Biografie
Sébastien I., genannt „der Erwünschte“, wurde am 20. Januar 1554 in Lissabon geboren und starb am 4. August 1578 in der Schlacht der Drei Könige bei Ksar el-Kebir in Marokko. Von 1557 bis zu seinem Tod war er König von Portugal und der vorletzte Herrscher aus dem Haus Avis.
Sébastien war der Sohn des portugiesischen Thronfolgers Johann Manuel und Johanna von Österreich. Sein Vater starb bereits achtzehn Tage vor seiner Geburt. Als Sébastien drei Jahre alt war, folgte er seinem Großvater Johann III. auf den Thron. Da seine Mutter nach dem Tod ihres Mannes nach Österreich zurückgekehrt war, übernahm zunächst seine Großmutter Katharina von Kastilien die Regentschaft. Sie regierte von 1557 bis 1562 und war beim Volk sehr beliebt. Danach ging die Regentschaft an Sébastiens Großonkel, Kardinal Heinrich von Portugal, der das Land bis 1568 führte.
Der junge König erhielt seine Ausbildung bei Jesuiten und Dominikanern. Besonders stark beeinflussten ihn sein Beichtvater Luis Gonçalves de Câmara und dessen Bruder Martim, der nach Sébastiens Volljährigkeit zu seinem wichtigsten Minister wurde und diese Stellung bis 1576 behielt. Während der Regentschaft setzte Portugal seine koloniale Expansion in Angola, Mosambik, Malakka und Macau fort. Zugleich gewann die Kirche großen Einfluss. Neue Bistümer wurden im portugiesischen Mutterland und in Übersee eingerichtet, die Inquisition wurde gestärkt und auf die indischen Kolonien ausgeweitet. Die Beschlüsse des Konzils von Trient wurden bestätigt und umgesetzt. 1559 entstand in Évora eine neue Universität, deren Lehre der Gesellschaft Jesu anvertraut wurde. In Goa begann 1562 der Bau der Kathedrale Santa Catarina.
Als Sébastien 1568 die persönliche Herrschaft übernahm, widmete er sich sowohl der Regierung als auch ehrgeizigen Eroberungsplänen in Nordafrika. Mehrere Verhandlungen über eine Ehe, unter anderem mit der Erzherzogin Elisabeth von Österreich, blieben ohne Ergebnis; der König heiratete nie. Zeitgenössische und spätere Urteile beschrieben ihn als religiös, streng, keusch und körperlich leidenschaftlich, zugleich aber als aufbrausend, gewalttätig und bisweilen despotisch. Er begeisterte sich für Jagd, Turniere und andere körperliche Übungen. Seine Hofleute bestärkten ihn in seinem kriegerischen Ehrgeiz.
Sébastien wollte die von seinem Großvater aufgegebenen nordafrikanischen Ziele wieder aufnehmen und das portugiesische Gebiet in Marokko erweitern. Für seine Vorhaben verlangte er finanzielle Unterstützung von der Kirche und erhob zusätzliche Steuern. Da die Mittel nicht ausreichten, nahm er Kredite auf und gewährte dafür unter anderem zeitlich begrenzte Handelsmonopole. Auch innenpolitisch war Portugal von Machtkämpfen zwischen seiner Großmutter Katharina und ihren Gegnern geprägt. Ein 1570 erlassenes Gesetz beschränkte den Luxus und regelte unter anderem erlaubte Fleischsorten, Ausgaben und Einfuhren. Sébastien schenkte den inneren Problemen jedoch wenig Aufmerksamkeit; sein wichtigstes Ziel blieb ein ruhmreicher Feldzug in Afrika.
1571 stellte er ein Eliteheer auf, das er 1574 bei einem dreimonatigen Aufenthalt in Marokko praktisch erproben wollte. Wegen seiner geringen Truppenstärke kam es dort allerdings nur zu kleineren Gefechten. Danach bereitete Sébastien eine größere Expedition vor. Er versprach seine Unterstützung Mulay Muhammad al-Mutawakkil, dem 1575 abgesetzten Sultan von Marokko, der seinen Thron gegen seinen Onkel Abd al-Malik zurückgewinnen wollte. Sébastien bemühte sich um die Hilfe Philipps II. von Spanien. Dieser stellte zwar Galeeren und Soldaten in Aussicht, bezweifelte jedoch den Erfolg des Unternehmens und verlangte zunächst, dass der Feldzug auf das Jahr 1577 beschränkt und nicht über Larache hinaus ausgedehnt werde. Schließlich ließ Spanien den portugiesischen König weitgehend allein, unter anderem wegen neuer Kämpfe in Flandern und der unzureichenden portugiesischen Vorbereitungen.
Trotz der Warnungen portugiesischer Befehlshaber und der Ratschläge zur Vorsicht entschloss sich Sébastien im Sommer 1578 zum Angriff. Am 17. Juni schiffte sich sein Heer in Lissabon ein. Es bestand aus etwa 15.500 Fußsoldaten, mehr als 1.500 Reitern und weiteren Hilfskräften; ungefähr die Hälfte der Truppen waren keine Portugiesen. Nach der Landung bei Tanger und einem Aufenthalt in Arzila wählte Sébastien den beschwerlichen Weg durch das Landesinnere, obwohl ihm geraten worden war, zunächst Larache einzunehmen. Hitze, Wassermangel und Angriffe einheimischer Truppen erschwerten den Marsch. Als sich die Möglichkeit bot, nach Arzila zurückzukehren, war die Flotte bereits weitergefahren. Sébastien setzte den Vormarsch entlang der Flüsse Makhazin und Loukkos fort.
Am 4. August kam es bei Alcácer-Quibir zur Schlacht. Sébastiens Heer verfügte über rund 15.000 Fußsoldaten, mehr als 2.000 Reiter und 36 Kanonen. Ihm stand eine zahlenmäßig überlegene Armee Abd al-Maliks gegenüber, die über zahlreiche Reiter und eigene Artillerie verfügte. Der portugiesische König griff mit der Vorhut an und ließ dadurch den größten Teil seines Heeres ohne unmittelbare Führung zurück. Aus dem Rückzugsruf der Vorhut wurde eine allgemeine Flucht. Die portugiesische Artillerie wurde ausgeschaltet, und die Schlacht endete in einem chaotischen Nahkampf. Sébastien lehnte es ab, sich in Sicherheit zu bringen, und fiel im Kampf. Etwa 7.000 portugiesische Soldaten starben, die meisten anderen gerieten in Gefangenschaft; weniger als hundert kehrten nach Lissabon zurück. Auch Abd al-Malik und Mulay Muhammad kamen ums Leben.
Die Niederlage war die schwerste Katastrophe der portugiesischen Geschichte. Sie kostete die Krone ungefähr eine Million Cruzados und führte zur Gefangennahme oder zum Tod großer Teile der politischen und militärischen Elite. Sébastiens Leichnam wurde zunächst in Alcácer-Quibir bestattet, später nach Ceuta gebracht und 1582 auf Befehl Philipps II. in das Hieronymitenkloster von Belém überführt.
Da sich die Nachrichten über die Schlacht nur langsam verbreiteten und widersprüchliche Berichte über Sébastiens Tod kursierten, glaubten viele Portugiesen, der König sei entkommen. Es entstand die Vorstellung vom „schlafenden König“, der Portugal eines Tages retten werde. Zwischen 1584 und 1598 traten vier Männer als angeblicher Sébastien auf. Sie erhielten teils beträchtliche Unterstützung, wurden jedoch nacheinander entlarvt, verurteilt oder hingerichtet. Der Glaube an seine Rückkehr blieb sogar im 19. Jahrhundert bei portugiesischen Bauern in Brasilien lebendig.
Nach Sébastiens Tod übernahm sein Onkel Heinrich als Heinrich I. den Thron, starb jedoch zwei Jahre später ohne Nachkommen. Der folgende Erbstreit endete 1580 mit dem Sieg Philipps II. von Spanien und der Eingliederung Portugals in die Iberische Union. Sébastiens Leben und sein verhängnisvoller Afrikafeldzug prägten danach die portugiesische Erinnerung und inspirierten unter anderem Bühnenwerke von Paul Foucher und Gaetano Donizetti.
Quelle: Sébastien Ier (fr, 238911300). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0