Biografie
Maria Adinolfo Leopoldo Antonio Ettore Lucchesi-Palli, der 10. Fürst von Campofranco und 5. Herzog von Grazia, wurde am 10. März 1840 auf Schloss Brunnsee bei Graz geboren. Er entstammte der alten italienischen Adelsfamilie Lucchesi-Palli und war der einzige Sohn von Ettore Lucchesi-Palli, dem 4. Herzog von Grazia, und Prinzessin Marie-Caroline von Bourbon-Zwei-Sizilien. Seine familiäre Herkunft verband ihn mit mehreren europäischen Herrscherhäusern und bedeutenden Adelsgeschlechtern.
Seine Mutter war zuvor mit Prinz Charles Ferdinand, Herzog von Berry, einem Mitglied der französischen Königsfamilie, verheiratet gewesen. Dieser wurde 1820 ermordet. Aus dieser Ehe stammten Adinolfos Halbgeschwister Prinzessin Louise Marie Thérèse und Henri, Graf von Chambord. Kurz nach ihrer Heirat mit Adinolfos Vater führte Marie-Caroline erfolglos einen Aufstand gegen König Louis-Philippe I. an, um ihren Sohn Henri auf den französischen Thron zu bringen. Über seine Mutter war Adinolfo außerdem ein Neffe mehrerer Angehöriger der bourbonischen und habsburgischen Dynastien, darunter König Ferdinand II. der beiden Sizilien, Königin Maria Cristina von Spanien und Kaiserin Teresa Cristina von Brasilien.
Zu Adinolfos Geschwistern gehörten Donna Francesca Lucchesi-Palli, die Carlo Camillo Massimo, den 3. Fürsten von Arsoli, heiratete, sowie Donna Maria Isabella Lucchesi-Palli, die zunächst mit Maximilien, Marquis von Cavriani, und nach dessen Tod mit Graf Giovanni Battista de Conti verheiratet war. Seine väterlichen Großeltern waren Antonio Lucchesi-Palli, der 7. Fürst von Campofranco und 3. Herzog von Grazia, und Anna Maria Francisca Paola Pignatelli Tagliavia d’Aragona. Auch in der folgenden Generation bestanden enge Verbindungen zu europäischen Fürstenhäusern: Sein Neffe Prinz Fabrizio Massimo di Roviano heiratete die karlistische Prinzessin Beatriz de Borbón y de Borbón-Parma.
Nach dem Tod seines Vaters am 1. April 1864 erbte Adinolfo die Titel des 10. Fürsten von Campofranco und des 5. Herzogs von Grazia. Der Familientradition folgend trat er in den diplomatischen Dienst des Königreichs Italien ein. Als ältester Sohn war er zunächst vor allem mit der Verwaltung der Güter seiner Familie befasst, insbesondere der Besitzungen auf Schloss Brunnsee und Schloss Weinburg am Saßbach.
Eine kurze, aber historisch bemerkenswerte Rolle spielte Adinolfo bei der Gründung des Internationalen Olympischen Komitees. Als 1894 in Paris das Komitee ins Leben gerufen wurde, war er Vizekonsul an der italienischen Botschaft. Pierre de Coubertin wollte das neue Gremium mit angesehenen Persönlichkeiten und Sportfachleuten aus möglichst vielen Ländern besetzen. Adinolfo entsprach diesem Profil und vertrat zugleich die italienischen Interessen, da die eingeladene Italienische Turnföderation aus finanziellen Gründen nicht zum Gründungskongress reisen konnte. Er trat dem Komitee unter der Bedingung bei, bei nächster Gelegenheit einen geeigneten Nachfolger vorschlagen zu dürfen. Deshalb dauerte seine Mitgliedschaft nur drei Monate. Anschließend übergab er den Sitz an Riccardo Carafa della Stadera. Für seine Verdienste wurde Adinolfo mit dem Großkreuz des Malteserordens ausgezeichnet.
Am 7. Oktober 1860 heiratete Adinolfo auf Schloss Brunnsee Prinzessin Lucrezia Nicoletta Sasso-Ruffo. Sie war eine Tochter von Vincenzo Ruffo, dem 12. Herzog von Bagnara, und Sarah Louisa Strachan, der Tochter von Sir Richard Strachan, dem 6. Baronet. Ihr jüngerer Bruder war Prinz Ruffo, das Oberhaupt des Zweigs Motta-Bagnara. Adinolfo und Lucrezia hatten sieben Kinder.
Ihr ältester Sohn Enrico, geboren 1861, wurde später der 11. Fürst von Campofranco. Er heiratete 1892 Maria Rainiera, die 1. Gräfin von Waideck. Die Tochter Maria Renata heiratete 1901 Edward Onslow Moore. Donna Bianca wurde 190? mit Prinz Georg von Salm-Reifferscheidt-Krautheim verheiratet, einem Sohn des 4. Fürsten von Salm-Reifferscheidt-Krautheim. Der 1868 geborene Carlo folgte später als 12. Fürst von Campofranco. Er heiratete zunächst 1893 Gräfin Sidonie von Fünfkirchen und nach ihrem Tod Prinzessin Henriette von Salm-Salm. Der Sohn Pietro, Graf von Lucchesi-Pailli, heiratete Prinzessin Béatrice von Parma. Die jüngeren Töchter Caroline und Gabrielle gingen Ehen mit Graf Rudolf von Enzenberg zum Freyen und Jöchelsthurn beziehungsweise Girolamo Brandolini d’Adda ein.
Adinolfo Lucchesi-Palli starb am 4. Februar 1911 auf Schloss Brunnsee. Seine Adelstitel gingen auf seinen ältesten Sohn Enrico über. Über diesen blieb er auch in der nächsten Generation präsent: Zu seinen Enkeln gehörte Donna Maria Renata Lucchesi-Palli del Principi di Campofranco, die 1922 Graf Siegfried von Küenburg heiratete.
Quelle: Adinolfo Lucchesi-Palli, 10th Prince of Campofranco (en, 1358138604). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0