Person
Olga Nikolajewna Romanowa
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
15.11.1895
03.11.1895
Tod
17.07.1918

Bildnachweis
Olgachair
Photo studio Boasson and Eggler , Saint Petersburg , Nevsky 24.; State Archive of the Russian Federation
http://www.znak-art.ru/limg2.htm?c=a17cb0&n=1 and http://www.znak-art.ru/limg2.htm?c=a17cb0&n=2
Bildquelle: File:Olgachair.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Olga Nikolajewna Romanowa wurde am 15. November 1895 als erstes Kind des letzten russischen Kaisers Nikolaus II. und seiner Frau Alexandra Fjodorowna geboren. Die Geburt war schwierig und dauerte dreizehn Stunden; schließlich musste der Arzt eine Zange einsetzen. Olga wog bei ihrer Geburt etwa 4,5 Kilogramm. Ihre Eltern waren dennoch glücklich über ein Mädchen. Nikolaus erklärte, als Tochter gehöre sie der Familie, während ein Sohn dem Volk gehört hätte. Olga hatte vier Geschwister: Tatjana, Maria, Anastasia und den Zarewitsch Alexei. Mit Tatjana war sie besonders eng verbunden. Die beiden teilten ein Zimmer, trugen oft gleiche Kleidung und wurden als „das große Paar“ bezeichnet.
Die Kinder wuchsen trotz ihrer herausgehobenen Stellung vergleichsweise schlicht auf. Sie schliefen auf harten Feldbetten, sofern sie nicht krank waren, nahmen jeden Morgen kalte Bäder und wurden von den Bediensteten mit ihren Vornamen und Vatersnamen angesprochen. Olga wurde von ihrer Familie unter Kosenamen wie Oljuschka, Olenka oder Olya gerufen. Ihre Urgroßmutter, Königin Victoria, gehörte zu ihren Taufpatinnen. Bereits als Säugling reiste Olga mit ihren Eltern nach Schottland, Frankreich und Darmstadt und wurde bei diesen Besuchen von der Öffentlichkeit begeistert aufgenommen.
Zeitgenossen beschrieben Olga als groß, mit hellbraunem Haar, blauen Augen und einem leicht nach oben gerichteten, von ihr selbst als „bescheidenen Stups“ bezeichneten Nasenrücken. Als Kind galt sie zunächst als eher unscheinbar, entwickelte sich aber später zu einer anziehenden jungen Frau. Charakterlich verband sie Mitgefühl und Hilfsbereitschaft mit einem starken Willen. Sie verschenkte als Kind spontan ihre Puppe an ein weinendes Mädchen und unterstützte später Bedürftige aus ihrem eigenen Vermögen. Einem kranken Kind, dessen Eltern eine Behandlung nicht bezahlen konnten, richtete sie eine regelmäßige Unterstützung für die medizinischen Kosten ein.
Gleichzeitig konnte Olga launisch, eigensinnig und manchmal ungehorsam sein. Ihre Mutter ermahnte sie wiederholt, höflich zu den Bediensteten zu sein und ihren jüngeren Geschwistern ein gutes Beispiel zu geben. Besonders schwierig war ihr Verhältnis zu Alexei, der wegen seiner Hämophilie häufig krank war und viel Aufmerksamkeit benötigte. Er liebte Olga jedoch sehr und erklärte nach Ermahnungen seiner Eltern, er sei „Olgas Junge“. Zu ihrem Vater hatte Olga ein inniges Verhältnis. Sie begleitete ihn auf Spaziergängen, spielte mit ihm Tennis und schwamm während der Sommeraufenthalte mit ihm. Ihrer Mutter stand sie dagegen vor allem in ihrer Jugend ambivalent gegenüber, auch weil Alexandra oft krank war und von Olga besondere Disziplin erwartete.
Olga war intelligent, lernte schnell und interessierte sich für Politik und Zeitungen. Ihr Französischlehrer Pierre Gilliard bescheinigte ihr ein außergewöhnlich schnelles Denken, gute Schlussfolgerungen und Eigeninitiative. Außerdem war sie musikalisch begabt: Sie konnte gehörte Stücke auf dem Klavier wiedergeben, schwierige Begleitungen spielen und besaß eine angenehme Mezzosopranstimme. Ihre behütete Erziehung ließ sie jedoch nur wenig vom praktischen Leben außerhalb des Hofes erfahren. Sie wusste kaum, wie man in einem Geschäft einkauft oder mit Geld umgeht, und war sogar einmal überzeugt, ein Hutmacher habe ihr einen Hut geschenkt.
Vor der Geburt ihres Bruders Alexei im Jahr 1904 gab es Überlegungen, Olga zur Thronerbin zu machen. Als Nikolaus II. 1900 schwer an Typhus erkrankte, versuchte Alexandra, eine Änderung der Thronfolgegesetze zu erreichen, damit im Fall eines fehlenden männlichen Erben Olga anstelle ihres Onkels den Thron übernehmen könnte. Die Reform kam jedoch nicht zustande. Später wurde Olga wegen ihrer Stellung vielfach als mögliche Braut europäischer Prinzen betrachtet. Im Gespräch waren unter anderem der rumänische Kronprinz Carol, der Prinz von Wales, serbische und bulgarische Prinzen sowie der russische Großfürst Dmitri Pawlowitsch. Olga selbst wollte einen Russen heiraten und in ihrer Heimat bleiben. Ihre Eltern versicherten ihr, sie nicht zu einer Ehe zu zwingen, die sie nicht wollte. Mehrere konkrete Heiratspläne scheiterten an fehlendem gegenseitigem Interesse oder an den Vorbehalten der Familie.
In ihrer Jugend verliebte sich Olga in mehrere junge Offiziere. Ende 1913 empfand sie starke Gefühle für Pawel Wor konow, einen Offizier der kaiserlichen Jacht Standart. Da eine Verbindung wegen des Standesunterschieds unmöglich war, heiratete er später eine Hofdame. Während des Ersten Weltkriegs entwickelte Olga eine besondere Zuneigung zu dem verwundeten Soldaten Dmitri Tschach-Bagow, den sie als Rotkreuzschwester betreute. Ihre Gefühle galten als unschuldig und hoffnungslos. In ihren Tagebüchern äußerte sie zudem den Wunsch nach einem ruhigen Leben auf dem Land, fern von offiziellen Verpflichtungen.
Der Erste Weltkrieg veränderte Olgas Leben grundlegend. Gemeinsam mit ihrer Schwester Tatjana und ihrer Mutter arbeitete sie in einem Lazarett in Zarskoje Selo und behandelte verwundete Soldaten. Dadurch begegnete sie Menschen und Familien, die sie in ihrem bisherigen Hofleben nie kennengelernt hätte. Sie zeigte großes Mitgefühl, doch die Arbeit im Operationssaal belastete ihre Nerven zunehmend. 1915 musste sie die direkte Pflege schwer Verwundeter aufgeben und übernahm Verwaltungsaufgaben sowie die Aufsicht über die Stationen. Zeitgenossen bemerkten, dass sie erschöpft, nervös und blutarm wirkte. Zugleich nahm sie die politische und finanzielle Krise Russlands offenbar klarer wahr als viele Angehörige ihrer Familie und erkannte, wie unpopulär ihre Eltern geworden waren.
Eine wichtige Rolle im Familienleben spielte Grigori Rasputin, auf dessen Gebete Alexandra wegen Alexeis Krankheit vertraute. Olga und ihre Geschwister wurden zunächst dazu angehalten, ihn als Freund der Familie zu betrachten. Rasputins Nähe zu den Kindern löste jedoch am Hof und in der Verwandtschaft heftige Kritik aus und nährte Gerüchte. Olga wurde im Lauf der Zeit skeptischer und erkannte zunehmend, dass die Verbindung ihrer Eltern zu Rasputin die politische Stabilität des Landes gefährdete. Seine Ermordung Ende 1916 erschütterte die Familie. Olga vermutete in ihrem Tagebuch, dass Dmitri Pawlowitsch beteiligt gewesen sein könnte, und schämte sich später dafür, dass Verwandte in den Mord verwickelt waren.
Nach der Revolution von 1917 wurde die kaiserliche Familie verhaftet. Sie lebte zunächst in Zarskoje Selo, später in Tobolsk und schließlich in Jekaterinburg unter zunehmend strengeren Bedingungen. Olga erkrankte an einer Rippenfellentzündung und litt während der Gefangenschaft unter Depressionen und starkem Gewichtsverlust. Trost fand sie in ihrem Glauben und in der Nähe ihrer Familie. In Gedichten und Briefen schrieb sie über Geduld, Vergebung und die Überzeugung, dass nicht das Böse, sondern nur die Liebe das Böse überwinden könne.
In der Nacht zum 17. Juli 1918 wurde die Familie im Keller des Ipatjew-Hauses von einem Erschießungskommando getötet. Olga und ihre Mutter versuchten noch, das Kreuzzeichen zu machen. Nachdem die erste Salve mehrere Familienmitglieder nur verletzt hatte, wurden Olga und Tatjana mit Bajonetten angegriffen. Olga starb schließlich durch einen Schuss in den Kiefer. Sie war 22 Jahre alt.
Lange hielten sich Gerüchte, einzelne Mitglieder der Familie hätten überlebt. DNA-Untersuchungen der in der Nähe von Jekaterinburg gefundenen sterblichen Überreste widerlegten diese Behauptungen. 2008 wurde bestätigt, dass die zunächst vermissten Überreste Alexei und einer seiner Schwestern gehörten; abschließende Untersuchungen kamen 2009 zu dem Ergebnis, dass die gesamte Familie gemeinsam gestorben war. Olga und ihre Angehörigen wurden 1981 von der Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland und 2000 von der Russischen Orthodoxen Kirche als heilige Märtyrer beziehungsweise Märtyrerträger verehrt. 1998 wurden die sterblichen Überreste von Nikolaus, Alexandra und drei ihrer Töchter in der Peter-und-Paul-Kathedrale in Sankt Petersburg beigesetzt.
Quelle: Grand Duchess Olga Nikolaevna of Russia (en, 1370673349). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
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