V. von Brandenburg-Salzwedel, trat die Nachfolge seines Vaters an. Er war mit Katharina von Glogau verheiratet, hinterließ jedoch keine Nachkommen und starb bereits 1317.
Nach dem Tod ihres ersten Mannes ging Ana bald eine zweite Ehe ein. Im Jahr 1310 heiratete sie Herzog Heinrich VI. von Schlesien. Heinrich war ein Sohn Heinrichs V. von Schlesien und Elisabeths von Polen. Die kirchliche Dispens für diese Verbindung wurde allerdings erst am 28. Mai 1322 in Avignon ausgestellt. Die Ehe führte Ana in das schlesische Herzogshaus und machte sie zur Herzogin von Breslau. Auch aus dieser Verbindung gingen drei Töchter hervor.
Elisabeth von Breslau wurde 1311 geboren und heiratete als erste Ehefrau Herzog Konrad I. von Oels. Sie starb bereits 1328 und hatte keine Kinder. Euphemia, Anas zweite Tochter aus ihrer Ehe mit Heinrich VI., heiratete Herzog Bolko von Falkenberg, auch Bolesław von Niemodlin genannt. Das Paar hatte acht Kinder. Die jüngste Tochter, Margarethe von Breslau, schlug einen geistlichen Lebensweg ein. Sie wurde Nonne und später Äbtissin des Klarissenklosters in Breslau.
Ana starb am 19. März 1327 in Breslau oder Liegnitz. Da ihr Geburtsjahr nicht eindeutig überliefert ist, wird ihr Alter bei ihrem Tod mit etwa 47 bis 52 Jahren angegeben. Sie wurde in der Klarissenkirche in Breslau bestattet. Ihr Leben war durch zwei bedeutende Fürstenehen geprägt, die sie zunächst mit der Markgrafschaft Brandenburg-Salzwedel und später mit dem Herzogtum Breslau verbanden. Als Tochter eines deutschen Königs, Ehefrau zweier hochrangiger Fürsten und Mutter von sieben Töchtern beziehungsweise einem Sohn stand sie zugleich im Mittelpunkt jener dynastischen Beziehungen, durch die im europäischen Hochmittelalter Erbschaften, Herrschaftsansprüche und politische Verbindungen zwischen den Fürstenhäusern geregelt wurden.
Quelle: Ana da Áustria, Duquesa da Breslávia (pt, 70208070). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0