
Bildnachweis
Robert Sterl - Kronprinz Georg von Sachsen 1916
Robert Sterl
Robert Sterl. Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien . Kunsthalle Rostock, Rostock 1976.
Bildquelle: File:Robert Sterl - Kronprinz Georg von Sachsen 1916.jpg · Lizenz: Public domain
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Biografie
Georg von Sachsen, mit vollständigem Namen Friedrich August Georg Ferdinand Albert Carl Anton Maria Paulus Marcellus, wurde am 15. Januar 1893 im Dresdner Taschenbergpalais als erstes Kind des späteren sächsischen Königs Friedrich August III. und dessen Ehefrau Luise, einer Erzherzogin von Österreich-Toskana, geboren. Seine Geburt als Thronfolger wurde nach höfischem Zeremoniell mit 101 Kanonenschüssen verkündet. Georg hatte drei Brüder und drei Schwestern. Bereits am Tag nach seiner Geburt wurde er katholisch getauft.
Seine Kindheit war zunächst von einer religiös geprägten Erziehung bestimmt, wurde jedoch durch die Konflikte seiner Eltern überschattet. Nach der Trennung und Scheidung im Jahr 1903 litt der schüchterne, eng an seine Mutter gebundene Junge besonders unter ihrem Weggang vom Hof. Sein Vater verbannte Erinnerungen an sie weitgehend aus dem Alltag der Kinder und erzog Georg zu Verzicht und Genügsamkeit. Eine wichtige Bezugsperson wurde später Prinzessin Maria Immaculata von Bourbon-Sizilien, die zweite Ehefrau seines Onkels Johann Georg. Zu seinem Lieblingsheiligen, dem jungen Jesuiten Aloisius, entwickelte Georg eine lebenslange Verehrung.
Als sein Vater 1904 den sächsischen Thron bestieg, wurde Georg im Alter von elf Jahren Kronprinz. Er besuchte die sogenannte Prinzenschule im Taschenbergpalais und erhielt zugleich eine vormilitärische Ausbildung. An seinem zwölften Geburtstag trat er als Leutnant in die sächsische Armee ein. Neben dem Unterricht absolvierte er militärische Übungen, Reit- und Schießausbildung sowie Manöver. 1912 bestand er das Abitur, studierte vorübergehend Staatswissenschaften und übernahm gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich Christian Führungsaufgaben im Leib-Grenadier-Regiment Nr. 100. Am 20. März 1913 wurde er zum Oberleutnant befördert. Ein geplantes Studium in Leipzig und Freiburg wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert.
Im Krieg diente Georg zunächst als Ordonnanzoffizier bei der 3. Sächsischen Armee an der französischen Front. Krankheiten zwangen ihn zeitweise zu längerer Erholung. Danach übernahm er Aufgaben bei Truppenbesuchen, in Lazaretten und bei der Vertretung der Interessen seines Vaters gegenüber der militärischen Führung. 1915 kam er durch den Jesuiten und Feldgeistlichen Johann Baptist von Dalwigk erstmals näher mit der Gesellschaft Jesu in Berührung. 1916 war Georg unter anderem als Regimentsadjutant und Nachrichtenoffizier tätig und wurde bei der Schlacht an der Somme als Verbindungsoffizier eingesetzt. Die Kriegserlebnisse führten bei ihm zu Nervosität, Unruhe und Todesängsten. Zugleich wuchs sein Interesse am Priestertum.
1917 diente Georg im Generalstab, wurde zum Major befördert und übernahm später ein Bataillon an der Ostfront. Dort geriet er mehrfach unter Beschuss. Ende desselben Jahres erhielt er das Kommando über das nach ihm benannte 5. Infanterie-Regiment Nr. 104. 1918 kämpfte das Regiment an der Westfront; am 13. Mai wurde Georg zum Oberstleutnant befördert. Seine kritische Haltung gegenüber dem politischen und gesellschaftlichen System des Kaiserreichs zeigte sich, als er vor einer Revolution warnte, falls Deutschland seinen Kastengeist und Profitkapitalismus nicht überwinde.
Während der Novemberrevolution 1918 versuchte Georg im Auftrag seines Vaters, einen Verständigungsfrieden und eine politische Lösung zu fördern. Nach dem Sturz der Monarchie lehnte er es zunächst ab, auf seine Rechte als Erstgeborener zu verzichten. In der Abgeschiedenheit der Oberlausitz veränderte sich jedoch seine Haltung. Bei einer Wallfahrt nach Rosenthal beschloss er, auf Krone und Besitz zu verzichten und sein Leben der Kirche zu widmen. Bereits am 15. Januar 1918 war er dem Dritten Orden der Franziskaner beigetreten und hatte den Ordensnamen Ludwig angenommen.
Georg studierte zunächst in Breslau Volkswirtschaft, Soziallehre, Kirchengeschichte und Apologetik, später Philosophie und Kirchenrecht in Tübingen sowie Theologie in Freiburg. Obwohl sein Vater einer geistlichen Laufbahn nur unter bestimmten Bedingungen zustimmte und insbesondere einen Eintritt in den Jesuitenorden ablehnte, hielt Georg an seinem Entschluss fest. Am 15. Juli 1924 wurde er in Trebnitz zum Priester geweiht. Am folgenden Tag feierte er seine erste Messe. Zunächst wirkte er als Aushilfspriester im Bistum Meißen und in Schlesien.
1925 trat Georg schließlich in die Gesellschaft Jesu ein. Sein Ordenseintritt wurde zunächst kontrovers aufgenommen; Gegner warfen ihm unter anderem Fahnenflucht und Verrat vor. Er setzte seine Ausbildung dennoch fort, legte seine Gelübde ab und studierte Philosophie und Theologie. Als Prediger und Exerzitienleiter war er in vielen Teilen Deutschlands tätig. Dabei setzte er sich für die Verständigung zwischen den Konfessionen ein und wandte sich gegen den zunehmenden Antisemitismus. Nach dem Tod seines Vaters 1932 lehnte er weiterhin jede politische Verantwortung für Sachsen ab.
Ab 1933 lebte Georg überwiegend in Berlin und widmete sich der Seelsorge. Er war am Aufbau des Canisius-Kollegs beteiligt, betreute katholische Frauenvereine, wirkte in der Mütterseelsorge und kümmerte sich um die geistliche Betreuung der Laienbrüder. Dem Nationalsozialismus stand er ablehnend gegenüber. Die antichristlichen und antisemitischen Entwicklungen sowie die Zerstörung monarchischer und christlicher Traditionen empfand er als Angriff auf seine Überzeugungen. Georg beherrschte mehrere Sprachen und hielt auch im Ausland Predigten. Während des Zweiten Weltkriegs wollte er als Feldseelsorger arbeiten, war dazu wegen seiner zunehmenden Rücken- und Gelenkerkrankungen jedoch nicht mehr in der Lage.
Seit 1936 gehörte Georg dem Berliner Una-Sancta-Kreis an, in dem katholische und evangelische Christen zu vertraulichen Gesprächen über Glauben, Ökumene und die politische Lage zusammenkamen. Zudem stand er mit oppositionellen Kreisen in Verbindung, darunter Persönlichkeiten, die später dem Umfeld des Kreisauer Kreises und des Widerstands vom 20. Juli 1944 zugerechnet wurden. Aufgrund seiner Herkunft, seiner kirchlichen Stellung und seiner Kontakte wurde er von der Gestapo überwacht, verhört und durchsucht. Er unterstützte Oppositionelle und Juden bei der Flucht oder versuchte, sie dem Zugriff der Behörden zu entziehen.
Am 14. Mai 1943 fuhr Georg zum Schwimmen an den Groß Glienicker See. Nachdem er nicht zurückgekehrt war, begann eine erfolglose Suche. Drei Wochen später wurde seine Leiche gefunden. Die Obduktion stellte Herzversagen fest und ergab keine Hinweise auf Ertrinken oder ein Gewaltverbrechen. Sein Bruder Ernst Heinrich bezweifelte diesen Befund jedoch und vermutete einen Mord durch die Gestapo. Georg wurde am 16. Juni 1943 unter großer Anteilnahme in der Dresdner Hofkirche beigesetzt. Er starb im Alter von fünfzig Jahren als ehemaliger Kronprinz, katholischer Priester und Jesuit, der sein Leben nach dem Ende der Monarchie der Kirche, der Ökumene und dem Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft gewidmet hatte.
Quelle: Georg von Sachsen (1893–1943) (de, 269564780). Die Fakten wurden ausgewählt, zusammengefasst und eigenständig neu formuliert. Wikipedia-Quellinhalte: CC BY-SA 4.0
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