Person
Johanna van der Gheynst
Verbindung zu einer anderen Person findenGeburt
Keine geprüfte Geburtsangabe vorhanden.
Tod
Keine geprüfte Todesangabe vorhanden.
Biografie
Jeanne Marie van der Gheynst, auch Johanna Maria van der Gheynst genannt, starb 1541 und ist vor allem als Mutter Margaretes von Parma bekannt, der unehelichen Tochter Kaiser Karls V. Sie stammte aus Nukerke und war das älteste Kind des dort ansässigen Tapisseriewirkers Gilles van der Gheynst und seiner Frau Jeanne van der Caye, die als Dienstmagd gearbeitet hatte. Jeannes Familie hatte bäuerliche Wurzeln; der Historiker Jean-Marie Valentin bezeichnete sie zugleich als bürgerlich. Zu ihren Geschwistern gehörten der Bruder Baudouin sowie die Schwestern Agnes und Marie. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie waren später offenbar schwierig. Baudouin arbeitete als Tapisseriewirker und lebte mit Agnes in Nukerke, während Marie den in Brüssel wohnenden Schreiber Jean Schot heiratete. Nach dessen Tod geriet ihre Familie in solche Not, dass sie Unterstützung bei ihrer Verwandten Margarete erbitten musste, jedoch nur wenig Hilfe erhielt.
Jeanne stand im Dienst des Gouverneurs von Oudenaarde, Charles I. de Lalaing, und arbeitete als Kammerzofe für dessen Ehefrau Jacqueline de Luxembourg. Während eines Aufenthalts Karls V. im Schloss von Burgund bemerkte der Kaiser die junge Flämin. Über das Verhältnis zwischen beiden ist nur wenig bekannt. Es bleibt unklar, ob es sich um eine Liebesbeziehung, eine erzwungene Verbindung oder eine Vergewaltigung handelte; die historische Bewertung ist nicht einheitlich. Jeanne verließ anschließend das Haus der Familie Lalaing und fand Aufnahme bei Verwandten mütterlicherseits außerhalb von Oudenaarde.
Im Juli 1522 brachte sie eine Tochter zur Welt, die in der Kirche Notre-Dame de Pamele in Oudenaarde getauft wurde. Das Kind erhielt den Namen Margarete, vermutlich zu Ehren von Margarete von Österreich, der Tante väterlicherseits und früheren Erzieherin Karls V., die als Statthalterin der habsburgischen Niederlande amtierte. Karl V. erkannte das Mädchen als seine Tochter an. Margarete wurde zunächst im Haushalt André de Douvrins erzogen, der als Mundschenk des Erzherzogs Ferdinand von Österreich tätig war, und später von Margarete von Österreich betreut. Unter dem Namen Margarete von Parma sollte sie später selbst eine bedeutende politische Rolle übernehmen.
Jeanne und ihre Familie sahen Karl V. und Margarete von Parma nach dieser Trennung nie wieder. Für Jeanne bedeutete die Geburt ihrer Tochter daher keinen dauerhaften Platz am kaiserlichen Hof und auch keine enge Beziehung zu ihrem Kind. Ihr weiteres Leben verlief in einem anderen sozialen und familiären Rahmen. 1524 heiratete sie Jean van den Dijcke, auch Vanden Dycke genannt, der als Rat und außerordentlicher Meister der Rechnungskammer von Brabant tätig war. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, wobei die genaue Zahl nicht feststeht.
Zu den bekannten Kindern gehörte Guillaume, der Rechtswissenschaften studierte und 1564 heiratete. Die Töchter Agnes und Gauda traten beide in ein Kloster ein: Agnes in die Abtei Roosendael bei Mecheln, Gauda in die Abtei von Auderghem. Gauda starb am 20. Juni 1602. Ein weiterer Sohn namens Jean wurde ebenfalls Amtmann von Heuverhuys, und zwar ab dem 29. Dezember 1586. Jeans Ehemann erwarb 1558 in seiner Funktion als Amtmann von Heuverhuys die Herrschaft Santvliet von Antoine van Quickelberghe.
Jeanne van der Gheynst starb 1541. Über ihr eigenes Leben ist im Vergleich zu dem ihrer Tochter nur wenig überliefert. Ihre historische Bedeutung beruht vor allem darauf, dass sie als junge Dienstmagd die Mutter einer Tochter Karls V. wurde. Margarete von Parma, die aus dieser Verbindung hervorging, blieb dauerhaft mit der habsburgischen Dynastie verbunden und wurde später unter ihrem bekannten Namen zu einer wichtigen Persönlichkeit der europäischen Politik. Jeanne selbst blieb dagegen außerhalb des höfischen Lebens, das die weitere Laufbahn ihrer Tochter prägte.
Quelle: Jeanne van der Gheynst (fr, 233623823). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
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