Person
Karl von Burgau
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
Keine geprüfte Geburtsangabe vorhanden.
Tod
Keine geprüfte Todesangabe vorhanden.
Biografie
Karl, Markgraf von Burgau, wurde am 22. November 1560 auf Schloss Pürglitz in Böhmen geboren und starb am 30. Oktober 1618 in Überlingen. Er war ein Sohn des Erzherzogs Ferdinand von Österreich und Philippine Welser sowie der Bruder des Kardinals Andreas von Österreich. Wegen seiner Herkunft wird er auch Karl von Österreich genannt.
Karl und sein älterer Bruder Andreas entstammten der heimlich geschlossenen morganatischen Ehe Ferdinands mit Philippine Welser. Die spätere Überlieferung stellte ihre Herkunft in der Erzählung dar, beide Brüder seien als angebliche Findelkinder an der Schwelle eines böhmischen Schlosses abgelegt und dort von ihrer leiblichen Mutter aufgenommen worden. Philippine lebte mit Ferdinand, der damals böhmischer Statthalter war, auf Burg Křivoklát, dem Schloss Pürglitz. Erst später wurde die Ehe öffentlich bekannt. Die Kinder durften daraufhin den Namen von Österreich führen, doch das Haus Habsburg erkannte sie nur eingeschränkt als erbfolgeberechtigt an: Sie hätten nur dann erben können, wenn alle anderen Habsburger ausgestorben wären. Karl wuchs zunächst in Böhmen und später auf Schloss Ambras in Tirol auf, wo sein Vater als Landesfürst residierte.
Karl entschied sich für eine militärische Laufbahn. Nach dem Tod des polnischen Königs Stephan Báthory im Jahr 1586 bewarb er sich erfolglos um die polnische Krone. Zwei Jahre später führte er unter dem Oberbefehl Alexander Farneses ein spanisches Regiment im Krieg gegen die Niederlande. Anschließend wurde er im Krieg gegen die Türken eingesetzt. In den Jahren 1595 und 1596 errang er dort mehrere militärische Erfolge und wurde zum Feldmarschall ernannt. Diese Erfolge gingen allerdings mit erheblichen Belastungen für seine Truppen einher. Die Soldaten litten unter Hunger, erhielten teilweise keinen Sold und desertierten in größerer Zahl.
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1595 wurde Karl trotz seiner nur eingeschränkten Erbberechtigung mit beträchtlichen Geldmitteln und mehreren Herrschaften ausgestattet. Seine bedeutendste Besitzung war die Markgrafschaft Burgau. Außerdem erhielt er die Landgrafschaft Nellenburg und die Grafschaft Hohenberg. Die Herrschaft Ambras samt den dort aufbewahrten Sammlungen, die ihm sein Vater hinterlassen hatte, verkaufte er an das Erzhaus Österreich.
Karl machte Schloss Günzburg zu seiner Residenz und unterhielt dort einen aufwendigen, von Zeitgenossen als prunkvoll beschriebenen Hof. Bei seinen Untertanen und den adligen Bewohnern der Markgrafschaft war er jedoch weniger beliebt. Er verbot den Konsum von Weißbier und geriet mit einflussreichen Kräften in Konflikt. Dazu gehörten unter anderem der Bischof von Augsburg, die Grafen Fugger sowie die Reichsstädte Ulm und Augsburg. Zollerhöhungen und Auseinandersetzungen über Herrschaftsrechte verschärften diese Spannungen.
Seine Herrschaft war zudem von einer ausgeprägten religiösen Strenge geprägt. Auf seine Veranlassung wurde 1615 oder 1616 in Günzburg ein Kapuzinerkloster gegründet. Seine eifernde Religiosität führte 1617 jedoch auch zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus seiner Residenzstadt. Die dort lebenden Juden erhielten die Anweisung, Günzburg innerhalb eines Jahres zu verlassen.
Seit 1601 war Karl mit Sibylle verheiratet, einer Tochter Wilhelms, des Herzogs von Jülich. Die Ehe blieb kinderlos. Nach Karls Tod fielen seine Besitzungen deshalb an die habsburgische Hauptlinie zurück. Aus außerehelichen Beziehungen hatte er drei Kinder. Mit Chiara Elisa Isabella Ferari di Ferrero hatte er Anna Elisabeth, Freiin von Hohenberg, die 1607 Pietro Francesco di Ferrero, Marchese della Marmora, heiratete. Sein Sohn Karl, Freiherr von Hohenberg, war später Rat und Pfleger der Herrschaft Erbach. Er ging zunächst 1615 eine Ehe mit Anna Katharina von Waltenhofen und später, im Jahr 1621, mit Maria Jakobine von Stotzingen ein. Der zweite Sohn, Ferdinand, Freiherr von Hohenberg, wurde Rat und Hauptmann der Grafschaft Hohenberg und heiratete 1617 Barbara von Breiningen.
Karls Leichnam wurde 1619 in die neu errichtete Kirche des von ihm gegründeten Kapuzinerklosters in Günzburg überführt. Dort fand 1627 auch seine Ehefrau Sibylle ihre letzte Ruhestätte. Vor dem Abbruch des 1806 säkularisierten Klosters wurden die sterblichen Überreste des Ehepaares in die Günzburger Sankt-Martins-Kirche überführt. Karl von Burgau blieb damit als militärischer Befehlshaber, habsburgischer Territorialherr und Förderer kirchlicher Einrichtungen in der Geschichte Schwabens und des Hauses Habsburg präsent, zugleich aber auch als Herrscher, dessen religiöse und wirtschaftliche Maßnahmen erhebliche Spannungen mit seinen Untertanen und den jüdischen Einwohnern Günzburgs hervorriefen.
Quelle: Karl von Burgau (de, 262607945). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
Eltern
Kinder
Keine geprüften Kinderbeziehungen vorhanden.