Person

Marie Valerie von Österreich

Verbindung zu einer anderen Person finden

Geburt

  1. 22.04.1868

Tod

  1. 06.09.1924

Porträt von Marie Valerie von Österreich
Bildnachweis

Maria Valeria austria 1890

Othmar von Türk

[1]

Bildquelle: File:Maria Valeria austria 1890.jpg · Lizenz: Public domain

Für die Darstellung in der Größe angepasst.

Biografie

Maria Valeria von Österreich wurde am 22. April 1868 in der Burg von Buda geboren. Sie war das jüngste Kind von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth, bekannt als Sisi, und zugleich das einzige ihrer Kinder, das in Ungarn zur Welt kam. Ihre Mutter hatte ausdrücklich darauf bestanden, dass die Geburt in Ungarn stattfand, nur wenige Monate nach der Krönung des Elternpaares zum ungarischen König und zur ungarischen Königin. Am 25. April 1868 wurde das Mädchen im Budapester Königspalast getauft. Sie erhielt die Namen Maria Matilda Amalia Valeria, wurde in der Familie jedoch meist Valeria genannt. Ihre Patin war die ehemalige Königin Maria von Neapel, eine Schwester Elisabeths. Maria Valeria wuchs mit ihren Geschwistern Gisela und Rudolf auf; eine ältere Schwester, Sophie Friederike, war bereits im Kindesalter gestorben. Elisabeth betrachtete Maria Valeria offen als ihr Lieblingskind und ließ sie in einem betont ungarischen Geist erziehen. Bis 1883 unterrichtete sie der Bischof Jácint Rónay, anschließend übernahm der Wiener Lehrer Karl Ferdinand Kummer ihre Ausbildung in deutscher Sprache, Geschichte und Literatur. Maria Valeria lernte außerdem Französisch, Englisch und Italienisch. Während ihrer Kindheit hielt sie sich häufig mit ihrer Cousine Marie Louise von Larisch-Wallersee in Ungarn auf und verbrachte viel Zeit mit ihrer Mutter im Schloss Gödöllő. Am Wiener Hof erhielt Maria Valeria wegen ihrer Herkunft die spöttischen Beinamen „ungarisches Kind“ und „die Einzige“. Was zunächst als Ausdruck ihrer besonderen Stellung gedacht war, wurde für sie zunehmend belastend. Entgegen den Absichten ihrer Mutter wandte sie sich später von den Ungarn ab und wollte auch mit Familienangehörigen und Verwandten nur noch Deutsch sprechen. Ihre Kindheit war zudem von der herausgehobenen Stellung ihrer Familie und von den Erwartungen geprägt, die an eine Tochter des habsburgischen Herrscherpaares gestellt wurden. Im Jahr 1886 bemerkte Maria Valeria auf einem Ball den Erzherzog Franz Salvator aus der toskanischen Linie der Habsburger. Er war ihr Cousin dritten Grades und galt im Vergleich zu anderen möglichen Bewerbern als politisch wenig bedeutend. Zuvor hatte man am Hof vermutet, sie könne einen sächsischen Kronprinzen, einen portugiesischen Prinzen oder den bayerischen Herzog Alfons heiraten. Elisabeth setzte jedoch durch, dass ihre Tochter selbst über ihren Ehemann entscheiden durfte. Maria Valeria wartete mehrere Jahre, um sich ihrer Gefühle sicher zu werden, und entschied sich schließlich für Franz Salvator. Ihre Verlobung wurde an Weihnachten 1888 bekannt gegeben. Die Entscheidung führte zeitweise zu Spannungen mit ihrem Bruder Rudolf, doch kurz vor dessen Tod versöhnte er sich mit ihr. Vor der Hochzeit musste Maria Valeria am 16. Juni 1890 im Wiener Hofburg ihre Thronansprüche aufgeben. Am 31. Juli desselben Jahres heiratete sie Franz Salvator in Bad Ischl. Wegen Rudolfs Tod im Jahr zuvor wurde die Hochzeit nach höfischen Maßstäben vergleichsweise schlicht gefeiert. Die Ehe beruhte auf gegenseitiger Zuneigung und brachte zehn Kinder hervor, von denen das jüngste wenige Stunden nach der Geburt starb. Zu den Kindern gehörten Elisabeth Franziska, Franz Karl Salvator, Hubert Salvator, Hedwig, Theodor Salvator, Gertrud, Maria Elisabeth, Clemens Salvator und Mathilde. Mehrere von ihnen heirateten Angehörige gräflicher oder fürstlicher Familien. Die Ehe Maria Valerias wurde im Laufe der Zeit jedoch unglücklich, da Franz Salvator zahlreiche Beziehungen und bekannte Mätressen hatte. Die Familie lebte überwiegend im Schloss Wallsee in Niederösterreich. Kaiser Franz Joseph war dort häufig zu Gast und verbrachte mehrere Weihnachtsfeste mit seiner Tochter und deren Familie. Maria Valeria selbst mied, ähnlich wie ihre Mutter, öffentliche Auftritte, bei denen sie ihre hohe Stellung repräsentieren musste. Dagegen engagierte sie sich mit großer Hingabe für wohltätige Aufgaben. Nach dem Brand des Wiener Ringtheaters von 1881 kümmerte sie sich um die Opfer und deren Angehörige. Während des Ersten Weltkriegs richtete sie im Schloss Wallsee ein Militärkrankenhaus ein. Später entstand dort das „Maria-Valeria-Armenkrankenhaus und Altenheim“, wodurch sie den Beinamen „Engel von Wallsee“ erhielt. Sie unterstützte außerdem Klöster und Kirchen, gründete Stiftungen für Bedürftige und übernahm die Schirmherrschaft über sieben Wohltätigkeitsvereine. 1915 wurde in Budapest die Maria-Valeria-Siedlung als Notkrankenhaus gegründet. Neben ihrem sozialen Engagement interessierte sich Maria Valeria für Literatur und bildende Kunst. Besonders gern malte sie Blumen und Landschaften. Gemeinsam mit ihrer Mutter veröffentlichte sie zunächst einen Band mit dem Titel „Ein Herbst im Süden“; 1884 erschienen außerdem eigene lyrische Gedichte im Druck. Ihr sorgfältig geführtes Tagebuch vermittelt Einblicke in die Gesellschaft ihrer Zeit und in das Leben der Kaiserin Elisabeth. Maria Valeria verfasste auch religiöse Betrachtungen und einige Bühnenstücke. Mehrere ihrer Einakter wurden von Hofschauspielern für die kaiserliche Familie in der Wiener Hofburg, in Gödöllő und in Wartholz aufgeführt. Außerdem begleitete sie ihre Mutter auf Reisen durch Ungarn, das Salzkammergut, Meran, Deutschland, Frankreich und England. Maria Valeria fühlte sich Österreich eng verbunden. Nach dem Zerfall der Monarchie und der Ausrufung der Ersten Republik erkannte sie das Habsburgergesetz von 1919 an und unterzeichnete die Verzichtserklärung. Sie durfte ihr Vermögen behalten und bis zu ihrem Lebensende in Österreich bleiben. Maria Valeria starb am 6. September 1924 im Schloss Wallsee. Unter großer Anteilnahme wurde sie im nahe gelegenen niederösterreichischen Sindelburg beigesetzt. Die 1895 eröffnete Brücke zwischen Esztergom und Párkány, dem heutigen Štúrovo, trägt ihren Namen.

Quelle: Habsburg–Lotaringiai Mária Valéria főhercegnő (hu, 29333066). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0